TV-Serien im Trend: Faschismus und Totalitarismus dominieren die Bildschirme
Die Miniserie „Sternstunde der Mörder“, „Babylon Berlin“ oder auch „The Testaments“, das Sequel von „The Handmaid’s Tale“: Derzeit drehen sich zahlreiche Serien intensiv um Themen wie Diktatur, Repression und autoritäre Systeme. Dieser Trend wurde besonders beim Festival Series Mania in Lille deutlich, wo alljährlich rund 5.000 Medienmanager und Kreative aus über 75 Ländern zusammenkommen.
Dystopische Serien werden von der Realität eingeholt
Was wäre, wenn in naher Zukunft ein populistischer, rechtsextremer Politiker an die Macht käme und alle Migranten aus seinem Land ausweisen lassen würde? Genau diese Frage stellt die belgische Serie „The Best Immigrant“, die auf dem Event in Nordfrankreich internationale Premiere feierte. Ursprünglich als reine Dystopie geplant, wurde die Serie mit Blick auf aktuelle politische Vorgänge in vielen Ländern von der Wirklichkeit eingeholt.
„Das ist beängstigend“, teilte Festivaldirektorin Laurence Herszberg mit. „Wenn man das sieht, hat man auch sofort die Bilder vom ICE-Einsatz in Minneapolis vor Augen. Und was wir dort erleben, ist ein Abbild dessen, was in vielen Ländern geschieht und diskutiert wird, auch in Deutschland.“
Politische Stoffe im Fokus der Serienlandschaft
Selten war die Series Mania so politisch wie diesmal. Bei der Präsentation der kommenden Highlights gab es zahlreiche Stoffe, die sich intensiv mit Faschismus und Totalitarismus auseinandersetzen. So eröffnete etwa die Disney-Produktion „The Testaments - Die Zeuginnen“ in Anwesenheit des gesamten Teams, darunter Schauspielerin Chase Infiniti, die Veranstaltung in Nordfrankreich.
Margaret Atwoods Fortsetzung des Welterfolgs von „The Handmaid’s Tale - Der Report der Magd“ handelt von der Unterdrückung der Frauen in Gilead, einem fiktiven Staat mit patriarchalisch-repressiver Gesellschaft auf dem Boden von Teilen der USA.
Universelle Geschichten gegen unmenschliche Systeme
Aufmerksamkeit erregte auch „Etty“, ein Sechsteiler, der ab 13. Mai auf arte.tv zu sehen sein wird. Die Serie basiert auf den Tagebüchern von Etty Hillesum, die in Amsterdam lebte und in Auschwitz ermordet wurde. Der israelische Regisseur Hagai Levi betonte jedoch, dass es ihm nicht um eine reine Holocaust-Geschichte ging: „Daher haben wir die Handlung in die heutige Zeit versetzt, weil es die Menschen überall ansprechen soll, beispielsweise auch in Israel, wo es diese präfaschistischen Strömungen gibt.“
Sebastian Koch, einer der mitwirkenden Schauspieler, erklärte: „Es geht darum, zu beschreiben, was unmenschliche Systeme mit uns machen, ob und welche Wahlmöglichkeiten wir haben, uns in solchen Systemen zu verhalten.“ Mit Blick auf Länder wie Ungarn, Italien oder die USA, in denen faschistoide Züge sichtbar würden, seien solche Stoffe umso wichtiger.
Europäische Produktionen gewinnen an Bedeutung
Ein weiteres Beispiel für den Trend ist „All Heroes Are Bastards“, eine deutsche Fantasy-Dramaserie, die bereits auf der Berlinale Premiere hatte. Die Geschichte von drei migrantischen Außenseitern, die Superkräfte erhalten und gegen ein totalitäres System kämpfen, wurde von der Film- und Medienstiftung NRW unterstützt.
Deren Geschäftsführer Walid Nakschbandi ist überzeugt: „Denn Sie erweitern den gesellschaftlichen Blick, fördern Empathie und ermöglichen eine differenziertere Auseinandersetzung mit Fragen von Zugehörigkeit, Identität und Zusammenleben.“
Dass Europa als Raum für ambitionierte Projekte mit gesellschaftspolitischen Themen immer wichtiger wird, zeigt sich immer deutlicher. „Wir haben den Eindruck gewonnen, dass mit Blick auf den Anspruch der Geschichten, die kreativen Impulse aktuell aus Europa kommen“, sagte Herszberg in Lille.
Für diesen Ansatz steht auch das neu gegründete Tochterunternehmen Peak Point Pictures der MMC-Studios. „Wir werden relevante Stoffe für den europäischen Markt mit europäischen Stoffen entwickeln, auch mit Blick auf jüngere Zielgruppen“, kündigten die Geschäftsführer Bastie Griese und Till Derenbach an.
Ausblick auf kommende Produktionen
Im Spätsommer oder Herbst steht zudem die fünfte und finale Staffel von „Babylon Berlin“ in der ARD an. Die Dreharbeiten fanden im Frühjahr 2025 statt, und die acht neuen Folgen basieren auf Volker Kutschers Roman „Märzgefallene“. Sie spielen im Jahr 1933, dem Jahr der Machtergreifung der Nazis, und setzen damit den Trend zu politisch brisanten Serienstoffen fort.



