Alexa+ in Deutschland: Im Gespräch mit Amazon-Gerätechef Panos Panay
Alexa+: Amazons neuer Sprachassistent startet in Deutschland

Mit Alexa redet man anders als mit Menschen. Kurz, vorsichtig, ohne Nebensätze – bloß nichts sagen, was die Maschine missverstehen könnte. Viele haben sich das angewöhnt, Amazon selbst nennt es „Alexa Speak“. Genau das soll sich jetzt ändern. Seit heute ist Alexa+ in Deutschland kostenlos im Early Access verfügbar – die neue KI-Version des Sprachassistenten. Später wird sie für Prime-Abonnenten inklusive sein, für alle anderen kostet sie 22,99 Euro im Monat.

BILD traf Amazon-Gerätechef Panos Panay vor dem Deutschland-Start in London. Über das bisherige Sprechen mit Alexa sagt er: „Du hast dich selbst trainiert: vereinfachen. Einen Befehl so formulieren, dass du Kontrolle über die Antwort hast.“ Alexa+ soll nun Gespräche besser verstehen, nicht mehr in Sackgassen landen – und aktiv handeln.

Smart Home ist in Deutschland zentral

Gerade hierzulande sei das entscheidend. Panay sagt: „Einer der beliebtesten Use Cases für den deutschen Kunden heute ist Smart Home.“ Und ergänzt: „Deutschland ist hier einer der Leader. Punkt.“ Licht, Rollläden, Alarmanlage, Kaffeemaschine, Ofen – vieles davon konnte Alexa schon bisher steuern. Neu ist laut Amazon: Abläufe und Routinen sollen sich deutlich einfacher einrichten lassen.

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Statt viele Schritte einzeln einzurichten, soll künftig ein Satz reichen. Panay nennt als Beispiel: „Alexa, jeden Abend um neun: dimme die Lichter, schließe die Jalousien, schalte die Alarmanlage ein.“ Den Rest übernehme dann Alexa. Amazon meldet nach eigenen Angaben bereits einen Effekt. „Menschen sprechen ungefähr zweimal so viel mit dem Produkt“, sagt Panay über den Start in den USA. Beim Kochen sei die Nutzung sogar fünfmal so hoch wie früher.

Weitere Funktionen der neuen Alexa

Bei einer Demonstration kurz vor dem Launch zeigte Amazon noch mehr Beispiele für die schlauere Alexa: So kann sie nicht nur ein Restaurant suchen, sondern dort auch direkt einen Tisch reservieren. Oder ein handgeschriebenes Rezept von einem Foto auslesen und automatisch die Einkaufsliste befüllen.

Tempo entscheidet über den Alltag

Eine der größten Herausforderungen beim Umbau von Alexa war laut Panay die Geschwindigkeit. Ein Sprachassistent funktioniert anders als ein Chatbot: Wer spricht, erwartet fast sofort eine Antwort. Amazon habe im frühen Einsatz gelernt, wie stark schon kleinste Verzögerungen auffallen. „500 Millisekunden sind wirklich wichtig“, sagt Panay. „Eine halbe Sekunde, eine Sekunde – das ist ein massiver Unterschied.“ Die neue Alexa musste also nicht nur klüger werden, sondern auch schneller.

Amazon ist mit dem Versprechen eines wirklich schlauen Assistenten nicht alleine: Auch Apple und Google arbeiten an der nächsten Generation ihrer smarten Helfer. Siri soll persönlicher werden und stärker in Apps handeln können, allerdings musste Apple den Start bereits verschieben – die Entwicklung war schwieriger als gedacht. Google plant, sein Modell Gemini gezielt ins Smart Home zu bringen.

Datenschutz bleibt zentrale Frage

Je persönlicher der Assistent wird, desto wichtiger wird Vertrauen. Alexa steht in Wohnzimmern, Küchen, Schlafzimmern – manchmal auch in Kinderzimmern. „Es ist ein Vertrag mit dem Kunden“, sagt Panay. „Du entscheidest. Daten werden in der Cloud gespeichert.“ Nutzer könnten selbst festlegen, ob sie Daten löschen oder behalten. Auf BILD-Nachfrage teilte Amazon mit, Daten deutscher Kunden würden sicher auf Amazon-Servern gespeichert. Wo genau, sagte Amazon nicht. Man halte die EU-Datenschutzanforderungen ein.

Andere KI-Geräte scheiterten – warum nicht auch Alexa?

Allerdings: Andere KI-Hardware hatte es bisher schwer. Hoffnungen wie der Rabbit R1 und der Humane AI Pin von ehemaligen Apple-Mitarbeitern setzten sich im Massenmarkt nicht durch. Warum also sollte es Amazon jetzt schaffen? Panay glaubt, die Branche stehe noch ganz am Anfang. „Wir sind so früh“, sagt er. „So früh.“ Manche dieser Geräte seien schlicht „zu früh“ gekommen. Ein echter Assistent müsse mehr können als nur Antworten liefern. „Ein Agent muss so viele Dinge können, damit er wirklich nützlich ist“, sagt er. Amazons Vorteil: Alexa steht dank der Echo-Geräte schon in vielen Wohnungen – und genau dort will der Konzern zeigen, dass KI nicht nur antwortet, sondern Aufgaben erledigt.

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„Das ist wahrscheinlich die schnellste Zeit, die ich in Tech erlebt habe“

Und: KI entwickelt sich immer noch rasant. Schneller, als es Amazon selbst noch vor ein paar Jahren dachte. Denn 2022 wagte Panays Vorgänger Dave Limp in BILD die Prognose, Alexa werde in fünf Jahren deutlich konversationeller. Vier Jahre danach sagt Panay lachend: „Wir haben sein Ziel geschlagen.“ Und: „Dave lag falsch. Das ist mein zweites Statement. Ganz klipp und klar. Schreib das in den Artikel. Aber schreib dazu, dass ich das im Spaß gesagt habe.“ Und ergänzt: „Er lag im guten Sinne falsch.“ Für Panay ist KI kein kurzer Trend. „Das ist kein 3D-TV. Nicht so ein Ding“, sagt er. „Das ist Veränderung auf Internet-Niveau. Das ist wahrscheinlich die schnellste Zeit, die ich in der Tech-Industrie erlebt habe.“