Münchner Sicherheitskonferenz 2026: Rekorddemo gegen iranisches Regime
Vom 13. bis 15. Februar 2026 findet im Münchner Hotel Bayerischer Hof die 62. Münchner Sicherheitskonferenz statt. Das wichtigste internationale Forum für Sicherheits- und Außenpolitik versammelt Spitzenpolitiker und Experten aus aller Welt. Parallel dazu entwickelt sich auf der Theresienwiese eine der größten Demonstrationen der jüngeren Geschichte.
Über 80.000 Teilnehmer bei Iran-Protest
Kurz nach 13 Uhr haben sich laut Polizeiangaben bereits 80.000 Menschen auf der Theresienwiese eingefunden. Da weiterhin Tausende auf das Wiesengelände strömen, erscheint die ursprünglich angemeldete Zahl von 100.000 Teilnehmern durchaus realistisch. Trotz der enormen Menschenmenge verläuft die Veranstaltung bislang friedlich. Die Polizei meldet lediglich einige Verstöße gegen Flugbeschränkungen durch Drohnenüberflüge.
Bereits zum offiziellen Beginn um 12 Uhr war eine große Anzahl Demonstrierender vor Ort. Ein Fahnenmeer aus verschiedenen Iran-Flaggen dominiert das Bild – wobei die aktuelle Flagge des iranischen Regimes bewusst fehlt. Vereinzelt sind auch Flaggen Israels und der USA zu sehen. Die Sprechchöre der Demonstranten richten sich klar gegen das Mullah-Regime: „Weg weg weg – die Mullahs müssen weg“ skandiert ein Redner von der Bühne.
Hoffnungen auf Reza Pahlavi
Viele der Demonstranten zeigen auf Plakaten das Gesicht von Reza Pahlavi, dem Sohn des letzten Schahs. Der im Exil lebende Pahlavi hat zu dieser Demonstration aufgerufen – zeitgleich finden ähnliche Proteste in Los Angeles und Toronto statt. Während einige Exilgruppen seine Führungsrolle kritisieren, sehen viele auf der Theresienwiese in ihm die pragmatische Chance gegen das iranische Regime.
Vahdan Najian, eine 61-jährige Aktivistin aus Düsseldorf, erklärt: „Ich lebe seit 48 Jahren in Europa und bin seither Aktivistin. Über 100.000 Leute stecken noch in den Gefängnissen im Iran – werden gefoltert und getötet. Unsere Hoffnungen ruhen auf Pahlavi.“ Auch Hamed Danyali, der extra aus Manchester angereist ist, betont: „40.000 Menschen wurden abgeschlachtet. Wir brauchen Hilfe von außerhalb – der Sohn des Schahs ist unser Anführer.“
Politische Reden auf der Sicherheitskonferenz
Während auf der Theresienwiese demonstriert wird, halten im Bayerischen Hof die politischen Reden die Teilnehmer in Atem. US-Außenminister Marco Rubio setzt überraschend versöhnliche Töne: „Die USA und Europa gehören zusammen. Wir sind Teil einer Zivilisation, der westlichen Zivilisation.“ Gleichzeitig verteidigt er die Politik von US-Präsident Trump und kritisiert unkontrollierte Migration sowie Klimaschutzbeschränkungen.
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) spricht von einer „tiefen Kluft“ zwischen USA und Europa und fordert einen Neustart des transatlantischen Bündnisses. In einem bemerkenswerten Schritt hat Merz zudem mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron über einen möglichen europäischen Atomschirm gesprochen – ein Thema, das bereits 2020 während Trumps erster Amtszeit aufkam.
Verkehrseinschränkungen und weitere Proteste
Die zahlreichen Demonstrationen bedeuten erhebliche Einschränkungen für München:
- Rund um den Promenadeplatz gelten zwei Sicherheitsbereiche bis Sonntag, 15 Uhr
- Tram-Linien 19 und 21 werden umgeleitet, mehrere Haltestellen fallen aus
- Das Kreisverwaltungsreferat empfiehlt die Nutzung von U- und S-Bahn
Neben der Großdemo auf der Theresienwiese finden am Samstag zahlreiche weitere Proteste statt:
- Kundgebung des Bündnisses gegen die Sicherheitskonferenz zwischen Marienplatz und Stachus (4.000 erwartete Teilnehmer)
- Protest auf dem Odeonsplatz unter dem Motto „Macht Frieden! Nein zur Münchner Kriegskonferenz“
- Demonstration auf dem Max-Joseph-Platz für ein „Starkes Europa zusammen mit der Ukraine“ (3.000 Teilnehmer)
- Mahnwache der „Omas gegen Rechts“ auf dem Sendlinger-Tor-Platz
Kurioses und Persönliches
Zwischen den ernsten politischen Gesprächen gibt es auch leichtere Momente: Siko-Gastgeber Wolfgang Ischinger veräppelt Emmanuel Macron, indem er eine verspiegelte Sonnenbrille aufsetzt – eine Anspielung auf Macrons Auftritt in Davos. Auch Gloria Burkandt, Tochter von Bayerns Ministerpräsident Markus Söder, ist vor Ort und postet auf Instagram über die Bedeutung der Konferenz.
Ein besonderes Kuriosum: Die Sicherheitskonferenz dient als Kulisse für Dreharbeiten eines neuen Münchner „Tatort“, in dem die Kommissare einen Mordfall auf dem streng gesicherten Konferenzgelände aufklären müssen.
Die Münchner Sicherheitskonferenz 2026 zeigt sich damit als Schauplatz sowohl hochrangiger diplomatischer Gespräche als auch massenhafter zivilgesellschaftlicher Proteste – ein Spiegelbild der komplexen sicherheitspolitischen Lage in einer unruhigen Welt.



