Washington/Teheran – Es sollte eine Art Blitzkrieg werden: ein „Enthauptungsschlag“ gegen die Mullah-Führung in Teheran, gefolgt von der raschen Kapitulation der iranischen Streitkräfte. Vielleicht sogar, als Draufgabe, ein Volksaufstand gegen das diktatorische Regime. Ein demokratischer Iran? Es wäre ein Neubeginn im Nahen Osten. Und Donald Trump (79)? Ein historischer Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika.
Nach mehr als zwei Monaten Konflikt wirkt dieses Szenario ferner denn je. Die weltwichtige Ölader Straße von Hormus bleibt ein brandgefährlicher Krisenherd. Wegen der Blockaden steckt die Welt in der Energiekrise. Trumps neuer Versuch, die Passage freizubekommen, endete fast im Kollaps des fragilen Waffenstillstands: Mit der verkündeten „Operation Freiheit“ sollten die USA Tankern helfen, eine sichere Route durch die teils verminte Meerenge zu finden. Doch der Iran attackierte Tanker, Ölanlagen in den Emiraten und feuerte Raketen auf US-Kriegsschiffe.
Trump: Habe ALLE Karten!
Trump postete zwar gewohnt selbstbewusst, ER habe alle Karten in der Hand – Fotomontage inklusive. Doch im politischen Washington hallt längst ein anderes Wort: „Quagmire“, ein Kriegssumpf ohne Ende. Trump steht in diesem Konflikt offenbar nicht dort, wo er stehen wollte. Trotz militärischer Erfolge bei der Dezimierung von Irans Streitkräften und Führungsriege.
Der politische Druck wächst. In den USA schossen die Benzinpreise seit Kriegsbeginn um rund 50 Prozent nach oben. Nur noch 33 Prozent der Amerikaner unterstützen ihn beim Irankonflikt („Washington Post“-Umfrage). Dabei hat er fast alles versucht, um Teheran in die Knie zu zwingen: sechs Wochen Luftkrieg gemeinsam mit Israel, wilde Drohungen („Auslöschung einer Zivilisation“), aber auch diplomatische Anläufe wie die geplatzten Islamabad-Gespräche.
Republikanern droht Wahlniederlage
Es wirkt, als wolle der Republikaner, dessen Partei bei den Kongress-Zwischenwahlen im November eine Wahlklatsche droht, mit aller Kraft wieder rasch raus aus dem Nahost-Konflikt. Die Reaktionen auf die neue iranische Aggression am Montag fielen wohl deshalb eher verhalten aus. Ein „paar Schüsse“ seien abgefeuert worden, postete Trump unterkühlt. Er habe offenbar geglaubt, der Iran werde ein einfacher Sieg, sagte der amerikanische Politologe Scott Erb zu BILD: „Jetzt tun er und seine Regierung sich schwer, sich an die Realität anzupassen!“ So ließe sich auch der taktische Zickzackkurs erklären.
Immerhin: Mit der Forderung, der Iran müsse sein Atomwaffenprogramm aufgeben, hat Washington nun sowohl den wichtigsten Kriegsgrund als auch die zentrale Forderung an Teheran klar formuliert. Die Trump-Regierung greife nach jedem Mittel, „um den Iran dazu zu zwingen, auf angereichertes Uran zu verzichten“, sagt Erb. Insgesamt beschreibt er Trumps Dilemma so: „Er will einen Sieg verkünden, fürchtet aber gleichzeitig eine Demütigung!“
US-Blockade iranischer Häfen greift
Ein Druckmittel erweist sich jedoch als wirksam: die gleichzeitige US-Blockade iranischer Häfen, die Irans Ölexporte abwürgt, den wichtigsten Devisenbringer des Regimes. „Die US-Blockade iranischer Häfen wirkt bereits“, sagt der Analyst Frank Walbaum von der Handelsplattform „Naga“: „Sie hat Irans Energieexporte zwar nicht vollständig gestoppt, aber deutlich erschwert.“ Sollte das Regime inmitten der wachsenden Wirtschaftskrise stürzen, wäre Trump am Ende vielleicht doch noch der Sieger.



