Deutsche Tanzkompanie vollendet Elemente-Zyklus mit zweiteiligem Epos 'Erde'
Im Ballettsaal der Deutschen Tanzkompanie in Neustrelitz vereinen sich derzeit vielfältige kulturelle Hintergründe: Brasilien und Teneriffa, Russland und Kanada, Portugal, Italien, Frankreich, Japan sowie verschiedene Regionen Deutschlands. Diese multinationale Truppe teilt mit acht Milliarden Menschen ein gemeinsames Zuhause – unseren Planeten Erde. Diesem faszinierenden Element widmet das Ensemble nun das beeindruckende Finale seines mehrjährigen Projekts 'Zyklus der Elemente' und wagt dabei ein besonderes künstlerisches Experiment.
Zwei unabhängige Choreografien für ein gemeinsames Thema
Das Epos 'Erde' besteht aus zwei völlig unabhängigen Teilen, die von der brasilianischen Choreografin Monica Proença und dem russischen Tänzer und Choreografen Emil Faski separat entwickelt wurden. Beide Künstler werden erst bei der Uraufführung die Arbeit des jeweils anderen kennenlernen, was dem Abend eine besondere Spannung verleiht.
Felix Erdmann, der das Projekt als Dramaturg begleitet, erklärt: 'Es ist faszinierend zu beobachten, wo sich die beiden Stücke spiegeln oder kontrastieren. Das Publikum erhält das seltene Privileg, zwei völlig unterschiedliche Interpretationen desselben Themas zu erleben.'
Die beiden Choreografen nähern sich dem Thema Erde aus grundverschiedenen Perspektiven. Emil Faski, der in Ufa geboren wurde und in St. Petersburg ausgebildet wurde, bevor er in renommierten Ensembles von Hamburg bis Monaco tanzte, entwickelt ein assoziationsreiches Stück über das Leben auf unserem Planeten und den menschlichen Umgang damit. Dabei betont er, dass es sich nicht um ein 'Handlungsballett' handelt, sondern um eine künstlerische Auseinandersetzung, die klassische und zeitgenössische Tanzformen vereint.
Individuelle musikalische Begleitung für jede Choreografie
Für seine Neustrelitzer Choreografie konnte Faski den russischen Komponisten Vladislav Federov gewinnen, der eigens für dieses Projekt die Musik schrieb. 'Er ist ein junger Mann, der die heutige Zeit wirklich fühlt', betont Faski die Bedeutung dieser Zusammenarbeit. Der Choreograf arbeitet grundsätzlich gerne mit jungen Musikern zusammen, auch wenn dies 'nicht immer einfach ist, besonders wenn sie talentiert sind', wie er mit einem Augenzwinkern anmerkt.
Monica Proença, die in Kanada lebt und international als Choreografin für Bühnenproduktionen und Filme (unter anderem für den Hollywood-Streifen 'Center Stage: On Pointe') sowie als Dozentin und Jurorin tätig ist, kontert humorvoll: 'Meiner ist nicht so jung.' Für ihren Teil des Abends kreierte der bereits vielfach für Tanz- und Filmprojekte erfahrene Jean Philippe Barrios, bekannt als Lacrymoboy, den Sound. Barrios war während der ersten Probenphase sogar persönlich in Neustrelitz anwesend.
In Proenças Interpretation wird die Erde selbst zu einem fühlenden Organismus, der Werden und Wachsen, zyklische Entwicklungen, aber auch Bedrohung und Zerstörung durchlebt. Beide Choreografen betonen jedoch, dass die Frage nach der Bedeutung der Erde für uns Menschen die Hoffnung nicht aussparen darf.
Internationales Ensemble mit individueller Persönlichkeit
Beide Künstler zeigen sich beeindruckt vom Ensemble der Deutschen Tanzkompanie, das mit Leidenschaft und harter Arbeit an den Produktionen arbeitet. Emil Faski schätzt besonders die 'Charaktere, die ich als Choreograf entdecken kann'. Für Monica Proença gehört diese Individualität sogar zum konzeptionellen Kern ihrer Arbeit: 'Persönlichkeit ist ein gewichtiger Teil davon', erklärt die Brasilianerin.
Sie begeistert sich darüber, wie die Tänzerinnen und Tänzer ihre verschiedenen kulturellen Hintergründe und persönlichen Erfahrungen in die gemeinsame Arbeit einbringen. Neben den vertrauten Ensemblemitgliedern werden bei der Uraufführung erstmals die Italienerin Angelica Bistarelli, der Australier Chayan Blandon-Duran und die Griechin Marianna Pappa zu erleben sein.
Abschluss eines mehrjährigen künstlerischen Projekts
Der 'Zyklus der Elemente' wurde vor über drei Jahren von Lars Scheibner, dem damaligen Künstlerischen Leiter der Deutschen Tanzkompanie, konzipiert. Scheibner choreografierte selbst die ersten beiden Teile 'Feuer' und 'Wasser'. Im vergangenen Jahr folgte die allegorische 'Luft' des Italieners Gaetano Posterino. Mit dem nun präsentierten zweiteiligen Epos 'Erde' schließt sich ein beeindruckender künstlerischer Kreis, der die vier Elemente in zeitgenössischer Tanzsprache interpretiert.
Die Uraufführung von 'Der Zyklus der Elemente: Erde' findet am 18. April um 19.30 Uhr im Landestheater Neustrelitz statt. Weitere Vorstellungen sind für den 25. April und 2. Mai im Schauspielhaus Neubrandenburg sowie am 29. Mai erneut im Landestheater Neustrelitz geplant. Bereits am 9. Mai gastiert die Tanzkompanie mit dem Teil 'Luft' im Ernst-Barlach-Theater Güstrow.



