Aurora Orchestra begeistert in der Isarphilharmonie mit innovativem Konzert
Aurora Orchestra in der Isarphilharmonie: Einzigartiges Konzert

Das Aurora Orchestra aus London begeisterte in der ausverkauften Isarphilharmonie mit einem innovativen Konzertprogramm. Die Musiker präsentierten Werke von Maurice Ravel, George Gershwin und Igor Strawinsky auf ungewöhnliche Weise: Sie spielten teils auswendig und im Stehen, verteilten sich im Zuschauerraum und bezogen das Publikum aktiv mit ein.

Bolero ohne Dirigenten

Bereits zu Beginn des Konzerts stellte das Orchester die traditionelle Konzertordnung infrage. Bei Ravels „Bolero“ fehlten zunächst sowohl der Dirigent als auch ein Großteil des Orchesters auf der Bühne. Stattdessen erklang der rhythmische Trommelwirbel aus den Gängen, während sich nach und nach die Bläser und Streicher im Parkett und auf den Rängen versammelten. Der Dirigent Nicholas Collon gesellte sich scheinbar zufällig dazu. Das Publikum erlebte den krachenden Schluss des Stücks, als säße es mitten im Orchester – ein besonderes Klangerlebnis, das den Mehrwert dieser Inszenierung deutlich machte.

Mitklatschen bei John Adams

Nach dem Bolero durfte das Publikum bei „Short Ride in a Fast Machine“ von John Adams einige Rhythmen mitklatschen. Die Energie des Orchesters passte perfekt zu diesem minimalistischen Stück, war aber manchmal überbordend. In der Isarphilharmonie, die für ihre Akustik bekannt ist, ging die letzte Steigerung in den Trompeten teilweise in undifferenzierter Lautstärke unter.

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Jazzige Rhapsody in Blue

Der japanische Pianist Hayato Sumino, bekannt als „Cateen“ auf YouTube, ergänzte anschließend Gershwins unverwüstliche „Rhapsody in Blue“ mit eigenen Improvisationen. Das Orchester spielte betont jazzig, was gut zum Solisten passte. Allerdings geriet das absichtlich knapp gehaltene Stück ein wenig außer Fasson.

Strawinskys Sacre du Printemps auswendig

Nach der Pause wurde das Podium abgeräumt, und das Orchester spielte Strawinskys „Le Sacre du Printemps“ auswendig und weitgehend im Stehen. Diese Darbietung machte das Archaische und kunstvoll Barbarische des antiromantischen Balletts besonders deutlich. Die Balance zwischen Streichern und Bläsern war perfekt, und Dirigent Collon hielt die Spannung des ersten Teils auch über die ruhige Passage hinweg. Die extremen Lagen der Bassklarinetten, Tuben und das Schlagwerk blieben ungeglättet, und die Hörner entfalteten im zweiten Teil eine Urgewalt, die das Publikum fast aus den Sitzen riss.

Es ist nicht einfach, bei diesem zum Reißer gewordenen Stück das ursprünglich Skandalöse wieder spürbar zu machen. Collon und das exzellent spielende Orchester gelang dies eindrucksvoll. Nach dem Schlussapplaus gab es eine Zugabe, bei der sich das Orchester erneut im Zuschauerraum verteilte – ein letztes Mal durfte das Publikum den „klanglichen Schmutz“ erleben, den Nikolaus Harnoncourt als das Beste an der Musik bezeichnete.

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