Sonos Play im ausführlichen Test: Musik für Golfplatz und Fahrradgepäckträger
Lange Zeit herrschte bei Sonos eine Phase der Ruhe, doch nun meldet sich das US-Unternehmen mit neuer Lautstärke zurück. Der frisch vorgestellte Play soll sowohl in Innenräumen als auch im Freien für musikalische Begleitung sorgen und darf dabei sogar gelegentlich in die Badewanne fallen. Allerdings übertreibt der Hersteller in einem entscheidenden Punkt deutlich.
Die Rückkehr von Sonos mit einem verwirrenden Produkt
Seit den frühen Nullerjahren galt Sonos als unangefochtener König des Streaming-Audios, der mit bezahlbaren Multiroom-Systemen, einfacher Vernetzung und praktischer App-Steuerung überzeugte. Doch dann folgten strategische Fehlentscheidungen: Die Aufteilung in alte und neue Systemgenerationen mit unterschiedlichen Apps führte 2024 zu massivem Kundenärger, da die Geräte nicht mehr miteinander harmonisierten und Updates ausblieben.
Die im Mai 2024 veröffentlichte neue App enttäuschte durch fehlende Funktionen, was sogar zum Rücktritt von Vorstandschef Patrick Spence im Januar 2025 führte. Sein Nachfolger Tom Conrad konzentrierte sich zunächst darauf, die App auf den Stand der Vorgängerversion zu bringen, während neue Produkte rar blieben – bis jetzt.
Der neue Play: Kabellos, wasserfest und vielseitig
Im März präsentierte Sonos den neuen Play, der zunächst Rätsel aufgibt. Anders als die traditionellen Wohnzimmerlautsprecher Play1, Play3 und Play5 trägt er keine Ziffer im Namen und kommt komplett ohne Netzkabel aus. Stattdessen wird eine praktische Ladeschale mitgeliefert, auf der der Lautsprecher kabellos aufgeladen werden kann.
Der integrierte Akku soll genug Energie für bis zu 24 Stunden ununterbrochene Musikwiedergabe liefern. Mit der IP67-Zertifizierung ist der Play gegen Staub und Wasser geschützt, was ihn zum idealen Begleiter für Outdoor-Aktivität macht. Sonos bezeichnet ihn selbstbewusst als "tragbaren, wasserdichten Speaker – für drinnen und draußen".
Unterschiede zum größeren Bruder Move 2
Verwirrend ist jedoch, dass Sonos mit dem Move 2 bereits ein ähnliches Modell im Portfolio hat. Der Move 2 ist größer, teurer (499 Euro gegenüber 349 Euro) und gegen starkes Strahlwasser geschützt, während der Play auch kurzzeitiges Eintauchen übersteht. Ein weiterer Unterschied: Beim Move 2 wird ein Netzteil mitgeliefert, beim Play nicht – hier benötigt man mindestens 18 Watt, was viele alte Handy-Ladegeräte ausschließt.
Gemeinsamkeiten gibt es jedoch viele: Beide Modelle unterstützen Wi-Fi 6 und können neben der Sonos-App auch per Bluetooth oder Apples AirPlay 2 angesteuert werden. Im Test funktionierte die Verbindung mit MacBook Neo und Mac mini einwandfrei.
Klangqualität: Gut, aber nicht perfekt
Mit einem Gewicht von 1,3 Kilogramm muss sich der Play klanglich nicht verstecken. Bei Zimmerlautstärke und moderaten Pegeln liefert er ein sauberes, ausgewogenes Klangbild. In "The Mountain" von Gorillaz kommen die Bansuri-Flöten luftig zur Geltung, während in Depeche Modes "Zenstation" der Synthbass präzise wiedergegeben wird.
Allerdings übertreibt Sonos mit der Behauptung, ein einzelner Play liefere "kraftvollen Stereo Sound". Wer "Deja Vu" von Teena Marie hört, merkt schnell: Die seitliche Abmischung von Gitarre und Streichern kommt einfach aus der Mitte, selbst die seitlich angebrachten Hochtöner können daran nichts ändern.
Das wahre Potenzial: Zwei Play als Stereopaar
Erst wenn man zwei Play zu einem Stereopaar zusammenschaltet, entfaltet sich das volle klangliche Potenzial. Die Musik bekommt Raum zum Atmen – in David Gilmours "Luck and Strange"-Session spürt man fast, wie die Musiker in einer kalten Scheune zusammensitzen. Auch "Zagate" von Souad Massi wird deutlich differenzierter und spannender wiedergegeben.
Besonders beeindruckend ist die automatische Klanganpassung Trueplay. Innerhalb von 10 bis 30 Sekunden passt der Play seinen Sound an die akustischen Gegebenheiten an – ob am Schreibtisch, in der Küche oder sogar im Kleiderschrank. Im Test funktionierte diese Anpassung selbst in einem begehbaren Einbauschrank erstaunlich gut.
Fazit: Der vielseitige Allrounder
Im Grunde ist der neue Play ein Move 2 mini, der viele Eigenschaften seines größeren Bruders teilt. Durch die kompakteren Maße und das geringere Gewicht ist er jedoch deutlich tragbarer und universeller einsetzbar. Während der Move 2 eher der Sonos für Autofahrer bleibt, lässt sich der Play problemlos am Fahrradgepäckträger befestigen.
Für echten Stereosound empfehlen sich eindeutig zwei Play als Paar – zumal man sie bei Bedarf per App trennen und separat nutzen kann: einen am Grill auf der Terrasse, den anderen in der Küche. So wird der Play zum idealen Begleiter für alle, die Musik nicht nur im Wohnzimmer, sondern überall genießen möchten.



