Beliebter Lorenbahn auf der Havel droht das Aus nach 30 Jahren
Lorenbahn auf der Havel droht das Aus

Lorenbahn bei Granzin: Seit 30 Jahren im Dienst der Wasserwanderer

Seit über drei Jahrzehnten ist die Bootslorenbahn bei Granzin ein unverzichtbares Hilfsmittel für Wasserwanderer auf der Havel. Sie überbrückt eine 700 Meter lange Sandbank, die durch Panzerfahrübungen der Sowjetarmee entstanden ist. In Spitzenzeiten wurden hier bis zu 12.000 Boote pro Jahr transportiert. In der vergangenen Saison waren es 8.500 Boote, aber aufgrund der unsicheren Weltlage rechnet Bootsvermieter Ingo Hecht wieder mit einem Anstieg, da weniger Menschen fliegen werden.

Überraschende Ankündigung des Nationalparkamtes

Anfang des Jahres sorgte das Nationalparkamt Müritz mit einer Ankündigung für Unruhe in der Gemeinde Kratzeburg: Die Lorenbahn soll abgebaut werden, um das munitionsbelastete Gelände zu sondieren. Diese Nachricht traf die Arbeitsgemeinschaft Wasserwandern, der Bootsvermieter, Bürgermeister und Vertreter des Landkreises angehören, völlig unerwartet. Bürgermeister Guntram Wagner zeigt sich verwundert: „Die Bahn müsse abgebaut werden, um die Fläche zu untersuchen. Ob sie danach wieder aufgebaut wird, blieb vage.“

Alternative stößt auf Unverständnis

Als Ersatz sollen Handwagen dienen, doch das stößt auf Kritik. Mit den drei Loren können zwölf Boote gleichzeitig transportiert werden, ein Handwagen fasst nur eines und der Transport durch den Sand ist mühsam. „Die Lorenbahn ist eine Attraktion für Wasserwanderer“, betont Hecht. Unzählige positive Kommentare in Internetforen belegen die Beliebtheit der Bahn, die für viele zu den Höhepunkten einer Haveltour gehört.

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Hintergrund der Kampfmittelbelastung

Das Gelände gehörte einst zum Truppenübungsplatz der Sowjetarmee. Die Sandbank entstand, als Panzerfahrer eine Furt nutzten und den Sand aufwühlten. Dass das Gebiet munitionsbelastet sein könnte, ist seit über 30 Jahren bekannt. Dennoch wurde die Lorenbahn in den 1990er Jahren gebaut und mehrfach repariert, ohne dass die Munition eine Rolle spielte. Nun hat der Bund als Eigentümer die Untersuchung angeordnet. Laut Ministeriumssprecherin Dörte Lembke gab es seit 2007 vereinzelte Kampfmittelfunde in der Umgebung.

Ungewisse Zukunft

Eine Sondierung ist technisch erst nach Entfernung der eisernen Schienen möglich. Wann dies geschieht und ob die Bahn wieder aufgebaut wird, ist offen. Das Nationalparkamt betont, dass die Entscheidung in Abstimmung mit dem Eigentümer, der Gemeinde und touristischen Partnern getroffen wird. „Das Wasserwandern hat für uns hohe Priorität“, erklärt Eike Lucas vom Nationalparkamt. Eingriffe sollen möglichst außerhalb der Urlaubssaison erfolgen. Bürgermeister Wagner bleibt skeptisch: „Wir wurden schon öfter übergangen.“ Für ihn steht fest: Die Lorenbahn muss erhalten bleiben.

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