Premiere mit kontroverser Sopranistin: Anna Netrebko in Berliner Staatsoper gefeiert
Die Berliner Staatsoper Unter den Linden hat am Sonntagabend eine Premiere der besonderen Art erlebt. Starsopranistin Anna Netrebko trat in der Neuinszenierung von Giuseppe Verdis Oper „Un ballo in maschera“ auf und wurde vom Publikum begeistert gefeiert. Die Aufführung war Teil der Festtage des renommierten Opernhauses und sorgte für ein volles Haus.
Proteste vor dem Opernhaus
Bereits vor Beginn der Vorstellung hatten sich etwa 50 Demonstranten vor dem Gebäude der Staatsoper versammelt. Mit ukrainischen Fahnen und lauten Rufen protestierten sie gegen den Auftritt der aus Russland stammenden Sängerin. Zu den skandierten Parolen gehörten „Keine Bühne für Putin-Unterstützer“ und „Russia is a terrorist state“.
Die Kritik an Netrebko geht auf ihre mutmaßliche Nähe zum russischen Präsidenten Wladimir Putin zurück, die insbesondere nach dem Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine im Jahr 2022 öffentlich diskutiert wurde. Ein konkreter Anlass war ihre Geburtstagsfeier im Jahr 2021 im Moskauer Kreml.
Künstlerische Leistung im Fokus
Aus künstlerischer Perspektive betonte die Intendantin der Staatsoper, Elisabeth Sobotka, in einer früheren Stellungnahme, dass Anna Netrebko eine Ausnahmekünstlerin sei. Die Sopranistin, die neben der russischen auch die österreichische Staatsbürgerschaft besitzt, habe sich öffentlich von Russland distanziert und sei seit längerer Zeit nicht mehr dort gewesen. Ihr Management verwies zudem darauf, dass sich Netrebko gegen den Krieg ausgesprochen habe.
In der Produktion von „Un ballo in maschera“ übernahm Netrebko die Rolle der Amelia. Die musikalische Leitung des rund dreistündigen Abends lag in den Händen von Enrique Mazzola, der gemeinsam mit den Musikern und Sängern viel Applaus erhielt.
Inszenierung mit gesellschaftlichem Bezug
Regisseur Rafael R. Villalobos griff in seiner Inszenierung bewusst gesellschaftliche Themen auf. In einigen Szenen bezog er sich auf die queere Ballroom-Szene und die Aidskrise, was bei einem Teil des Publikums auf Zustimmung, bei anderen jedoch auf Ablehnung stieß. Für seine künstlerische Interpretation gab es neben Beifall auch vereinzelte Buhrufe.
Anna Netrebko ist kein unbekanntes Gesicht an der Berliner Staatsoper. In vergangenen Jahren war sie bereits mehrfach dort zu Gast, unter anderem im Sommer beim Musikfestival „Classic Open Air“ auf dem Gendarmenmarkt. Ihr aktueller Auftritt zu den Festtagen unterstreicht erneut ihre Bedeutung im internationalen Opernbetrieb, auch wenn er politisch umstritten bleibt.



