Iran fordert Libanon als Verhandlungsthema - Droht mit Boykott der Friedensgespräche
Iran will Libanon bei Friedensgesprächen thematisieren

Iran setzt Libanon als Bedingung für Friedensgespräche durch

Unmittelbar vor den geplanten Friedensverhandlungen zum Iran-Krieg erhöht Teheran den diplomatischen Druck und fordert die Einbeziehung des Libanon in die aktuellen Waffenruhe-Bemühungen. Aus gut informierten Kreisen in der iranischen Hauptstadt verlautet, dass die Regierung Garantien verlangt, um den nördlichen Nachbarstaat zum festen Verhandlungsthema zu machen.

Boykottdrohung und anhaltende Kämpfe

Die iranische Nachrichtenagentur Mehr berichtet deutlich: Solange Israel seine militärischen Angriffe auf libanesisches Territorium fortsetzt, werden keine Friedensgespräche stattfinden. Diese klare Positionierung wirft Fragen auf, ob Teheran überhaupt Verhandlungsführer in die pakistanische Hauptstadt Islamabad entsenden wird.

Die Situation vor Ort bleibt angespannt: Israelische Streitkräfte greifen weiterhin Stellungen der pro-iranischen Hisbollah-Miliz im Libanon an, während diese ihrerseits am Morgen Geschosse auf Nordisrael abfeuerte. Dieser wechselseitige Beschuss untergräbt die ohnehin fragile Waffenruhe.

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Massive Sicherheitsvorkehrungen in Islamabad

In der pakistanischen Hauptstadt wurden unterdessen umfangreiche Sicherheitsmaßnahmen getroffen. Mehr als 10.000 Sicherheitskräfte, darunter Soldaten, Polizeieinheiten und paramilitärische Verbände, wurden laut Behördenangaben in Islamabad stationiert. Das Regierungsviertel und die diplomatische Zone wurden vollständig abgeriegelt.

Aus pakistanischen Sicherheitskreisen heißt es, dass zunächst Vorgespräche auf Expertenebene am Freitag geplant sind. Ein Treffen der eigentlichen Verhandlungsführer soll am Samstag folgen, wobei die Gespräche bei Bedarf bis Sonntag andauern könnten. Für eine dauerhafte Konfliktlösung müssen die Kriegsparteien zahlreiche strittige Punkte klären, darunter:

  • Irans umstrittenes Atomprogramm
  • Die Entwicklung ballistischer Raketen durch Teheran
  • Die Rolle der Hisbollah im Libanon
  • Humanitäre Zugänge und Zivilschutz

Humanitäre Katastrophe im Libanon nimmt zu

Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) warnt eindringlich vor einer sich verschärfenden humanitären Katastrophe im Libanon. DRK-Präsident Hermann Gröhe erklärte gegenüber der „Rheinischen Post“: „Zahlreiche Krankenhäuser sind aufgrund der vielen Verwundeten überfüllt und es droht ein Engpass von bestimmten Arzneimitteln und Materialien, insbesondere wenn die Angriffe anhalten sollten.“

Gröhe betonte, dass in den vergangenen Tagen zunehmend dicht besiedelte Wohngebiete ohne ausreichende Vorwarnung unter Beschuss geraten seien. Der bewaffnete Konflikt habe ein neues, noch verheerenderes Ausmaß erreicht. Der DRK-Präsident rief alle Konfliktparteien dazu auf, das humanitäre Völkerrecht strikt einzuhalten, Gesundheitseinrichtungen und medizinisches Personal zu schonen sowie die Zivilbevölkerung umfassend zu schützen.

Tragischerweise wurden im aktuellen Krieg erneut humanitäre Helfer getötet, darunter ein Mitarbeiter des Libanesischen Roten Kreuzes.

Israel kündigt direkte Verhandlungen mit Libanon an

Bei einer großangelegten israelischen Angriffswelle am Mittwochnachmittag wurden laut libanesischen Behördenangaben in mehreren Landesteilen binnen weniger Stunden über 300 Menschen getötet. Das Gesundheitsministerium in Beirut gab bekannt, dass unter den Opfern etwa 30 Minderjährige und 71 Frauen waren.

Das israelische Militär rechtfertigte die Angriffe als gezielte Operation gegen Kommandeure und militärische Infrastruktur der mit dem Iran verbündeten Hisbollah-Miliz. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte, die Waffenruhe im Iran gelte nach israelischer Einschätzung nicht für die von Teheran finanzierte Hisbollah im nördlichen Nachbarland.

„Israel wird die Miliz weiterhin mit Härte bekämpfen und nicht aufhören, ehe es Sicherheit für die Bevölkerung im Norden Israels gebe“, so Netanjahu. Gleichzeitig kündigte er jedoch direkte Verhandlungen mit dem Libanon an, die Berichten zufolge bereits kommende Woche in Washington auf Botschafterebene beginnen sollen.

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Streit um die Straße von Hormus

Vor den Friedensgesprächen gibt es zusätzlichen Ärger um die strategisch wichtige Straße von Hormus. US-Präsident Donald Trump wirft dem Iran vor, sich bei der Öffnung der für die globale Energieversorgung entscheidenden Meerenge nicht an das Abkommen über eine zweiwöchige Waffenruhe zu halten.

Trump schrieb auf der Plattform Truth Social: „Der Iran leistet hier sehr schlechte Arbeit, die man auch als unredlich bezeichnen könnte. Das ist nicht die Vereinbarung, die wir getroffen haben!“ Zuvor hatte der US-Präsident bereits Berichte kommentiert, wonach Teheran von Tankern Gebühren für die Durchfahrt verlange, und davor gewarnt, diese Praxis umgehend einzustellen.

Kaum Schiffsverkehr trotz Waffenruhe

Der US-Sender CBS berichtete unter Berufung auf den Informationsdienst Marine Traffic, dass in den zwei Tagen seit Ankündigung der Waffenruhe lediglich ein Dutzend Schiffe die Meerenge passiert hätten. Dies stellt einen Bruchteil des regulären Schiffsverkehrs dar, der vor Beginn des Iran-Kriegs durch die Straße von Hormus floss.

Als Reaktion auf amerikanisch-israelische Angriffe hatte der Iran Anfang März die strategisch wichtige Wasserstraße blockiert, was den Transport von Öl und Flüssiggas aus dem Persischen Golf praktisch zum Erliegen brachte. Die Weltmarktpreise für Energie sind seither rasant angestiegen.

Verheerende Schäden im Iran

Die humanitären und infrastrukturellen Folgen des Konflikts sind auch im Iran selbst verheerend. Nach Angaben des Roten Halbmonds wurden bei den israelisch-amerikanischen Angriffen mehr als 125.000 zivile Einrichtungen beschädigt oder vollständig zerstört.

Pirhussein Koliwand, der Leiter der iranischen Rothalbmond-Gesellschaft, nannte im staatlichen Fernsehen erschütternde Zahlen: „Darunter sind etwa 100.000 Wohnungen und mindestens 23.500 Geschäfte, die entweder schwer beschädigt oder komplett zerstört wurden.“ Diese enormen Zerstörungen verdeutlichen das immense menschliche Leid und die wirtschaftlichen Verluste, die der Konflikt auf allen Seiten verursacht hat.