Bierhoff warnt DFB vor Moraldebatten auf dem Rücken der Spieler
Bierhoff: Moraldebatten nicht auf Kosten der Spieler

Der frühere DFB-Direktor Oliver Bierhoff hat mit Blick auf die Fußball-Weltmeisterschaft 2026 in den USA, Kanada und Mexiko vor einer erneuten politischen Debatte gewarnt, wie sie vor der Endrunde 2022 in Katar geführt wurde. In einem Interview mit dem „Stern“ sprach sich der 48-Jährige dafür aus, dass der Deutsche Fußball-Bund (DFB) einmal klar Position beziehen und dann die Mannschaft in Ruhe lassen solle.

„Lasst die Spieler in Ruhe“

„Der DFB sollte einmal Position beziehen und dann deutlich machen: ‚Lasst die Mannschaft in Ruhe! Tragt eure Moraldebatten gerne aus, aber nicht auf dem Rücken der Spieler‘“, sagte Bierhoff. Vor dem Turnier wird im DFB über den Umgang mit US-Präsident Donald Trump debattiert. Bierhoff betonte: „Lasst die Fußballer ihren Sport in Wettkämpfen ausüben, für die sie 365 Tage im Jahr hart arbeiten.“ Er verwies darauf, dass Bilder von Athleten unterschiedlicher Hautfarbe oder Religion, die sportlich fair miteinander umgehen, verbindend wirken könnten.

Boykott abgelehnt

Einen Boykott der WM lehnte Bierhoff ab. Er erinnerte an die engen wirtschaftlichen und politischen Beziehungen zwischen Deutschland und den USA. „Warum sollte ausgerechnet die Nationalmannschaft eine andere Haltung einnehmen?“, fragte er. Ein kritischer Kommentar eines Fußballers werde an der Lage nichts ändern. Bierhoff selbst hat enge geschäftliche Verbindungen zu den USA; er soll sich in Europa um die Belange der New England Patriots aus der NFL kümmern.

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Lehren aus Katar

Bierhoff stand 2022 im Zentrum der Kritik, als über das Turnier in Katar und die Menschenrechtslage im Gastgeberland diskutiert wurde. Von der Nationalmannschaft wurden klare Zeichen verlangt, doch die Debatte überlagerte das Sportliche. Der Verband hatte das Tragen der „One Love“-Kapitänsbinde angekündigt, knickte aber auf Druck der FIFA ein. Die DFB-Auswahl schied in der Vorrunde aus. Vor dem Spiel gegen Japan (1:2) sorgten die Spieler mit einer Geste für Aufsehen: Aus Protest gegen die Vorgaben des Weltverbandes hielten sie sich beim Teamfoto die Hand vor den Mund.

„Die Idee kam aus der Mannschaft. Einige Spieler hatten die Debatte sehr beschäftigt, sie wollten eine Reaktion zeigen. Heute denke ich: Man muss sehr gut überlegen, ob man sich als Team bei einem Turnier politisch positioniert“, sagte Bierhoff. Die Aussagen müssten „von der politischen Führung des Verbandes erfolgen“, ergänzte er.

Kritik an der Verbandsspitze

Zugleich kritisierte Bierhoff die damalige Verbandsspitze um den damaligen wie heutigen DFB-Präsidenten Bernd Neuendorf (64). Er hätte sich gewünscht, dass sich das DFB-Präsidium klarer zu Katar äußert und sich vor die Mannschaft stellt. „Stattdessen hatte ich das Gefühl, dass man sich eher hinter der Mannschaft und mir versteckt“, sagte Bierhoff, der im Präsidium Beisitzer, aber nicht stimmberechtigt war. Die Spieler sollten sich nicht verpflichtet fühlen, etwas zu sagen. „Das zu verlangen, halte ich für überzogen und unangebracht.“

Die meisten Diskussionen über den Einfluss des Sports hält Bierhoff für „verlogen“. Verantwortliche des DFB betonten zuletzt, dass „Fehler“ aus Katar nicht wiederholt und politische Themen aus der Kabine herausgehalten werden sollten. Menschenrechtsorganisationen blicken bereits seit Monaten mit Besorgnis auf die Entwicklung der USA unter Trumps Führung.

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