Vier Meter hoch, klar vertikal ausgerichtet und in einem markanten Türkiston gefasst, ragt die neue Skulptur vor der Kunstsammlung Neubrandenburg in den Himmel. Ihre Form ist streng gegliedert: 16 spitz zulaufende, gleichmäßig gefaltete Elemente öffnen sich nach oben hin fächerartig. Trotz des massiven Materials wirkt das Objekt erstaunlich leicht, fast schwebend, als würde es sich vom Boden lösen.
Abschluss von Teil-Bauabschnitt
Vor diesem neuen Blickfang versammelten sich am Sonnabendnachmittag in der Neubrandenburger Innenstadt die Gäste zur offiziellen Enthüllung der Skulptur „Colonna_4000_16“ des Bildhauers Herbert Mehler. Die stand dort bereits seit einigen Monaten und hatte in der hiesigen Kunstszene einiges Rätselraten ausgelöst. Die Einweihung bildete zugleich den offiziellen Abschluss des ersten Bauabschnitts der Sanierung der Großen Wollweberstraße.
„Ich weiß, Sie mussten durch die Bauarbeiten ganz schön leiden“, wandte sich Oberbürgermeister Nico Klose direkt an die Anwohner. Umso mehr solle der neu gestaltete Platz nun ein Ort sein, der der Kunstsammlung gerecht werde. Die Stadt habe dem Haus einen Vorplatz geben wollen, den es verdiene, sagte Klose. Mit Skulptur, Sitzgelegenheiten und Fahrradständern soll der bislang eher unscheinbare Raum aufgewertet werden. Dahinter stehe auch ein klarer Anspruch: Die Kunstsammlung solle für alle sichtbarer werden, betonte der OB: „Denn wir können hier stolz auf sie sein.“
Edelstahl-Skulptur ohne Sockel
Im Zentrum dieser neuen Sichtbarkeit steht nun Mehlers Arbeit. Die Edelstahl-Skulptur wächst ohne Sockel aus dem Boden. Der Künstler selbst beschreibt sie als eine Art Markierung für das Haus. Sie solle nichts Konkretes darstellen, sondern vielmehr „etwas sein“. Kunst, so Mehler, sei immer offen in der Interpretation.
Diese Offenheit zeigt sich auch im Erscheinungsbild. Je nach Blickwinkel erinnert die Skulptur an eine stilisierte Pflanze, eine aufstrebende Säule oder an ein architektonisches Säulenfragment. Für Mehler ist diese Mehrdeutigkeit gewollt. Die Farbe habe etwas „Himmlisches“, sagte er bei der Einweihung, sie unterstütze den Eindruck einer Form, die sich nach oben entfaltet.
Werk von Herbert Mehler in Bayern entstanden
Nicht entfaltet hatte sich im vergangenen Jahr indes eine Ausschreibung oder ein Wettbewerb, wie es bei Kunst im öffentlichen Raum durchaus üblich ist. Stattdessen sei laut Rathaus durch die damalige Leitung der Kunstsammlung ein internes Auswahlverfahren initiiert worden. In den Auswahlprozess seien zudem die fachlich zuständigen Bereiche Kultur, Stadtgestaltung sowie die Untere Denkmalschutzbehörde einbezogen worden. Im Einvernehmen mit dem Landesamt für Kultur- und Denkmalpflege sei schließlich die Entscheidung für das Werk von Herbert Mehler gefallen.
Das ist in monatelanger Arbeit in Mehlers Werkstatt im fränkischen Eisingen entstanden. Rund 120 Meter Stahl wurden dafür aufwendig geschweißt und geschliffen und schließlich zweifach beschichtet. Für den Künstler selbst ist es ein besonderer Schritt: Erstmals realisierte er eine farbige Skulptur im öffentlichen Raum, bislang hatte Mehler vor allem mit Cortenstahl gearbeitet. „Ich hoffe, die Skulptur bekommt das Wohlwollen und Interesse der Menschen hier“, sagte der Künstler: „Sie soll die positiven Kräfte an diesem Ort betonen.“
Ob das funktioniert, können bald auch einige Architektur-Fans einschätzen. Vom 14. Mai bis 2. August zeigt die Kunstsammlung die neue Sonderausstellung „Wohnkomplex Neubrandenburg – Kunst und Leben im Plattenbau“. Die Eröffnung findet am Mittwoch, 13. Mai, um 17 Uhr statt. In Zusammenarbeit mit dem Gastkurator Kito Nedo werden dann Positionen der Gegenwartskunst und Kunst aus der DDR gezeigt, die die Wirkung von Plattenbauten bis heute in Stadtbild und Gesellschaft nachzeichnen.



