Iran: Frust und Zweifel wachsen selbst bei Regierungsgegnern nach Angriffen
Iran: Frust wächst selbst bei Regierungsgegnern nach Angriffen

Iran: Frust und Zweifel wachsen selbst bei Regierungsgegnern nach Angriffen

Gut eine Woche nach dem Beginn der israelisch-amerikanischen Luftschläge auf den Iran breiten sich in dem Land zunehmend Verunsicherung und Frust aus. Die jüngsten Angriffe auf Öldepots sowie Einschläge in Wohngebieten, historische Stätten und sogar eine Mädchenschule in Minab im Südiran haben die Bevölkerung spürbar verunsichert und vielerorts Unbehagen ausgelöst, wie Beobachter die Stimmung im Land schildern.

Apokalyptische Szenarien in Teheran

Rauchschwaden färbten den Himmel über Teheran am Wochenende dunkel, nachdem Explosionen Öldepots in der iranischen Hauptstadt in Flammen gesetzt hatten. „Die Leute wachten auf und dachten, es sei noch Nacht“, berichtete ein Teheraner. Ein Taxifahrer namens Behsad beschrieb die Atmosphäre als apokalyptisches Szenario, das an islamische Endzeit-Vorstellungen erinnere. Die zunehmenden Angriffe auf Nachbarstaaten aus dem Iran beunruhigen viele Menschen zusätzlich, und die Rechtfertigung der iranischen Regierung, dass die Attacken ausschließlich auf US-Militärbasen zielten, verfängt längst nicht bei allen.

Regierungsgegner im Zweifel

Selbst Regierungsgegner, die vor kurzem noch militärischen Druck als einzigen Weg zu einem Machtwechsel befürwortet hatten, geraten ins Zweifeln. „Es ging um einen Regimewechsel, nicht um den Kollaps des Landes oder Angriffe auf Schulen“, kritisiert die Architekturstudentin Faranak die als zunehmend ziellos wahrgenommenen Attacken. Die 26-Jährige berichtet, dass man nachts kaum noch schlafen könne und am nächsten Tag entsprechend gereizt sei. Der Krieg wird immer mehr zur Belastung im Alltag und bedroht die wirtschaftliche Existenz der Menschen.

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Wirtschaftliche Folgen und Alltagsbelastungen

Amir-Hussein, Supermarktbesitzer aus dem Teheraner Vorort Karadsch, schildert die Lage nach den jüngsten Angriffen: „Niemand kauft mehr ein, weil viele aus Angst vor Angriffen aus den Städten geflohen sind und unklar ist, wie lange der Alptraum dauern wird.“ Anstelle von Neujahrsfreude herrschten vor Norus, dem persischen Neujahr am 21. März, Angst und Ungewissheit. „Der Westen sollte ja alles besser machen, wofür wir ja auch dankbar sind, aber doch nicht das Land lahmlegen und unsere Existenzen bedrohen“, so der 49-Jährige.

Kontroverse Bewertungen aus dem Exil

Ein im kanadischen Exil lebender iranischer Politologe bewertet die Lage hingegen anders. Gegen ein brutales System wie die iranischen Machthaber könne nur mit Härte vorgegangen werden, sagte der Professor in Toronto, der aus Angst um im Iran lebende Angehörige nicht namentlich genannt werden will. Die Unterstützung militärischer Maßnahmen bedeute nicht, dass man das Vorgehen von US-Präsident Donald Trump oder Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu gutheiße. Zudem dürfe man sich nicht von der Rhetorik der Regierung in Teheran beirren lassen, die den Tod der Schülerinnen in der bombardierten Schule in Minab tränenreich beklage. „Das darf nicht darüber hinwegtäuschen, dass noch vor kurzem Zehntausende friedliche Demonstranten vom Regime als Terroristen diffamiert und brutal ermordet wurden“, so der Akademiker.

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