David Garrett bringt Millennium Symphony nach Rostock: Ein Plädoyer für musikalische Offenheit
Am 11. Juli wird der IGA-Park in Rostock zum Schauplatz eines besonderen musikalischen Ereignisses: David Garrett, der renommierte Crossover-Geiger, präsentiert dort seine „Millennium Symphony“ im Open-Air-Format. Der Künstler, der sich einst aus der „Zwangsjacke seiner Wunderkind-Existenz“ befreite, steht für eine radikale Offenheit in der Musik – ob Taylor Swift oder Sergei Rachmaninow, für ihn zählt nur die Qualität.
Open Air als Inspirationsquelle und die Kunst des Arrangierens
Für Garrett ist das Spielen unter freiem Himmel ein besonderer Genuss. „Man hat den Sonnenuntergang oder mal mehr Wind; das macht etwas mit der Inspiration und dem Moment“, erklärt er. Diese Umgebung fördere Momententscheidungen, die ihn als Live-Künstler prägen und die Musik erden würden. In Rostock wird er 25 Lieder aus 25 Jahren präsentieren, die er speziell für die große Bühne arrangiert hat.
Die Herausforderung bei der „Millennium Symphony“ lag in der Einfachheit moderner Popmusik. „Die Akkordfolgen sind einfacher geworden, und in dieser Einfachheit gar nicht so leicht zu inszenieren“, so Garrett. Er veranschaulicht dies am Beispiel von Ed Sheerans „Shape of You“, den er auf der Bühne schichtweise aufbaut – die Geige dient dabei nicht nur als Melodieträger, sondern auch als Rhythmusinstrument und Texturelement.
Die wertvolle Guarneri-Geige und kritische Worte an Streamingdienste
Obwohl Garrett 2022 für 3,5 Millionen Euro eine seltene Guarneri-del-Gesù-Geige aus dem Jahr 1736 erwarb, wird dieses Instrument in Rostock nicht zu hören sein. „Ich benutze für Outdoor-Konzerte meistens ein gutes Zweitinstrument“, begründet er diese Entscheidung. Die wertvollen Instrumente seien ein Kulturgut, das er für kommende Generationen erhalten wolle – eine „Leihgabe auf Lebenszeit“.
Mit kritischem Unterton schickt Garrett „liebe Grüße an die Streamingdienste“. Obwohl seine Alben weltweit 5,6 Milliarden Streams erreicht haben, habe er davon finanziell wenig gesehen. „Geld gesehen habe ich dafür aber wenig“, stellt er klar. Die systemische Unterbezahlung von Künstlern durch die milliardenschweren Unternehmen sei kaum zu ändern, doch dies habe einen positiven Nebeneffekt: „Der Live-Bereich wird deswegen nur umso präsenter.“
Klassik im Aufwind und eine persönliche Erfolgsdefinition
David Garrett macht sich keine Sorgen um die Zukunft der Klassik in Deutschland. „Wir existieren seit dreihundert Jahren sehr erfolgreich“, betont er und verweist auf die hohe Anzahl klassischer Konzerte hierzulande. Besonders die jüngere Generation entdecke durch Plattformen wie TikTok und Instagram neue Wege, junge Menschen für klassische Musik zu begeistern – auch ohne herausragende Virtuosität.
Für Garrett gibt es keine starren Kategorien wie „ernste“ oder „leichte“ Musik. Er folgt dem Motto von Leonard Bernstein: „Es gibt nur gute oder schlechte Musik.“ Auf Labels wie „Teufelsgeiger“ oder „Popstar der Klassik“ reagiert er gelassen. „Ich sehe mich als Musiker, der immer gut vorbereitet ist und das darum auch im richtigen Moment abrufen kann“, sagt er. „Das ist meine Definition von Erfolg.“



