Neustrelitz: Komödie über Nazi-Terror begeistert mit comic-hafter Theaterinszenierung
Neustrelitz: Komödie über Nazi-Terror begeistert Publikum

Neustrelitz: Komödie über Nazi-Terror begeistert mit comic-hafter Theaterinszenierung

Im Landestheater Neustrelitz feierte die Komödie „Sein oder Nichtsein“ Premiere und begeisterte das Publikum mit einer gewitzten Auseinandersetzung mit dem Nazi-Terror. Die Inszenierung von Naemi Friedmann beweist eindrucksvoll, dass selbst die dunkelsten Kapitel der Geschichte auf der Bühne mit schillernder Komik erzählt werden können.

Eine Theatertruppe im Kampf ums Überleben

Die Handlung dreht sich um eine Warschauer Theatertruppe, die während der deutschen Besatzung einen kühnen Rettungsplan fasst. „Spielt, sonst sind wir verloren!“, feuert der Regisseur seine Schauspieler an – und sie spielen tatsächlich um ihr Leben. In einer doppelten Metaebene bringt das Ensemble der Theater- und Orchestergesellschaft tog diese Geschichte hochgradig gewitzt auf die Bühne.

Die kapriziöse Truppe um das Star-Paar Maria und Josef Tura, gespielt von Florian Rast und Josefin Ristau, sieht sich plötzlich mit Krieg, Zensur und der Bedrohung durch die Gestapo konfrontiert. Das Theater überlebt nur noch in Requisiten einstiger Erfolge, während eine geheime Liste nicht in die falschen Hände gelangen darf.

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Comic-hafter Stil und karikierte Nazi-Symbolik

Die Inszenierung setzt auf eine geradezu comic-haften Überzeichnung, mit der sich die kleine Bühne durch die große Geschichte manövriert. Ausstatterin Sarah Wolters inszeniert diese Parallele in abgeranzten Hinter-den-Kulissen-Segmenten auf der Drehbühne meisterhaft.

Besonders hervorzuheben ist die lustvoll karikierende Darstellung der Nazi-Symbolik:

  • Der sich bei jedem Türenknall fortpflanzende Hitlergruß
  • Das unermüdliche Krafttraining des tumben Gestapo-Gruppenführers
  • Hypermotivierte Sprachmuster wie „Pa-S-S-en Sie auf!“
  • NS-rote Banner mit herrlich ironischen Botschaften

Schauspielerische Glanzleistungen

Florian Rast zieht in der Rolle des eifersüchtigen Josef Tura alle Register – eitel, launisch, schnippisch, gefühlvoll, unsicher und dann wieder clever. Josefin Ristau verkörpert die umschwärmte Diva Maria zwischen schauspielerischen Capricen, amourösem Spiel mit dem Feuer und dem Lavieren mit Nazi-Drohungen.

Im munteren Ensemble dieses Polski-Theaters darf jeder Schauspieler seinen speziellen Eigenarten und Geheimnissen „Zucker“ geben, was zu einer lebendigen und facettenreichen Darstellung führt.

Shakespeare als geheimbündlerischer Begleiter

Auch Shakespeare trägt mehr bei als nur den existenziellen Titel oder den aus der Mottenkiste geholten „Hamlet“. Sein Glaube an Theater, das Zeiten überdauert und Menschen gemeinsam für etwas einstehen lässt, durchzieht die gesamte Inszenierung. Der berühmte Shylock-Monolog aus dem „Kaufmann von Venedig“ erhält in diesem Kontext eine neue, tiefgründige Bedeutung.

Die Premiere in Neustrelitz trieb das Publikum zu Standing Ovations und bewies eindrucksvoll: Solange es spielt, sind wir nicht verloren. Weitere Vorstellungen von „Sein oder Nichtsein“ gibt es im Landestheater Neustrelitz am 6., 14., 17. und 29. März sowie ab 26. März im Schauspielhaus Neubrandenburg.

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