Nicol Pia Hochwald: Die 52-jährige Rebellin, die Mode jenseits der 50 neu definiert
Soziale Medien werden häufig von jungen Influencern dominiert, doch Nicol Pia Hochwald beweist das Gegenteil. Die 52-Jährige aus einem 280-Seelen-Dorf bei Linz am Rhein in Rheinland-Pfalz erreicht mit ihren täglichen Modetipps auf TikTok und Instagram Millionen Follower. Unter dem Motto „Mode kennt kein Alter“ ermutigt sie Frauen, ihren eigenen Stil zu leben und selbstbewusst mit ungewöhnlichen Kombinationen auf die Straße zu gehen.
Vom Telekom-Projektmanager zum Social-Media-Star
Seit 29 Jahren arbeitet Nicol Pia Hochwald bei der Telekom, wo sie als Projektmanagerin im Flächenmanagement des Geschäftskundenbereichs tätig ist. Parallel dazu hat sie sich als Corporate Influencer für das Unternehmen etabliert und erstellt regelmäßig Content. „Die Telekom kämpft aktiv gegen Hass im Internet und setzt ein starkes Zeichen für Diversität“, erklärt sie ihre Motivation.
Ihre Social-Media-Karriere begann 2015/2016, als sie Facebook den Rücken kehrte und zu Instagram wechselte. Mit dem Aufkommen von Video-Content ab 2020/2021 startete sie richtig durch. „Videos lagen mir mehr als das einfache Posten von Fotos“, erinnert sie sich.
Mission: Frauen Mut machen
Ihre Community besteht zu etwa 85% aus Frauen, viele davon in der Altersgruppe 50+. „Viele suchen nach jemandem, der ihnen zeigt, dass sie sich kleiden können, wie sie möchten – unabhängig davon, was andere sagen“, beschreibt Hochwald ihre Mission. Sie erhält regelmäßig Nachrichten von Frauen, die durch ihren Content an Selbstbewusstsein gewonnen haben.
Ihr persönlicher Stil ist geprägt von Gothic-Elementen, aber sie zeigt auch Outfits von günstigen Marken wie Kik oder Berschka. „Ich möchte zeigen, dass Mode nicht teuer sein muss“, betont sie. Besonders wichtig ist ihr die Sichtbarkeit der Zielgruppe 50+, die von vielen Marken vernachlässigt wird.
Umgang mit Kritik und Hasskommentaren
Unter ihren Beiträgen finden sich häufig hässliche Kommentare, zu 90% von Frauen. „Das interessiert mich überhaupt nicht“, sagt Hochwald gelassen. Sie blockiert solche Nutzer oder nutzt ihre Kommentare für Aufklärungsvideos. „Solche Kommentare sagen viel mehr über die Personen aus, die sie verfassen“, analysiert sie.
Zum Thema Social-Media-Verbot für Jugendliche unter 14 Jahren äußert sie klare Unterstützung: „Social Media schadet der Gesundheit unserer Kinder“. Sie kritisiert insbesondere gefährliche Challenges und die mangelnde Vermittlung von Medienkompetenz in Schulen.
Die wirtschaftliche Seite des Influencer-Daseins
Obwohl sie monatlich über 12 Millionen Klicks erreicht, verdient Hochwald bisher kaum Geld mit Social Media. „Im vergangenen Jahr erhielt ich für ein Video mit 50.000 Aufrufen noch 100 Euro. Heute sind es nur noch zwei Euro“, beschreibt sie die unsichere wirtschaftliche Lage. Sie arbeitet mit Kooperationspartnern zusammen, bei denen sie die präsentierten Kleidungsstücke behalten darf – diese muss sie jedoch versteuern.
Ihre Woche beschreibt sie als 70-Stunden-Woche, in der sie Vollzeitjob, Familie und Social-Media-Präsenz unter einen Hut bringt. Die Videos dreht sie meist abends in ihrem ehemaligen Homeoffice-Büro.
Persönliche Einblicke und Ratschläge
Zu ihrer Fitness-Routine erklärt die 1,72 Meter große Frau: „Ich wiege 58 Kilogramm und achte sehr genau auf meine Ernährung“. Mit 18 Jahren litt sie an Magersucht, was sie bis heute prägt. „Dieses ständige Kalorienzählen begleitet mich bis heute“, gesteht sie.
Ihren charakteristischen Kurzhaarschnitt lässt sie alle drei Wochen schneiden. Auf Kritik daran reagiert sie bestimmt: „Leute, das ist mein Kopf. Es geht darum, was mir gefällt“.
Ihr wichtigster Ratschlag an Frauen lautet: „Wir haben nur dieses eine Leben, und das ist schon ziemlich kurz. Am Ende will ich nicht zurückblicken und denken: Was hätte ich nicht alles gern gemacht?“ Sie ermutigt dazu, sich nicht von fremden Meinungen bremsen zu lassen und mutiger zu sein – sowohl in der Mode als auch im Leben.



