Umstrittener Staatsbesuch: Syriens Machthaber al-Scharaa in Berlin empfangen
Berlin – Mit protokollarischen Ehren wurde der syrische Machthaber Ahmed al-Scharaa am Montag in der deutschen Hauptstadt empfangen. Der 43-Jährige, der nach dem Sturz des Assad-Regimes im Dezember 2024 die Macht in Syrien übernommen hat, traf zunächst Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier vor Schloss Bellevue, bevor es weiter ins Kanzleramt zu Bundeskanzler Friedrich Merz ging. Der umstrittene Gast, einst als Abu Mohammed al-Dscholani bekannt und Anführer der al-Nusra-Front, präsentierte sich in Berlin jedoch in neuem Gewand: Statt Kampfanzug trägt er nun Anzug, sein Bart ist deutlich kürzer geschnitten.
Wiederaufbauhilfe und diplomatische Normalität
Hinter dem Besuch steht ein klares Ziel al-Scharaas: Der syrische Machthaber sucht dringend benötigte finanzielle Unterstützung für den Wiederaufbau seines vom Bürgerkrieg zerstörten Landes. Die Bilder mit Steinmeier und Merz sollen dabei helfen, den Eindruck normaler diplomatischer Beziehungen zu vermitteln. Zwischen den politischen Terminen fand zudem ein deutsch-syrisches Wirtschaftstreffen im Auswärtigen Amt statt – ganz wie bei einem regulären Staatsbesuch.
Regierungssprecher Stefan Kornelius verteidigte die Einladung: „Es ist sehr wichtig, sich mit den Führern dieser Region auszutauschen. Wir haben dort Interessen.“ Syrien solle stabil und prosperierend aufgebaut werden, wobei auch syrische Flüchtlinge in Deutschland eine Rolle spielen könnten. Die Bundesregierung betonte jedoch, die Menschenrechtslage anzusprechen.
Heftige Kritik an protokollarischer Aufwertung
Der Empfang stieß auf massive Kritik verschiedener Gruppen. Die Kurdische Gemeinde Deutschland beklagte eine „protokollarische Aufwertung“ eines Mannes, der für Kriegsverbrechen verantwortlich sei. Die Linkspartei sprach von einem „moralischen Bankrott“. Kritiker werfen der Bundesregierung vor, einen Machthaber mit blutiger Vergangenheit zu sehr zu hofieren.
Ahmed al-Scharaa residiert während seines Berlin-Aufenthalts im Fünf-Sterne-Hotel Ritz-Carlton in Berlin-Mitte. Am Nachmittag war eine gemeinsame Pressekonferenz mit Bundeskanzler Merz geplant, bei der die kontroverse Visite weiter im Fokus stand.



