Trotz Waffenruhe: Israels Armee greift Hisbollah im Libanon an
Israels Armee greift Hisbollah trotz Waffenruhe an

Die Waffenruhe im Nahen Osten bröckelt weiter. Obwohl US-Präsident Donald Trump vor wenigen Tagen eine verlängerte Feuerpause zwischen Israel und der Hisbollah verkündet hatte, meldet die israelische Armee erneute Angriffe auf die Miliz im Libanon. Die israelische Armee gab am Nachmittag bekannt, sie habe begonnen, Infrastrukturanlagen der Hisbollah im Süden sowie in der Bekaa-Ebene im Osten des Nachbarlandes ins Visier zu nehmen. Es handelt sich um die ersten Angriffe in der Bekaa-Ebene seit Beginn der Feuerpause.

Heftige Luftangriffe im Süden und Osten

Aus libanesischen Sicherheitskreisen hieß es, die israelische Luftwaffe habe am Nachmittag mehrere Orte im Süden des Landes sowie Hochburgen der Hisbollah in der Bekaa-Ebene angegriffen. Berichte über Opfer gab es zunächst nicht. Israelischen Medien zufolge hatten sich zuvor Ministerpräsident Benjamin Netanyahu, Verteidigungsminister Israel Katz und weitere hochrangige Sicherheitsvertreter getroffen, um über angebliche Verstöße der Hisbollah gegen die Waffenruhe zu beraten.

Hisbollah setzt Angriffe fort

Die Hisbollah ihrerseits setzt die Angriffe auf Israel fort. Am Morgen meldete Israel einen erneuten Drohnenangriff der Miliz auf den Norden des Landes, woraufhin Raketenalarm ausgelöst wurde. Die israelische Armee darf sich laut der aktuellen Waffenruhe-Vereinbarung gegen geplante, unmittelbar bevorstehende oder andauernde Angriffe verteidigen, soll jedoch offensive Einsätze gegen Ziele im Libanon unterlassen.

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Libanesischer Präsident verteidigt Verhandlungen

Der libanesische Präsident Joseph Aoun verteidigte die Mitte des Monats begonnenen Verhandlungen mit Israel, legte aber klare rote Linien fest. „Mein Ziel ist es, den Kriegszustand mit Israel zu beenden“, sagte Aoun. Er werde jedoch kein demütigendes Abkommen akzeptieren. Aoun wies die scharfe Kritik der proiranischen Hisbollah an den Gesprächen mit Israel zurück. „Was wir tun, ist kein Verrat. Vielmehr begehen diejenigen Verrat, die ihr Land in den Krieg führen, um ausländische Interessen durchzusetzen“, sagte er, ohne die Hisbollah namentlich zu nennen.

Hisbollah-Chef lehnt direkte Gespräche ab

Hisbollah-Chef Naim Qassem bekräftigte die ablehnende Haltung der Miliz: „Wir lehnen direkte Verhandlungen mit Israel kategorisch ab.“ Der Hisbollah-Anführer rief die libanesische Regierung auf, von ihrer schweren Sünde Abstand zu nehmen, die den Libanon in eine Spirale der Instabilität stürze. Die Hisbollah werde die Ergebnisse der Verhandlungen ignorieren und ihren Kampf fortsetzen.

Die USA hatten die Verhandlungen zwischen dem Libanon und Israel vermittelt. Beide Länder unterhalten keine offiziellen diplomatischen Beziehungen und befinden sich formell seit 1948 im Kriegszustand. Mitte April trafen sich diplomatische Vertreter Israels und des Libanon zu den ersten direkten Gesprächen seit Jahrzehnten in Washington.

Hintergrund des Konflikts

Der Libanon war Anfang März in den Irankrieg hineingezogen worden. Die Hisbollah, deren erklärtes Ziel die Vernichtung Israels ist, feuerte als Reaktion auf die Tötung des obersten iranischen Führers Ali Khamenei Raketen auf Israel ab. In der Folge griff Israel zahlreiche Ziele im Libanon an und schickte Bodentruppen über die Grenze. Seit Beginn der erneuten Eskalation wurden im Libanon mehr als 2500 Menschen getötet, mehr als eine Million Menschen mussten ihre Häuser verlassen.

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