Netanyahu bietet Libanon Friedensgespräche an – und droht mit weiteren Angriffen
Netanyahu: Friedensgespräche mit Libanon und Drohungen

Netanyahu bietet Libanon Friedensgespräche an – und droht mit weiteren Angriffen

Israels Premierminister Benjamin Netanyahu hat eine überraschende Doppelstrategie angekündigt: Während er direkte Friedensgespräche mit dem Libanon in Aussicht stellt, droht er gleichzeitig mit der Fortsetzung militärischer Angriffe. In einer offiziellen Stellungnahme erklärte Netanyahu, er habe sein Kabinett angewiesen, so bald wie möglich Verhandlungen mit dem Libanon aufzunehmen. Diese Gespräche sollen sich vor allem auf die Entwaffnung der schiitischen Hisbollah-Miliz und die Herstellung friedlicher Beziehungen zwischen beiden Ländern konzentrieren.

Widersprüchliche Signale aus Jerusalem

Parallel zu dieser diplomatischen Initiative bekräftigte Netanyahu in einer Videobotschaft an die Bewohner Nordisraels, dass es keine Waffenruhe mit der Hisbollah geben werde. "Israel wird die Hisbollah mit großer Kraft treffen und nicht aufhören, bis die Sicherheit wiederhergestellt ist", so der israelische Regierungschef. Diese gemischten Botschaften kommen zu einem Zeitpunkt, an dem die Spannungen in der Region weiter eskalieren. Nach den jüngsten israelischen Luftangriffen im Libanon ist die Zahl der Todesopfer nach Angaben des libanesischen Gesundheitsministeriums auf über 300 gestiegen, mit mindestens 1150 Verletzten.

US-Druck auf Netanyahu und europäische Partner

Hintergrund der plötzlichen Verhandlungsbereitschaft Netanyahus scheint massiver Druck aus Washington zu stehen. Mehrere US-Medien berichten, dass Präsident Donald Trump in einem Telefonat mit Netanyahu darum gebeten habe, die Angriffe im Libanon zurückzufahren, um laufende Friedensgespräche mit Iran nicht zu gefährden. Trump hatte zuvor in einem Interview mit NBC News behauptet: "Ich habe mit Bibi gesprochen und er wird das Ganze ein bisschen ruhiger angehen." Unklar bleibt jedoch, ob Netanyahu tatsächlich einer Reduzierung der Luftangriffe zugestimmt hat.

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Gleichzeitig erhöhen die USA den Druck auf ihre europäischen Verbündeten. Nato-Generalsekretär Mark Rutte versuchte bei einem Besuch in Washington zu beschwichtigen und betonte, dass die Nato-Länder "massive Unterstützung" für die US-Politik leisteten. Rutte räumte zwar ein, dass einige Verbündete anfangs "etwas zögerlich" gewesen seien, verwies aber auf praktische Hilfsangebote wie Minenboote oder Radartechnologie zur Sicherung der Straße von Hormus.

Hisbollah lehnt Verhandlungen ab

Auf libanesischer Seite stieß Netanyahus Verhandlungsangebot auf klare Ablehnung. Der Hisbollah-Abgeordnete Ali Fajjad erklärte, die Miliz lehne direkte Gespräche zwischen Israel und dem Libanon ab. Stattdessen müsse die libanesische Regierung zunächst einen Waffenstillstand verlangen. Priorität hätten außerdem der Abzug israelischer Truppen aus dem Libanon und die Rückkehr der Vertriebenen.

Friedensgespräche in Islamabad vorbereitet

Während sich die Lage zwischen Israel und dem Libanon weiter zuspitzt, laufen in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad die Vorbereitungen für ein wichtiges Friedenstreffen auf Hochtouren. Das Fünf-Sterne-Hotel Serena wurde komplett für die Ankunft der Delegationen aus den USA, Iran und China geräumt. Erwartet werden unter anderem US-Vizepräsident JD Vance und Irans Außenminister Abbas Araghchi. Die Gespräche sollen über einen möglichen Frieden nach der vereinbarten zweiwöchigen Waffenruhe im Irankonflikt beraten.

Ein westlicher Diplomat in Islamabad zeigte sich überrascht über das Zustandekommen des Treffens angesichts der tiefen Gräben zwischen den Positionen. "Weil die Straße von Hormus vor zwei Monaten noch offen war und das angereicherte Uran trotz des Krieges weiterhin in Iran lagert, muss hier ein Schaden behoben werden, der vorher nicht existierte", kommentierte der Gesandte die schwierige Ausgangslage.

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Politische Blockade in Washington

In den USA verschärft sich unterdessen der politische Streit um den Irankrieg. Die Republikaner im Repräsentantenhaus haben erneut einen Vorstoß der Demokraten blockiert, die US-Angriffe auf Iran zu beenden. Die Demokraten versuchen seit Monaten vergeblich, Resolutionen zu verabschieden, die Präsident Trump dazu zwingen würden, vor militärischen Operationen die Genehmigung des Kongresses einzuholen. Nach Trumps jüngsten Drohungen gegen Iran wächst die Besorgnis der Opposition, Dutzende Abgeordnete fordern sogar Trumps Amtsenthebung angesichts möglicher Kriegsverbrechen.

Die kommenden Tage werden zeigen, ob Netanyahus widersprüchliche Ansätze – gleichzeitige Friedensgespräche und militärische Drohungen – zu einer Deeskalation im Libanon führen oder die Spannungen weiter anheizen. Während die diplomatischen Kanäle zwischen Washington, Jerusalem und Beirut aktiviert werden, bleibt die humanitäre Lage im Libonen angesichts der anhaltenden Angriffe prekär.