Palantir-Chef Karp kritisiert deutsche Rüstungsskepsis und lobt Ukraine
Palantir-Chef wundert sich über deutsche Rüstungspolitik

Der Chef des US-Datenanalysekonzerns Palantir, Alex Karp, hat sich verwundert über die ablehnende Haltung der Bundeswehr gegenüber seiner Software gezeigt. Im Interview mit BILD kritisierte er die europäische Rüstungsstrategie und lobte die Ukraine als Vorbild für moderne Verteidigungstechnologien.

Ukraine als Vorbild für moderne Verteidigung

Nach einem Treffen mit dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow in Kiew zeigte sich Karp beeindruckt von den militärischen Fähigkeiten des Landes. Die Ukraine habe „eines der wichtigsten militärischen Verteidigungssysteme der Welt aufgebaut“, so Karp. Er teile den Pessimismus vieler nicht: „Jede Person, mit der wir zu tun hatten, glaubt, dass sie den Krieg gewinnen wird. Sie sind sehr optimistisch.“

„Ein Betriebssystem für den Krieg“

Karp beschrieb die Palantir-Software als „Betriebssystem für den Krieg“. Ähnlich wie Unternehmen Betriebssysteme nutzten, habe die Ukraine „eines für das moderne Schlachtfeld“ entwickelt. Die Ukraine steuere das Schlachtfeld wie ein Technologieunternehmen seine Kundschaft, nur dass es um andere Fragen gehe: „Wie viele russische Soldaten sterben pro Quadratkilometer? Und warum und wie und welche Einsatzmittel wurden verwendet und was hat funktioniert und was nicht?“ Dies gehe „bis hinunter auf die Ebene einzelner Einheiten“.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Karp wirbt für ukrainische Technologien

Der Palantir-CEO warb dafür, dass europäische Staaten die erprobten ukrainischen Technologien kaufen. Dies tue er „ohne nennenswertes Eigeninteresse“. Er fragte: „Welche Produkte wird Europa kaufen, um sich zu verteidigen? Werden sie Produkte kaufen, die in PowerPoint-Präsentationen getestet wurden? Oder werden sie die Produkte kaufen, die im Alleingang eine große Militärmacht aufhalten?“ Das Schlachtfeld sei „der unerbittlichste Ort der Welt“, um die Funktionalität zu testen.

Kein Zugriff auf ukrainische Daten

Karp betonte, dass Palantir keinen Zugriff auf ukrainische Daten habe. Auch wenn das Militär Teile der Software nutze, sei der Code größtenteils selbst geschrieben und unter eigener Kontrolle. „Wir haben keinen Zugriff darauf. In diesem Sinne gibt es aus meiner Sicht kein Souveränitätsproblem“, erklärte er.

Verwunderung über deutsche Skepsis

Karp, der in Deutschland studiert hat und fließend Deutsch spricht, zeigte sich kritisch gegenüber der deutschen Ablehnung. Palantir-Software komme auf jedem relevanten Schlachtfeld der Welt zum Einsatz – „dafür gibt es einen Grund“. Gleichzeitig äußerte er Verständnis dafür, dass Deutschland und andere Länder „autonome Systeme haben wollen“. Dennoch wunderte er sich über die Skepsis, auch weil sein Mitgründer Peter Thiel gebürtig aus Deutschland stamme.

Kritik an Deutschland

Karp sagte: „Wenn wir Franzosen wären, hätten die Franzosen uns gezwungen, französische Pässe zu haben, nur Französisch zu sprechen und unseren Namen in ‚Falantir‘ zu ändern.“ Er verstehe nicht, warum Deutschland glaube, auf die Expertise seines Unternehmens verzichten zu können. Die kritischen Debatten in Deutschland klängen für ihn „als würde man über Hexerei sprechen“. Er fragte: „Wie hätte Deutschland jemals nach dem Zweiten Weltkrieg seine Produkte verkaufen können, wenn es damals auf diese Weise über Dinge gedacht hätte?“

Sorgen um europäische Rüstungsausgaben

Karp äußerte sich kritisch über die massiven Rüstungsinvestitionen in Europa: „Wenn ich mir die Ausgaben in Europa ansehe, mache ich mir große Sorgen, dass zu viel davon von Menschen verteilt wird, die keine Ahnung haben, wie man es sinnvoll einsetzt.“ Dies schaffe verfestigte Interessen von Leuten, die technisch unterlegene, nicht funktionierende Lösungen produzierten, die aber politisch stark seien. Dies sei „einer der großen Vorteile der Ukraine“ gewesen: „Sie hatten nichts.“

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration