Puppentheater für Erwachsene: Eine Kunstform erobert die Bühnen
Puppentheater ist längst nicht mehr nur eine Domäne für Kinder. Im Gegenteil: Diese besondere Theaterform entwickelt sich zunehmend zu einer anspruchsvollen Kunst, die auch erwachsenes Publikum in ihren Bann zieht. Die Magie entsteht, wenn Figuren und Objekte in den Händen begnadeter Puppenspieler zu Leben erwachen und Dinge vollbringen, die selbst realen Schauspielern auf der Bühne verwehrt bleiben.
Zwei Meister ihres Fachs kommen nach Güstrow
Am 25. und 26. April dürfen sich die Güstrower auf einen besonderen kulturellen Höhepunkt freuen. Die Berliner Puppenspieler Pierre Schäfer und Veronika Thieme gastieren im renommierten Ernst-Barlach-Theater mit gleich zwei Produktionen: einem Stück für Erwachsene und einer Vorstellung für Kinder. Beide Künstler sind Absolventen und Dozenten der Puppenspiel-Sparte an der Berliner Hochschule für Schauspielkunst „Ernst Busch“ und gelten in Fachkreisen als wahre Meister ihres Genres.
Intendantin Johanna Sandberg hat mit dieser Einladung bewusst auf Qualität und künstlerische Exzellenz gesetzt. Die beiden Puppenspieler verbinden handwerkliche Perfektion mit tiefgründigen künstlerischen Konzepten, die weit über konventionelle Theatererfahrungen hinausgehen.
„Looking for Brunhild“: Die Nibelungensage neu interpretiert
Das Erwachsenenstück mit dem Titel „Looking for Brunhild“ (deutsch: „Die Suche nach Brunhild“) stellt eine faszinierende Adaption der berühmten Nibelungensage dar. Die Bühne verwandelt sich in ein mächtiges Schwert, auf dessen Schneide sich die dramatischen Konflikte der Sage entfalten. Es geht um fundamentale menschliche Themen: Wahrheit und Lüge, Liebe und Verrat, Treue und Tod.
Besonders innovativ ist die Erzählperspektive: Die Geschichte wird aus der Sicht von Brunhild präsentiert, die als letzte Überlebende die Ereignisse aus Rauch und Asche wiederauferstehen lässt. Regisseur Hans-Jochen Menzel und Puppenbauerin Suse Wächter haben gemeinsam mit den Darstellern eine Produktion geschaffen, die traditionelle Erzählformen mit moderner Theaterästhetik verbindet.
Die Künstler hinter der Magie
Pierre Schäfer, neben seiner Tätigkeit als Puppenspieler auch ein gefragter Dozent und Regisseur, erklärt seine Faszination für den Stoff: „Ich hatte schon immer Lust, die Nibelungensage zu machen.“ Seine künstlerische Partnerschaft mit Veronika Thieme, die einst seine Studentin war, hat sich über Jahre zu einer fruchtbaren Zusammenarbeit entwickelt.
Thieme ist dem Publikum in Mecklenburg-Vorpommern noch von ihrer Zeit am Schweriner Staatstheater (2010-2013) bekannt, wo sie mit ihren „Zwiegesprächen mit Gott“ bleibenden Eindruck hinterließ. Beide Künstler betonen, dass sie in ihren Adaptionen literarische Vorlagen nur als Ausgangspunkt nutzen, um daraus vollkommen eigenständige künstlerische Werke zu entwickeln.
Auch für die Kleinen: Spielerische Auseinandersetzung mit Macht
Das mitgebrachte Kinderstück „Ich habe König“ beweist, dass anspruchsvolles Puppentheater keine Altersgrenzen kennt. Ausgehend von der Frage, was Kinder über Machtstrukturen wissen, lassen die Künstler Spielzeug aus Kinderzimmern lebendig werden. Das Stück thematisiert auf spielerische Weise grundlegende gesellschaftliche Fragen: Was bedeutet Herrschaft? Wie entsteht Unterdrückung? Und vor allem: Wie wollen wir eigentlich zusammenleben?
Diese Produktion richtet sich zwar formal an Kinder ab vier Jahren, bietet aber auch den begleitenden Erwachsenen reichhaltige Denkanstöße und unterhaltsame Theatermomente.
Termine und weitere Informationen
Die Vorstellung „Looking for Brunhild“ für Erwachsene beginnt am 25. April um 19:30 Uhr im Ernst-Barlach-Theater Güstrow. Das Kinderstück „Ich habe König“ wird am selben Tag um 16:00 Uhr aufgeführt. Beide Produktionen versprechen ein einzigartiges Theatererlebnis, das konventionelle Erwartungen an Puppenspiel bewusst durchbricht und neue Maßstäbe in dieser besonderen Kunstform setzt.
Das Gastspiel der Berliner Künstler unterstreicht einmal mehr die kulturelle Vielfalt und Qualität, die das Ernst-Barlach-Theater regelmäßig nach Güstrow bringt. Ein Beweis dafür, dass auch vermeintlich traditionelle Kunstformen wie das Puppentheater zeitgemäß und relevant bleiben können, wenn sie von herausragenden Künstlern interpretiert werden.



