Bundesnachrichtendienst vor historischer Wende: Bewaffnete Agenten im Ausland geplant
Kanzleramtschef Thorsten Frei (52, CDU) hat eine fundamentale Neuausrichtung der deutschen Nachrichtendienste angekündigt. In einem Gespräch mit den ntv-Talkmastern Nikolaus Blome und Clara Pfeffer forderte der ranghohe Politiker, dass Agenten des Bundesnachrichtendienstes (BND) künftig nicht nur Informationen sammeln, sondern auch bewaffnete operative Einsätze im Ausland durchführen sollen.
Vom Beobachter zum aktiven Akteur
Die geplante Reform würde den BND von einem reinen Nachrichtenbeschaffer zu einem operativen Geheimdienst transformieren. Konkret nannte Frei Standorte wie Moskau und St. Petersburg, wo deutsche Agenten bisher vorwiegend observierende Tätigkeiten ausübten. Künftig sollen sie in der Lage sein, mit Waffengewalt auf Bedrohungen zu reagieren und im äußersten Notfall sogar den Bestand Deutschlands zu schützen.
„Ich bin überzeugt, dass es in der Zukunft nicht ausreichen wird, wenn wir ausnahmslos Nachrichten beschaffen“, erklärte Frei deutlich. „Wir sollten dem Bundesnachrichtendienst auch operative Fähigkeiten und Zuständigkeiten geben. Wenn es Angriffe auf Deutschland gibt, dann reicht es aus meiner Sicht nicht aus, dass wir uns das einfach nur angucken, sondern dann müssen wir uns dagegen auch wehren können.“
Zeitenwende für Nachrichtendienste
Der Kanzleramtschef begründet seine Forderung mit der notwendigen Anpassung an internationale Standards. „Alle anderen Länder auf der Welt, die entsprechende Dienste haben, tun das“, betonte Frei und verwies damit auf die Praxis bei Verbündeten wie Frankreich oder den USA.
Auslöser der Diskussion war ein Hinweis von Talkmaster Blome auf französische Cyberfähigkeiten. Frei bestätigte prompt: „Die Zeitenwende, die vor vier Jahren für die Bundeswehr ausgerufen wurde, die müssen wir jetzt auch auf unsere Nachrichtendienste übertragen.“ Dazu gehöre nicht nur eine bessere finanzielle und personelle Ausstattung, sondern vor allem technologische Aufrüstung und Anpassungen im Rechtsrahmen.
Glaubwürdigkeit als Partnerdienst
Frei betonte die strategische Bedeutung der Reform für Deutschlands Position im internationalen Geheimdienstnetzwerk. „Das Entscheidende ist, dass wir ein glaubwürdiger und verlässlicher Partner für unsere Partnerdienste in der Welt sind“, analysierte der CDU-Politiker. Informationen würden Deutschland nur dann von Verbündeten wie den Amerikanern zur Verfügung gestellt, wenn man im Gegenzug ebenfalls wertvolle Erkenntnisse liefern könne.
„Die Währung bei Nachrichtendiensten ist die glaubwürdige, harte Information, nicht nur der gute Wille“, so Frei weiter. Der Kanzleramtschef zeigte sich optimistisch, dass es in der Bevölkerung ein Bewusstsein für diese Notwendigkeit gebe und eine Bereitschaft, die Nachrichtendienste entsprechend auszustatten.
Rechtliche und praktische Herausforderungen
Die geplante Aufwertung des BND wirft zahlreiche Fragen auf:
- Welche rechtlichen Grundlagen müssen geschaffen werden?
- Wie wird die parlamentarische Kontrolle gewährleistet?
- Welche Ausbildung benötigen BND-Agenten für bewaffnete Einsätze?
- Wie positioniert sich Deutschland völkerrechtlich?
Frei kündigte an, dass die Bundesregierung derzeit an der konkreten Umsetzung arbeite. Die Reform markiere einen historischen Wendepunkt in der Geschichte des 1956 gegründeten Bundesnachrichtendienstes und reflektiere die gewandelte sicherheitspolitische Lage nach dem russischen Angriff auf die Ukraine.



