Historischer Machtwechsel in Bangladesch: Rahman nach 17 Jahren Exil an der Spitze
Bangladesch hat nach eineinhalb Jahren ohne gewählte Regierungsspitze wieder einen demokratisch legitimierten Ministerpräsidenten. Am Dienstag legte der 60-jährige Tarique Rahman in der Hauptstadt Dhaka seinen Amtseid ab und übernahm damit die Führung des südasiatischen Landes.
Wahlsieg der rechtskonservativen BNP
Der Vorsitzende der Nationalistischen Partei Bangladeschs (BNP) hatte vergangene Woche die Parlamentswahl deutlich für sich entschieden. Seine rechtskonservative Partei setzte sich dabei gegen die größte islamistische Kraft des Landes, die Bangladesh Jamaat-e-Islami, durch. Rund 128 Millionen Wahlberechtigte hatten bei der vorgezogenen Abstimmung die Möglichkeit, ihre Stimme abzugeben.
Besonders bemerkenswert: Rahman war erst im Dezember 2025 nach 17 Jahren im Exil aus London in seine Heimat zurückgekehrt. Nun folgt er auf Friedensnobelpreisträger Muhammad Yunus, der als Interimsregierungschef die Amtsgeschäfte geführt hatte.
Sohn einer politischen Dynastie übernimmt Macht
Der neue Regierungschef entstammt einer der einflussreichsten politischen Familien Bangladeschs. Er ist Sohn der früheren Ministerpräsidentin Khaleda Zia und des ehemaligen Präsidenten Ziaur Rahman. Jahrzehntelang prägte die erbitterte Fehde zwischen der Zia-Familie und der gestürzten Ministerpräsidentin Sheikh Hasina die politische Landschaft des Landes – wichtige Reformvorhaben blieben dabei häufig auf der Strecke.
Präsident Mohammed Shahabuddin nahm neben Rahman auch 25 neuen Ministern den Amtseid ab, womit die neue Regierung ihre Arbeit aufnehmen kann.
Test für die Demokratie nach turbulenten Jahren
Die vorgezogene Wahl galt als entscheidender Test, ob in dem muslimisch geprägten Land mit rund 170 Millionen Einwohnern ein geordneter demokratischer Machtwechsel möglich ist. Hintergrund sind die turbulenten Ereignisse des Jahres 2024: Nach Massenprotesten und blutigen Zusammenstößen, bei denen Hunderte Menschen ihr Leben verloren, floh die autoritär regierende Sheikh Hasina Anfang August 2024 nach Indien, wo sie seitdem im Exil lebt.
In seiner ersten Stellungnahme nach dem Wahlsieg erklärte Rahman die Aufrechterhaltung von „Recht und Ordnung“ zu seinem vorrangigen Regierungsziel. Die internationale Gemeinschaft beobachtet die politische Entwicklung in Bangladesch nun mit besonderer Aufmerksamkeit, nachdem das Land jahrelang von politischer Instabilität und gewaltsamen Auseinandersetzungen geprägt war.
Die Rückkehr Rahmans aus dem langjährigen Exil und seine Vereidigung markieren einen historischen Wendepunkt in der politischen Geschichte Bangladeschs. Ob es dem neuen Ministerpräsidenten gelingen wird, die tiefen politischen Gräben im Land zu überwinden und dringende Reformen umzusetzen, bleibt abzuwarten.



