Emotionale Uraufführung in der Prenzlauer Nikolaikirche
Die Frage „Warum?“ hallte beim Karfreitagskonzert des Preußischen Kammerorchesters in der Prenzlauer Nikolaikirche nach und berührte die Zuhörer zutiefst. Mit einem Programm, das Werke von Antonio Vivaldi und Antonio Lotti sowie die Uraufführung einer Komposition von Jakub Rabizo umfasste, traf das Ensemble genau den emotionalen Ton dieses bedeutenden Kirchengedenktages.
Ein Werk entsteht in nächtlicher Inspiration
Jakub Rabizo, der sowohl als Dirigent als auch an der Violine brillierte, schilderte die Entstehung seines Stückes „Deus Vult 2.0“ als einen Prozess tiefer Reflexion. „Jürgen Bischoff hatte mich gefragt, ob ich nicht etwas für dieses Konzert komponieren könnte. Ich bin dann nachts um halb drei aufgewacht und habe spontan meine ersten Ideen notiert“, erklärte der Künstler. Die eigentliche Arbeit sei jedoch eine intensive Nachdenkphase gewesen, die ihn immer weiter in die Thematik von Kummer, Klage, aber auch Hoffnung führte.
Das Werk, das erst zwei Tage vor der Aufführung fertiggestellt wurde, verknüpft Text und Musik auf eindrucksvolle Weise. Rabizo vertonte nicht nur Worte aus dem Psalm 22 („Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen?“), sondern widmete sich auch dem Psalm 23 („Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln“), um sowohl Verzweiflung als auch Trost musikalisch auszudrücken.
Vielschichtige Klangwelt mit überraschenden Elementen
Die Aufführung überzeugte durch eine außergewöhnliche Verschmelzung verschiedener Elemente:
- Der deutliche Sprechton von Frank Küchler von der Kanzel herab verstärkte die gewünschte Text-Musik-Verbindung.
- Die im schwingenden Bariton von Haakon Schaub vorgetragenen Psalmenauszüge schufen eine ergreifende Atmosphäre.
- Verblüffende musikalische Zitate aus hebräischem, deutschem und polnischem Liedgut sowie Bezüge zum englischen Hip-Hop erweiterten das klangliche Spektrum.
Besonders beeindruckend war der Einsatz des Schlagzeugs, der laut Rabizo in den Proben eine Herausforderung darstellte, da ein Musiker gleich vier Instrumente bedienen musste. Bei Zuhörern wie Thomas Weidemeier hinterließ dieser Part einen bleibenden Eindruck: „Herzschlag, Tragik, Schicksal und Verheißung waren damit musikalisch in den Kirchenraum getragen“.
Fortsetzung einer langjährigen Tradition
Jürgen Bischof, geschäftsführender Direktor der Uckermärkischen Kulturagentur, zeigte sich begeistert von der Veranstaltung: „Das war eine schöne Fortsetzung der über 30-jährigen Tradition der Karfreitagskonzerte des Orchesters“. Eine Uraufführung habe es in diesem Rahmen bisher noch nicht gegeben, was die besondere Bedeutung dieser Aufführung unterstreicht. Bischof äußerte den Wunsch, das Werk auch an anderen Orten zu präsentieren.
Thomas Weidemeier, selbst aktiver Musiker im Konzertchor, fasste seine Eindrücke zusammen: „Diese Komposition war passend zum Karfreitag, mystisch, dabei nicht zu modern, mit eingängigen Melodien. Die Sprecherstimme war wunderbar, die tiefen Töne im Werk klingen nach“. Besonders habe ihm die Verbindung von Streichern und Schlagzeug gefallen.
Das Publikum honorierte die Leistung des Klangkörpers mit anhaltendem Beifall und zeigte sich beeindruckt von der emotionalen Tiefe des Abends. Der nächste musikalische Höhepunkt steht bereits im Mai an, wenn das Preußische Kammerorchester zur Einweihung der großen Hill-Orgel in der Marienkirche Festtage veranstaltet.



