Ab diesem Wochenende präsentiert das Museum zur historischen Varusschlacht zwischen Römern und Germanen in Kalkriese bei Osnabrück eine beeindruckende Sonderausstellung. Unter dem Titel „Verlorene Krieger - Germanen zwischen Macht & Mythos“ werden rund 1.200 Objekte aus der Zeit zwischen dem 2. und 5. Jahrhundert gezeigt. Die Exponate stammen aus dem Landesmuseum für Archäologie auf Schloss Gottorf in Schleswig-Holstein, das derzeit aufgrund von Sanierungsarbeiten geschlossen ist. Erstmals sind diese Funde außerhalb Schleswig-Holsteins zu sehen. Die Ausstellung läuft bis zum 7. November 2027.
Die Herkunft der Exponate
Die Objekte wurden im Thorsberger und Nydamer Moor entdeckt, die heute im Grenzgebiet von Deutschland und Dänemark liegen. Mitte des 19. Jahrhunderts erforschte der dänische Altertumsforscher Conrad Engelhardt, damals Lehrer in Flensburg, diese Moore. Dabei stieß er auf zahlreiche Waffen und Ausrüstungsteile. Der Geschäftsführer des Varusschlacht-Museums, Stefan Burmeister, erklärte, dass Engelhardt bereits früh erkannte, dass die Objekte nicht zufällig dorthin gelangt waren. Vielmehr war er überzeugt, dass sie bewusst zerstört und in damalige Seen – die heutigen Moore – versenkt wurden.
Wissenschaftliche Analysen
Wissenschaftler des Zentrums für Baltische und Skandinavische Archäologie in Schleswig (heute Leibniz-Zentrum für Archäologie, Standort Schleswig) haben die Funde Engelhardts untersucht. Dabei fanden sie unter anderem zwei Dutzend Pferdegeschirre, die jedoch nicht intakt waren, sondern in kleine Teile zerhackt. Burmeister betonte, dass dies nicht in blinder Wut geschah, sondern gezielt und nach festen Mustern – vermutlich im Rahmen ritueller Handlungen.
Die germanischen Krieger trugen nicht nur einheimische Ausrüstung, sondern auch Stücke aus dem Römischen Reich. Dabei handelte es sich sowohl um originale römische Ausrüstungsstücke als auch um Nachahmungen. Ein berühmtes Beispiel ist die „Thorsberger Maske“, die in der germanischen Welt einzigartig ist. Ihre Vorbilder sind die Parademasken der römischen Armee, doch es sind eindeutig germanische Nachbildungen.
Erhaltungszustand der Objekte
Der Zustand der Funde variiert je nach Moorart. Thorsberg ist ein Hochmoor, Nydam ein Niedermoor. In Thorsberg fanden sich Buntmetalle, aber kein Eisen. In Nydam wurden hingegen Holz- und Eisenobjekte entdeckt. Auch Textilien blieben erhalten, darunter eine germanische Reiterhose und eine germanische Tunika, die beide etwa 1.500 Jahre alt sind. In einer weiteren Vitrine sind Pfeil und Bogen, zwei große Holzschilde sowie verschiedene Schwertgriffe zu sehen. Persönliche Gegenstände wie Armreifen und Fingerringe sind ebenfalls ausgestellt.
Rätselhafte Motive der Germanen
Da es keine schriftlichen Überlieferungen der Germanen selbst gibt, können die Hintergründe der Funde nur vermutet werden. Die Forscher gehen davon aus, dass die niedergelegten Objekte besiegten Germanen gehörten. Warum die Sieger – die wahrscheinlich an den beiden Fundorten lebten – die Gegenstände systematisch zerstörten und in die Seen warfen, bleibt rätselhaft. Möglicherweise handelte es sich um rituelle Handlungen, etwa zur symbolischen Entmachtung der Krieger. Burmeister fragt: „Das sind Reichtümer, das sind große Werte – warum schmeißt der Sieger das einfach alles weg?“



