Die jüngsten iranischen Attacken auf Ölanlagen in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) haben die Fragilität der bestehenden Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran deutlich gemacht. Der Vermittlerstaat Pakistan hat beide Kriegsparteien zur Besonnenheit aufgerufen. Ein mögliches Treffen in China könnte neue Impulse für eine Deeskalation bringen.
Pakistan ruft zur Wahrung der Waffenruhe auf
Angesichts der wieder zunehmenden Spannungen zwischen den USA und dem Iran hat der pakistanische Premierminister Shehbaz Sharif zur Zurückhaltung gemahnt. Es sei „absolut essenziell, dass die Waffenruhe gewahrt und respektiert“ werde, schrieb Sharif auf der Plattform X. Gleichzeitig verurteilte er die Raketen- und Drohnenangriffe auf die VAE scharf. Der Iran hatte am Montag Ölanlagen im Hafen von Fudschaira attackiert.
Offizielle Berichte über weitere Angriffe in der Region oder Zwischenfälle in der Straße von Hormus lagen zunächst nicht vor. Der anhaltende Streit über die vom Iran blockierte Meerenge gefährdet jedoch die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran erheblich.
US-Präsident Trump droht dem Iran
US-Präsident Donald Trump drohte der Islamischen Republik nach den jüngsten Attacken erneut mit Vernichtung. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi warnte die USA hingegen vor einer Fortsetzung ihrer Initiative „Projekt Freiheit“. Mit diesem Projekt wollen die USA die Straße von Hormus wieder für den Schiffsverkehr und damit für den weltweiten Ölhandel öffnen.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth betonte jedoch, dass die Waffenruhe zwischen den USA und dem Iran weiterhin gelte. „Die Waffenruhe ist nicht beendet“, erklärte er bei einer Pressekonferenz. Bei der neuen US-Initiative handele es sich um eine separate, zeitlich begrenzte und defensive Operation, die sich vom Militäreinsatz „Gewaltiger Zorn“ gegen den Iran unterscheide.
Erste Erfolge bei „Projekt Freiheit“
In einer ersten Bilanz zu „Projekt Freiheit“ berichtete Hegseth, dass zwei Handelsschiffe erfolgreich durch die Straße von Hormus eskortiert worden seien. Viele weitere Schiffe bereiteten sich auf die Passage vor. Zugleich seien sechs Schiffe daran gehindert worden, iranische Häfen anzusteuern. „Amerika nutzt seine Stärke, um anderen zu helfen“, sagte Hegseth. Die Mission sei zeitlich begrenzt, da die USA nicht auf Öl aus der Region angewiesen seien. „Wir erwarten, dass die Welt aktiv wird“, fügte er hinzu. Die USA hatten andere Staaten aufgefordert, sich an der Absicherung des Handelsverkehrs zu beteiligen.
Treffen in China geplant
Inmitten des andauernden Konflikts wollte Irans Außenminister Abbas Araghtschi nach China reisen, um mit seinem chinesischen Kollegen die Entwicklungen in der Region zu erörtern, wie die iranische Nachrichtenagentur Tasnim mitteilte. China gilt als Hauptabnehmer der iranischen Öl- und Gasproduktion. Die Volksrepublik hatte auch die US-Seeblockade in der Straße von Hormus kritisiert. Zuvor war Araghtschi zu Gesprächen mit Russlands Präsident Wladimir Putin in St. Petersburg gewesen.
EU warnt vor schwerster Energiekrise
Die EU sieht die Welt angesichts des Konflikts in der „wohl schwersten Energiekrise aller Zeiten“, wie Energiekommissar Dan Jørgensen in Brüssel sagte. „Seit Ausbruch des Konflikts im Nahen Osten haben die Mitgliedstaaten der Europäischen Union bereits über 30 Milliarden Euro mehr für Importe fossiler Brennstoffe ausgegeben – ohne dafür zusätzliche Lieferungen zu erhalten.“
Etwa ein Fünftel des weltweit gehandelten Öls und Flüssiggases wird normalerweise durch die seit Wochen blockierte Straße von Hormus transportiert. Zudem wurden in den vergangenen Monaten Energieproduktionsanlagen in mehreren Golfstaaten durch iranische Angriffe beschädigt.
Die EU bereitet sich auf mögliche Versorgungsengpässe vor, besonders bei Flugkraftstoff. Jørgensen verwies auf die neue Beobachtungsstelle der EU, die Daten zum vorhandenen Flugtreibstoff sammelt. „Wir hoffen, dass es nicht zu einer Situation kommt, in der dies notwendig wird, aber wir bereiten uns darauf vor.“
Trump droht mit Vernichtung – Iran zeigt sich unbeeindruckt
Trump drohte dem Iran für den Fall von Angriffen auf US-Schiffe mit Vernichtung. Der Iran werde „von der Erde gefegt“, sollte er Schiffe angreifen, die im Rahmen der neuen US-Initiative im Einsatz seien, zitierte ihn der Sender Fox News.
Araghtschi schrieb auf X: „Projekt Freiheit ist Projekt Sackgasse.“ Die Ereignisse in der Straße von Hormus machten deutlich, dass es keine militärische Lösung für eine politische Krise gebe. Der Außenminister behauptete weiter, die Verhandlungen für ein Ende des Kriegs machten Fortschritte „dank des großen Einsatzes Pakistans“.
Arabische Staaten verurteilen iranische Angriffe
Arabische Staaten wie Jordanien, Bahrain und Ägypten verurteilten die erneuten Angriffe Irans auf die VAE. Auch die Golfstaaten Kuwait und Katar zeigten sich solidarisch. Der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman verurteilte die Angriffe als ungerechtfertigt.
Der ehemalige israelische Ministerpräsident Naftali Bennett stufte die neuen iranischen Angriffe auf die VAE als Kriegserklärung ein. „Dies ist de facto eine Erklärung der Wiederaufnahme des iranischen Kriegs gegen die Verbündeten der Vereinigten Staaten und Israels in der gesamten Region“, schrieb er auf X.



