Theater zieht in alten Baumarkt: Nachtigall, ick hör’ dir improvisieren
Das Haupthaus der Uckermärkischen Bühnen Schwedt (ubs) wird aktuell einer umfassenden Sanierung unterzogen – vom Keller bis zum Dach. Diese Bauarbeiten werden voraussichtlich zwei Jahre in Anspruch nehmen, während derer kein Besucher das Gebäude betreten darf. Dennoch geht der Theaterbetrieb unvermindert weiter. Die Bühnen kämpfen um ihre Präsenz und ihr Publikum und setzen dabei ihren ganzen Erfindergeist ein, der sie bis nach Pasewalk und Stettin führt.
„Wir sind nicht geschlossen“ – Intendant betont Kontinuität
Intendant André Nicke lässt keine Gelegenheit aus, zu betonen: „Wir sind nicht geschlossen.“ Der Intime Theaterbereich, der Kleine Saal und die Odertalbühne stünden nach wie vor zur Verfügung und böten Theater, Show und Konzerte. Allerdings reicht dieser Platz bei weitem nicht aus. „Den Großen Saal mit seinen 800 Plätzen kann man einfach nicht ersetzen“, erklärt Nicke die Herausforderung.
Die Situation geht finanziell ins Geld. Nicke rechnet mit einem Umsatzverlust von etwa einer Million Euro pro Jahr. „Das schießt uns keiner nach“, stellt er klar. Die Uckermärkischen Bühnen gehören nach seinen Angaben zu den wirtschaftlichsten Theatern in Brandenburg. Nach der Corona-Pandemie strömte das Publikum nur so ins Haus – ein Effekt, der darauf zurückzuführen ist, dass das Theater trotz Sperrzeiten mit verschiedenen Aktionen stets präsent blieb. „Die guten Umsatzerlöse nach der Pandemie setzen wir nun zur Kompensierung des Verlustes ein. Auf keinen Fall dürfen die Bauarbeiten länger als zwei Jahre dauern“, so der Intendant.
Neue Spielstätten von Pasewalk bis zum Baumarkt
Um den Theaterbetrieb aufrechtzuerhalten, haben Nicke und sein Team kreative neue Spielstätten erschlossen. Vorstellungen aus Schwedt werden nun auch im Kulturforum „Historisches U“ in Pasewalk gezeigt. Diese Location bietet echte Theateratmosphäre, ist verdunkelbar und verfügt über 500 Plätze. Zusätzlich wird der Familiengarten Eberswalde zur neuen Bühne für Schwedt. Aktuell werden sogar Aufführungsmöglichkeiten im polnischen Stettin geprüft, nachdem sich die Hoffnung auf Vorstellungen in der Oper im Schloss Stettin zerschlagen hat.
Eine besonders ungewöhnliche Bühne entstand nur einen Steinwurf vom Haupthaus entfernt in der Steinstraße. Hier wurde in einem leerstehenden Baumarkt mitten in einem Schwedter Gewerbegebiet eine provisorische Spielstätte geschaffen. Nackter Beton und hohe Decken entsprechen zwar nicht unbedingt dem typischen Theaterflair, doch Bühne, Saal und Garderoben erhalten derzeit den letzten Schliff. Am 13. März findet hier mit dem Musical „Es war die Nachtigall“ die erste Premiere statt.
Konzentrierte Probenatmosphäre und logistische Meisterleistung
In der Steinstraße herrscht bereits konzentrierte Probenatmosphäre. Hier wurden Übergangslösungen für Probenräume geschaffen, die im Haupthaus nicht mehr zur Verfügung stehen. Aktuell proben die Schauspieler für drei neue Inszenierungen gleichzeitig.
Hinter dem anlaufenden Theaterbetrieb in der ehemaligen Baumarkthalle steht eine logistische Meisterleistung. Parallel zu Proben, Vorstellungen und Publikumsverkehr fand ein Umzug sondergleichen statt. Die letzte Veranstaltung im Großen Saal war die Silvester-Show, danach zogen nahezu alle Abteilungen mit ihren Büros aus dem Haupthaus in den Baumarkt um – inklusive der Schauspieler mit ihren Garderoben, dem Theaterleiter und dem Marketingteam. Insgesamt 86 Mitarbeiter packten zur Jahreswende ihre Umzugskartons.
Langfristige Planung und bewährte Traditionen
„Wir sind sehr glücklich mit der neuen Übergangslösung“, sagt André Nicke. „Nach kurzem Umbau konnten wir einziehen.“ Dabei stapelt er bewusst tief, denn die Umzugsplanung begann bereits im Oktober 2024. Es mussten umfangreiche Vorbereitungen getroffen werden:
- Material wurde eingelagert
- Ersatzbüros geschaffen
- Die EDV-Infrastruktur und Telefonie neu aufgebaut
Der Spielplan steht fest, und Nicke betont: „An unseren großen Traditionsformaten machen wir keine Abstriche.“ Damit meint er das beliebte Weihnachtsmärchen und den Bunten Weihnachtsteller. Allerdings sind die gewohnten 20.000 Zuschauer pro Märchensaison vorerst nicht zu erreichen. Stattdessen werden die Schauspieler im Kleinen Saal drei Vorstellungen hintereinander geben – das sind pro Tag etwa 900 Besucher. Der Bunte Weihnachtsteller wird dafür von sechs auf 13 Vorstellungen ausgedehnt. Der Kartenvorverkauf läuft bereits auf Hochtouren.



