KI im Theater: Moritz Rinkes neue Komödie stellt unbequeme Fragen zur Künstlichen Intelligenz
KI im Theater: Moritz Rinkes neue Komödie zu Künstlicher Intelligenz

KI als Traum oder Alptraum: Neues Theaterstück von Moritz Rinke

Kaum ein Thema bewegt die gegenwärtige Gesellschaft so intensiv wie die Künstliche Intelligenz. In einem aktuellen Theaterstück werden nun unbequeme und grundlegende Fragen zum Umgang mit dieser Technologie gestellt. Es überrascht nicht, dass in diesem Werk nicht alle handelnden Figuren menschlicher Natur sind.

Uraufführung einer KI-Komödie in Wien

Der renommierte deutsche Dramatiker Moritz Rinke hat eine innovative KI-Komödie verfasst, die nun in Wien ihre Uraufführung erlebt. Das Stück mit dem Titel „Sophia oder Das Ende der Humanisten“ wird in den Kammerspielen des Theaters in der Josefstadt präsentiert. Am 15. März folgt die Deutschland-Premiere im Berliner Renaissance-Theater mit dem bekannten Schauspieler Joachim Król in einer Hauptrolle. Zudem ist bereits die Produktion eines Kinofilms geplant.

Die Handlung: Ein Professor und seine KI-Partnerin

Im Zentrum der Handlung steht der Professor für Altertumsforschung Wolfgang Bergmann, der die ständigen Vorwürfe seiner Ehefrau wegen seiner vermeintlichen Rückständigkeit nicht länger ertragen kann. Nach der Trennung von seiner Partnerin offenbart sich der Gelehrte als überzeugter Technologie-Enthusiast. Er ersetzt seine Ehefrau durch Sophia – ein menschenähnliches KI-Wesen, das ihm als ebenbürtige und kluge Partnerin zur Seite steht und zusätzlich den Haushalt führt. „Sie ist ihm in ihrer Klugheit eine ebenbürtige Partnerin, die auch noch den Haushalt macht. Ein Sexroboter ist sie nicht“, betont Dramatiker Moritz Rinke über diese außergewöhnliche Figur.

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Grundthema: Der Umgang mit Künstlicher Intelligenz

Das zentrale Thema des Stücks beschäftigt gegenwärtig praktisch die gesamte Weltbevölkerung: Wie gehen wir angemessen mit Künstlicher Intelligenz um und wo liegen ihre ethischen Grenzen? Für den gelehrten Professor Wolfgang, der den Historiker Theodor Mommsen verehrt, ist die Antwort eindeutig. „Er ist wahnsinnig glücklich“, erklärt Rinke im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Die intelligente, geduldige und bedingungslos zugewandte Sophia unterstützt den 60-jährigen Wolfgang auch bei der Erstellung wissenschaftlicher Vorträge, beispielsweise zum Thema „Populismus im Alten Rom“. Lediglich ihre Bewegungen wirken anfangs etwas hölzern, doch sie lernt erstaunlich schnell dazu.

Konflikte und ein unerwartetes Finale

Die Tochter des Professors, Helena, und ihr Freund Jonas entwickeln ihre eigenen Perspektiven auf das faszinierende Wissens-Monster. Helena, die als mäßig erfolgreicher Life-Coach arbeitet, lehnt die KI anfangs komplett ab. Der Informatiker Jonas, der seine berufliche Zukunft in der analogen Welt eines eigenen Restaurants sieht, öffnet dem Roboter hingegen eine entscheidende Tür: Mit seiner Hilfe erlangt Sophia einen selbstbestimmten Zugang zum Internet und wird dadurch unkontrollierbar. „Jetzt hat er wieder eine Frau, die macht, was sie will“, kommentiert der Autor diese Entwicklung. Das Finale des Stücks hält einen spannenden „Hitchcock-Moment“ bereit, wie Rinke verrät.

Rinke über KI in der Kreativbranche

Der mehrfach ausgezeichnete 58-jährige Dramatiker, der mit seinem Roman „Der Mann, der durch das Jahrhundert fiel“ im Jahr 2010 einen großen Erfolg erzielte, nutzt KI persönlich hauptsächlich als technischen Ratgeber für Reparaturen. Die Inspiration für das gut zweieinhalbstündige Stück erhielt er aus Erzählungen innerhalb seines Freundeskreises. Eine Freundin seiner Ehefrau sucht beispielsweise keine Unterstützung mehr bei einer Psychotherapeutin, sondern konsultiert stattdessen ChatGPT.

Rinke kritisiert insbesondere die zunehmende Verbreitung von KI in der Kreativbranche, etwa in der Filmindustrie, wo sie zur Analyse von Drehbüchern und zum Verfassen von Dialogen eingesetzt wird. „Die KI ist nicht in der Lage, ein Rinke-Stück zu schreiben. Den Ton trifft sie nicht“, stellt er nach eigenen Experimenten fest. Die einzigartige künstlerische Handschrift und der spezifische Tonfall bleiben der menschlichen Kreativität vorbehalten.

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Gefahren für die junge Generation

Eine besondere Gefahr sieht der Autor für die junge Generation, die Künstliche Intelligenz ganz selbstverständlich in ihren Alltag integriert. „Es droht der Verlust von Selbstbewusstsein, allein mit der Kraft der Vernunft und des Denkens Lösungen und Antworten auf Probleme zu finden“, warnt Rinke. Die Fähigkeit, eigenständig zu denken und kreative Lösungen zu entwickeln, könnte durch die übermäßige Abhängigkeit von KI-Technologien nachhaltig beeinträchtigt werden.