Osterreiter ziehen erneut durch die sorbische Lausitz
Seit mehr als 500 Jahren verkünden Osterreiter in der katholischen Lausitz die Botschaft von der Auferstehung Christi. Am Ostersonntag ziehen sie wieder von Dorf zu Dorf und ziehen dabei zahlreiche Zuschauer an. Diese Tradition ist ein tief verwurzelter Brauch in der Region östlich von Dresden, wo die nationale Minderheit der Sorben lebt.
Neun Prozessionen mit 1.500 Reitern erwartet
In diesem Jahr finden neun Prozessionen im Dreieck zwischen Kamenz, Bautzen und Hoyerswerda statt. Das Bistum Dresden-Meißen erwartet wie in den Vorjahren etwa 1.500 Reiter. Hoch zu Ross tragen Jugendliche und Männer die Botschaft der Auferstehung Jesu Christi in ihre Nachbarorte. Sie sind gekleidet in Frack und Zylinder und singen und beten unter Glockengeläut.
Die Reiter ziehen von ihrer Heimatkirche aus um den Friedhof und die Felder. Sie führen Kreuz, Kirchenfahnen und die Statue des Auferstandenen mit sich. Außerhalb der Orte beten sie auf den aufwendig geschmückten Pferden den Rosenkranz, wobei sie weiße Handschuhe tragen. Nur Männer dürfen im Sattel sitzen, was die Tradition als öffentliches Bekenntnis zum christlichen Glauben unterstreicht.
Historische Wurzeln und Bedeutung
Die Wurzeln des Brauchs reichen bis in die vorchristliche Zeit zurück. Damals glaubte man, durch Feldumritte die jungen Saaten vor der Missgunst des Bösen schützen zu können. Heute sind die Züge ein lebendiges Zeugnis des Glaubens und der kulturellen Identität der Sorben. Alljährlich säumen Schaulustige, darunter viele Gäste aus dem In- und Ausland, die Wege in dieser einzigartigen Region.
Die Tradition des Osterreitens ist nicht nur ein religiöses Ereignis, sondern auch ein kulturelles Highlight, das die Gemeinschaft stärkt und die Geschichte der Lausitz lebendig hält. Die Prozessionen sind ein beeindruckendes Schauspiel, das die Verbindung von Glaube, Brauchtum und Natur eindrucksvoll darstellt.
Ähnlicher Brauch in Ostritz
Einem ähnlichen Brauch folgt das Ostersaatreiten von Ostritz bei Görlitz, das in diesem Jahr zum 397. Mal stattfindet. Dort reiten Katholiken von der Pfarrkirche über Felder zum Zisterzienserinnenkloster St. Marienthal. Sie bitten um gutes Wachstum der Saat, was die landwirtschaftlichen Ursprünge des Brauchs widerspiegelt. Seit 1993 findet dieses Ereignis in ökumenischer Gemeinschaft statt, was die Einheit und den Dialog zwischen den christlichen Konfessionen fördert.
Beide Traditionen, das Osterreiten in der Lausitz und das Ostersaatreiten in Ostritz, sind bedeutende kulturelle und religiöse Ereignisse in Sachsen. Sie ziehen nicht nur Gläubige an, sondern auch Touristen und Interessierte, die die reiche Geschichte und die lebendigen Bräuche dieser Region erleben möchten.



