Roland Schwab inszeniert Borodins Opernfragment 'Fürst Igor' im Gärtnerplatztheater
Schwab inszeniert 'Fürst Igor' - Drei Komponisten, ein Fragment

Drei Komponisten und ein Opernfragment: Roland Schwabs 'Fürst Igor'-Inszenierung

Im Münchner Gärtnerplatztheater entsteht derzeit eine außergewöhnliche Opernproduktion. Regisseur Roland Schwab inszeniert Alexander Borodins unvollendetes Werk „Fürst Igor“ – eine Oper, die nach dem Tod des Komponisten von seinen Kollegen Alexander Glasunow und Nikolai Rimski-Korsakow vervollständigt wurde.

Ein Fragment mit Geschichte

Alexander Borodin arbeitete achtzehn Jahre lang an seiner Oper „Fürst Igor“, konnte sie jedoch vor seinem Tod 1887 nicht fertigstellen. Das Fragment wurde später von seinen Komponistenkollegen Glasunow und Rimski-Korsakow bearbeitet und ergänzt. Diese besondere Entstehungsgeschichte bildet den Ausgangspunkt für Schwabs Inszenierung.

„Es geht mir nicht nur um die Aufführung der Oper, sondern um die Reflexion über ihre Entstehung“, erklärt Schwab im Interview. „Wie geht man mit einem Werk um, das eigentlich nie als Ganzes existiert hat?“

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Drei Komponisten auf der Bühne

Die Inszenierung zeigt mit Tobias Kartmann als Alexander Glasunow, Vladimir Pavic als Nikolai Rimski-Korsakow und Dieter Fernengel als Alexander Borodin gleich drei Komponisten auf der Bühne. Diese ungewöhnliche Besetzung verdeutlicht die kollektive Entstehungsgeschichte des Werkes.

Schwab betont: „Die Präsenz der drei Komponisten ermöglicht es uns, die verschiedenen künstlerischen Perspektiven und die Frage der Autorschaft sichtbar zu machen. Es ist ein Spiel mit Authentizität und Interpretation.“

Zweifel als künstlerisches Prinzip

Der Regisseur spricht offen über die großen Zweifel, die ihn bei dieser Produktion begleiten. „Gerade weil es sich um ein Fragment handelt, muss man ständig Entscheidungen treffen – und jede Entscheidung hinterfragen“, so Schwab.

Diese Zweifel seien jedoch kein Hindernis, sondern vielmehr ein produktives künstlerisches Prinzip. Sie ermöglichten es, das Werk nicht als fertiges Produkt, sondern als offenen Prozess zu begreifen.

Eine Oper für München

Die Inszenierung im Gärtnerplatztheater verspricht nicht nur musikalisch, sondern auch szenisch eine besondere Erfahrung zu werden. Schwab und sein Team arbeiten an einer Produktion, die die komplexe Geschichte des Werkes sowohl hör- als auch sichtbar macht.

Mit dieser unkonventionellen Herangehensweise möchte das Gärtnerplatztheater zeigen, dass auch klassische Werke immer wieder neue Interpretationsmöglichkeiten bieten – besonders wenn sie, wie „Fürst Igor“, selbst das Ergebnis mehrerer künstlerischer Visionen sind.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration