Otto Kummert zum 90. Geburtstag: Ein Leben für die Grafik
Mit 90 Jahren blickt Otto Kummert auf ein Leben zwischen Plakatkunst, Holzschnitten und Lehrtätigkeit zurück. Zum Jubiläum gibt es die erste Gemeinschaftsausstellung mit seiner Frau Edith.
Ein Künstler mit Leidenschaft
„Ich bin immer in diesem Beruf. Es geht immer noch weiter, weil ich es vorantreibe. Weil ich heute noch denke, dass es nicht gut genug ist“, sagt der Grafiker Professor Otto Kummert. Bekannt als einer der bedeutendsten Plakatkünstler der DDR und Schüler von Arno Mohr und Werner Klemke, hat er schon immer gezeichnet. Schon als Schuljunge, später als junger Mann, und in jeder Phase seines Lebens hat er sich dieser Ausdrucksform bedient.
Während seiner Imkerlehre in Ducherow bei Anklam faszinierten ihn Formen so sehr, dass er sie unbedingt zu Papier bringen musste. Auch während seiner Ausbildung zum Grundschullehrer in Güstrow, als Student und später als Professor an der Kunsthochschule in Berlin-Weißensee hat er die Utensilien nie beiseitegelegt.
Ein Leben voller Kunst
Geboren wurde Otto Kummert vor 90 Jahren im heutigen Myślibórz Wielki, unweit von Ueckermünde. Als Drittältestes von sieben Kindern erlebte er früh die Mühen der Nachkriegszeit. „Innerhalb von zwei Tagen mussten wir unser Zuhause verlassen“, erinnert er sich. Seine Mutter, die ihn und seine Geschwister allein großzog, las ihnen Gedichte vor und ließ ihnen Raum für ihre Interessen – insbesondere das Zeichnen.
Nach seiner Ausbildung zum Junglehrer und einigen Jahren als Grundschullehrer verließ er diesen Berufsweg. 1974 übernahm er die künstlerische Leitung beim Progress Filmverleih. Er reiste in die Sowjetunion und nach Ungarn, sah sich Rohschnitte von Filmen an und entwarf Plakate, die rechtzeitig zu den Filmstarts erschienen. „Es war spannend. Man war jung. Vieles musste gleichzeitig funktionieren“, sagt er im Gespräch mit seiner Frau Edith, die er als starke Stütze bezeichnet.
Die Gründung der Grafik-Design-Schule in Anklam
Nach der Wende veränderte sich an der Hochschule in Weißensee vieles. Otto Kummert und seine Frau Edith zogen nach Relzow in Vorpommern, wo sie Kunstkurse für junge Menschen anboten. Der Bedarf an Ausbildung im Grafik-Design war groß, und so gründeten sie gemeinsam mit Dr. Michael Waßermann die Grafik-Design-Schule in Anklam. Zunächst in der alten Schiller-Schule, später auf dem Gelände der ehemaligen Möbelfabrik, unterrichteten sie bis 2010.
Besonders war auch die Kunsthalle, die sie im Schulgebäude installierten. Insgesamt 50 Ausstellungen fanden statt, die Besucher aus der Region, Neubrandenburg, Berlin und anderen Städten anzogen. „Es war toll. Es war lebendig. Es war wichtig für uns, uns mitteilen zu können“, erinnert sich Kummert.
Erste gemeinsame Ausstellung mit seiner Frau
Am 16. Mai wird in der Lassaner Kirche die Ausstellung „Zeichen geben – Zeichen setzen“ eröffnet. Sie ist besonders, weil es die erste gemeinsame Ausstellung von Otto und Edith Kummert ist. „Nach all den Jahren wirklich die erste“, sagt Edith. Die Vernissage beginnt um 16 Uhr, anschließend gibt es ein Konzert des Axis Duos. Die Ausstellung ist bis zum 3. Oktober zu sehen.



