Die 8 besten „Tatort“-Krimis laut Grimme-Preis: Eine Chronik
8 „Tatort“-Krimis mit Grimme-Preis: Eine Chronik

In der langen Geschichte des „Tatorts“ kommt es selten vor, dass eine Folge den renommierten Grimme-Preis erhält. Dieses Jahr ist es wieder so weit: Der Hessische Rundfunk (HR) wird für „Tatort: Dunkelheit“ ausgezeichnet. Der Grimme-Preis, benannt nach Adolf Grimme (1889–1963), dem ersten Generaldirektor des Nordwestdeutschen Rundfunks, zählt zu den wichtigsten Medienpreisen Deutschlands und wird vom Volkshochschulverband gestiftet. Die diesjährige Gala findet am Freitag, den 24. April, in Marl statt. Insgesamt wurden bisher nur acht „Tatort“-Folgen mit diesem Preis geehrt. Hier sind sie im Überblick.

2026: „Tatort: Dunkelheit“ (HR)

Der Kontrast zum verspielten Vorgängerteam Margarita Broich und Wolfram Koch könnte kaum größer sein. Kommissar Hamza Kulina (Edin Hasanović) wird nach einem Fehler zur ernsten Maryam Azadi (Melika Foroutan) versetzt, die in einem dunklen Keller gewissenhaft Altfälle bearbeitet. Der HR setzt auf Cold-Case-Krimis und den migrantischen Hintergrund des Teams. Mit der deutsch-iranischen Schauspielerin Foroutan und dem deutsch-bosnischen Hasanović ist die Besetzung hervorragend. In „Dunkelheit“ entdeckt eine Frau beim Ausmisten der Garage ihres verstorbenen Vaters eine grausige Überraschung. Das Team Azadi/Kulina ermittelt auf den Spuren eines Serienkillers, des sogenannten „Main-Rippers“. Kulina wird dabei mit seinem eigenen Trauma konfrontiert: Er verlor 1995 beim Massaker von Srebrenica seinen Bruder. Die Autoren Senad Halilbašić, Erol Yesilkaya und Regisseur Stefan Schaller schufen einen überdurchschnittlichen Thriller, der lange nachhallt.

2015: „Tatort: Im Schmerz geboren“ (HR)

Bereits 2015 erhielt eine HR-Produktion den Grimme-Preis: „Im Schmerz geboren“ (Drehbuch: Michael Proehl, Regie: Florian Schwarz). Der am 12. Oktober 2014 ausgestrahlte Krimi mit Ulrich Tukur als Wiesbadener LKA-Ermittler Felix Murot begeisterte mit Zitaten aus „Spiel mir das Lied vom Tod“, opulenter Filmmusik (Beethoven, Brahms, Georges Delerue) und einer spektakulär hohen Leichenzahl.

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2014: „Tatort: Angezählt“ (ORF)

In diesem österreichischen Krimi (Premiere am 15. September 2013) drückt Major Bibi Fellner (Adele Neuhauser), Kollegin von Oberstleutnant Moritz Eisner (Harald Krassnitzer), eine anonyme Nummer weg. Sie ahnt nicht, dass es der letzte Hilferuf einer früheren Zeugin war. Der Fall führt ins Wiener Rotlichtmilieu mit Elendsprostitution. Fellner gerät selbst ins Fadenkreuz eines Killers. Regie führte Sabine Derflinger nach einem Drehbuch von Martin Ambrosch.

2011: „Tatort: Nie wieder frei sein“ (BR)

Dieser komplexe Sozialkrimi und Justizthriller mit sensationellem Ende (Drehbuch: Dinah Marte Golch, Regie: Christian Zübert) faszinierte am 19. Dezember 2010. Für Melanie Bauer (Anna Maria Sturm) bricht die Welt zusammen, als der Mann, der sie vergewaltigt und fast umgebracht hat, vor Gericht freigesprochen wird – nur weil eine Anwältin (Lisa Wagner) spitzfindig argumentierte. Die Ereignisse entsetzen die Kommissare Batic und Leitmayr (Miroslav Nemec und Udo Wachtveitl) und lassen am Ende einige Menschen „nie wieder frei sein“.

2005: „Tatort: Herzversagen“ (HR)

Wieder eine HR-Produktion: „Herzversagen“ (Regie: Thomas Freundner, Drehbuch: Freundner und Stephan Falk). Eine Frau wird ermordet in ihrer Wohnung gefunden, ihr Erspartes fehlt. Die Kommissare Charlotte Sänger und Fritz Dellwo (Andrea Sawatzki und Jörg Schüttauf) stoßen auf eine Serie rätselhafter Todesfälle älterer Damen, die alle angeblich an Herzversagen starben – und kurz zuvor ihre Ersparnisse abgehoben hatten.

2002: „Tatort: Im freien Fall“ (BR)

Der Film (Erstausstrahlung am 4. November 2001) vereint Kunstfälscherkrimi, Gewissensdrama und Liebesfilm. Kommissar Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) fällt völlig aus der Rolle, verliebt sich und taumelt durch ein märchenhaftes München, bevor die Realität ihn einholt. Drehbuchautor Alexander Adolph erhielt viel Lob für seine vielschichtige Arbeit, Regie führte Jobst Oetzmann.

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1993: „Tatort: Kinderspiel“ (ORF)

In diesem Wien-Krimi (Premiere am 16. August 1992) terrorisiert eine Bande strafunmündiger Kinder ältere Frauen. Inspektorin Susanne Kern (Sylvia Haider) wird im Prater von einem Jungen mit einer Spritze attackiert. Die Inspektoren Fichtl und Hollocher (Michael Janisch und Michael Bukowsky) suchen die Drahtzieher hinter den organisierten Kinderbanden. Regie führte Oliver Hirschbiegel („Der Untergang“) nach einem Drehbuch von Peter Zingler.

1989: „Tatort: Moltke“ (WDR)

In diesem Krimi (Premiere am 28. Dezember 1988) hat Dieter Bohlen einen Gastauftritt und singt seinen Blue-System-Song „Silent Water“. Der Fall mit Götz George als Horst Schimanski und Eberhard Feik als Christian Thanner (Drehbuch: Axel Götz, Jan Hinter, Thomas Wesskamp, Regie: Hajo Gies) dreht sich um einen lange zurückliegenden Bankraub. 1978 wurde einer der Täter schwer verletzt und vom Anführer exekutiert. Es war das erste Mal, dass die „Tatort“-Reihe als preiswürdig erachtet wurde, wie die dpa 1989 formulierte. Den „Tatort“ gibt es seit 1970, den Grimme-Preis seit 1964.