UNESCO-Anerkennung für Volksfeste: Rostocker Schausteller hoffen auf mehr Einfluss
UNESCO-Anerkennung: Volksfeste als Kulturerbe in Rostock

Volksfeste als Weltkulturerbe: Rostocker Schausteller erwarten gesteigerten Einfluss

Seit mehr als 1200 Jahren pflegen Schaustellerfamilien in Mecklenburg-Vorpommern und ganz Deutschland die lebendige Tradition der Volksfeste, oft über viele Generationen hinweg. Diese jahrhundertealte Kultur wurde nun von der UNESCO gewürdigt: Am 27. März erhielt die deutsche Volksfestkultur die offizielle Anerkennung als immaterielles Kulturerbe. Doch welche konkreten Auswirkungen hat diese Ehrung für die Hansestadt Rostock?

Festveranstaltung in der St.-Marien-Kirche ehrt traditionsreiches Gewerbe

Um die bedeutende Anerkennung zu feiern und das traditionsreiche Gewerbe der Schausteller zu würdigen, fand am Dienstag, dem 7. April, eine festliche Veranstaltung in der historischen St.-Marien-Kirche in Rostock statt. Die Auszeichnung als immaterielles Weltkulturerbe wurde von der örtlichen Schaustellergilde mit großer Begeisterung und Stolz aufgenommen.

Für Peer Hamberger, den Vorsitzenden des Schaustellerverbandes Mecklenburg-Vorpommern, bedeutet die UNESCO-Entscheidung „alles“. Sie stellt die Bestätigung einer Lebensweise dar, die seit Jahrhunderten besteht und Generationen von Menschen miteinander verbindet. Hamberger betont, dass Volksfeste keineswegs selbstverständlich sind. „Sie sind das Versprechen, dass es Orte gibt, an denen wir zusammenkommen können – ohne Vorbehalte“, erklärt er. Und fügt hinzu: „Vielleicht sind Volksfeste genau deshalb so wichtig, weil sie uns daran erinnern, wie einfach Miteinander sein kann.“

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Oberbürgermeisterin Kröger betont Verpflichtung zur Traditionspflege

Auch Rostocks Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger (Die Linke) würdigte die lebendige Traditionspflege als eine „Dauerleistung“, die wertvolles Wissen, handwerkliches Können und bemerkenswerte Anpassungsfähigkeit vereint. „Wir wissen, nichts droht so schnell zu verlöschen wie das, was der Mensch tut“, stellte sie in ihrer Rede heraus.

Sie wies darauf hin, dass mit der UNESCO-Anerkennung auch eine besondere Verpflichtung einhergeht. Denn ein Kulturerbe „schützt sich nicht von allein“. Es benötigt engagierte Partner und eine aufmerksame Öffentlichkeit, die gemeinsam nach Lösungen sucht, wenn es schwierig wird oder der Platz auch mal etwas eng wird.

UNESCO-Anerkennung stärkt Berufsstand und könnte Einfluss erhöhen

Ob die Adelung durch die UNESCO nun auch zu einem größeren Einfluss der Schausteller auf Bau- und Festplanungen führen wird, bleibt zunächst abzuwarten, wie Peer Hamberger anmerkt. Ein aktuelles Beispiel verdeutlicht die Herausforderungen: Durch die Theaterbaustelle am Bussebart rund um den Rostocker Weihnachtsmarkt wurde es für viele Schausteller sehr eng. Dies hatte bittere finanzielle Einbußen für einige Fahrgeschäftsinhaber zur Folge, die dort keinen Platz mehr fanden.

Klar ist jedoch: „Die Wertigkeit unseres Berufsstandes wird damit enorm angehoben“, so Hamberger. Die UNESCO-Anerkennung stärkt somit nicht nur das kulturelle Ansehen, sondern könnte auch die Verhandlungsposition der Schausteller in Zukunft verbessern.

Historische Verbindungen zwischen Theater und Schaustellerei

Für Ralph Reichel, den Intendanten des Volkstheaters und Gast der Festveranstaltung, schließt sich mit dieser Ehrung ein historischer Kreis. Die deutsche Theater- und Orchesterlandschaft ist bereits als Weltkulturerbe anerkannt. Früher seien Schaustellerei und Theater noch eine Einheit gewesen und fanden häufig gemeinsam statt, erläutert er. Nicht selten im Rahmen von sakralen Festen, wie die anwesende Schaustellerpastorin Elisabeth Meyer ergänzt, die während der Veranstaltung einen Segen sprach.

Reichel erinnert auch an den Rostocker Theaterzettel von 1520 – den ältesten gedruckten in Deutschland. Dieser wirbt für ein Mysterienspiel in der Marienkirche. „Insofern war es heute sehr berührend, dass das alles in und vor der Kirche stattgefunden hat“, so Reichel. Oder wie Pastorin Meyer es für das Kulturgut Volksfest formuliert: „Hier fanden Stadt und Stadtgesellschaft, Theater, Kirche und Handwerk an einem gemeinsamen Ort statt, durch das Tun der Schausteller. Und so ist es noch immer.“

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Symbolträchtiges Geschenk unterstreicht Verbundenheit

Oberbürgermeisterin Eva-Maria Kröger überreichte der Schaustellergilde als Geschenk der Stadt eine besondere Kantholz-Bohle aus der Rostocker Heide. Die Heide war über Jahrhunderte hinweg ein „bedeutendes Gebiet der Holzproduktion“ und trug maßgeblich zur wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Stabilität Rostocks bei, erläuterte die Oberbürgermeisterin. „Genauso stabil soll unser Miteinander auch sein“, betonte sie und unterstrich damit die tiefe Verbundenheit zwischen der Stadt und ihren Schaustellern.