Verhandlungsmarathon ohne Ergebnis: USA und Iran finden keinen Weg zum Frieden
Nach wochenlangen kriegerischen Auseinandersetzungen sind die hochrangigen Friedensgespräche zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran in der pakistanischen Hauptstadt Islamabad ergebnislos zu Ende gegangen. Die 21-stündigen Verhandlungen, die große Hoffnungen auf eine diplomatische Lösung des Konflikts geweckt hatten, konnten keine Einigung in den zentralen Streitfragen erzielen. Die Frage, ob die gegenseitigen Angriffe nun wieder aufflammen, steht im Raum.
Die unüberbrückbaren Differenzen
US-Vizepräsident JD Vance, der die amerikanische Delegation leitete, äußerte sich zurückhaltend zu den konkreten Knackpunkten. Er betonte jedoch, dass der Iran keine grundlegende Verpflichtung zur langfristigen Aufgabe von Atomwaffenambitionen gezeigt habe – eine Kernforderung Washingtons. Aus iranischer Perspektive verhinderten zwei zentrale Themen eine Einigung. Ismail Baghai, Sprecher des iranischen Außenministeriums, erklärte, die Positionen seien zu weit auseinandergelegen, auch wenn man sich in anderen Bereichen geeinigt habe.
Medienberichten zufolge entzündete sich der größte Streit an der Kontrolle der strategisch vitalen Straße von Hormus. Der Iran beansprucht die Herrschaft über diese für den globalen Energiehandel entscheidende Meerenge zwischen Persischem Golf und Golf von Oman und plant die Einführung eines Mautsystems. Die USA fordern dagegen eine freie und sichere Durchfahrt für Schiffe ohne Gebühren – wie vor Kriegsbeginn. Die Öffnung der faktisch blockierten Meerenge stellt neben der Verhinderung einer iranischen Atombombe ein zentrales amerikanisches Anliegen dar.
Diplomatische Türen bleiben einen Spalt offen
Trotz des Rückschlags schließen beide Seiten weitere Verhandlungen nicht aus. Vance teilte mit, man habe dem Iran ein Angebot mit einem konkreten Vorschlag hinterlassen, dessen Inhalt jedoch unklar bleibt. Baghai betonte, die Diplomatie ende nie und ließ die Möglichkeit weiterer Gespräche offen. Experten bewerten die Situation differenziert.
Bente Scheller, Nahost-Expertin der Heinrich-Böll-Stiftung, erklärte im Deutschlandfunk, beide Seiten hätten Maximalforderungen gestellt. Dennoch sei noch nichts in Stein gemeißelt. Die vereinbarte zweiwöchige Waffenruhe biete Zeit für weitere Verhandlungen. Der Politikwissenschaftler Nico Lange schrieb auf X, ein sofortiger „Deal“ beim ersten Treffen sei nicht erwartbar gewesen; im besten Fall habe man den Einstieg in einen längeren, zähen Prozess geschafft.
Sicherheitsexperte Peter Neumann sieht die Verhandlungen nicht als endgültig gescheitert an. Er warnte jedoch, es reiche nicht aus, der Gegenseite Bedingungen diktieren zu wollen. Wenn die Amerikaner die Öffnung der Straße von Hormus und eine dauerhafte Lösung für das Atomprogramm erreichen wollten, müssten sie dem Iran in bestimmten Fragen entgegenkommen. „Fest steht: Die USA haben sich mit ihrem Krieg in eine ungünstige strategische Lage manövriert“, so Neumann. Verlierer seien zudem die iranischen Demokratinnen und Demokraten.
Der saudische Nachrichtenkanal Al-Arabija analysiert die Situation als Spiel auf Zeit. Sowohl die USA als auch der Iran wollten Zeit gewinnen, um strategische und taktische Fehler zu korrigieren und sich militärisch sowie politisch neu zu positionieren. „Beide brauchen eine Verschnaufpause und eine Kampfpause“, heißt es in der Analyse.
Droht die Wiederaufnahme der Kampfhandlungen?
Vermittler Pakistan appellierte an beide Konfliktparteien, die für zwei Wochen vereinbarte Waffenruhe dennoch einzuhalten. Bislang wurde diese weitgehend respektiert. Umstritten bleibt jedoch, ob sie auch für den Libanon gilt, wo Israel und die proiranische Hisbollah-Miliz kämpfen. Teheran bejaht dies, während die USA und Israel dies verneinen.
Nach einem verheerenden israelischen Großangriff am Mittwoch mit Hunderten Toten ließ die Intensität der Gefechte vorübergehend nach. Neue israelische Angriffe könnten die brüchige Waffenruhe jedoch gefährden. US-Präsident Donald Trump hatte vor den Gesprächen neue Angriffe für den Fall eines Scheiterns angedroht. Nach dem Ende der Verhandlungen deutete er auf Truth Social alternative Optionen an, indem er einen Artikel über eine mögliche Seeblockade gegen den Iran teilte.
Israel signalisierte bereits seine Bereitschaft zur Wiederaufnahme des Krieges gemeinsam mit den USA. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu erklärte am Samstagabend, die Kampagne im Iran sei noch nicht beendet. Der israelische Kan-Sender berichtete unter Berufung auf einen hochrangigen Regierungsvertreter, dass ein möglicher Schlag gegen den Iran „umfassend“ sein und sich auf nationale Infrastruktur, einschließlich Energie- und Ölanlagen, konzentrieren würde. Israel habe Trump seine Forderungen übermittelt, darunter die Beschränkung des iranischen Atom- und Raketenprogramms.
Die angespannte Lage in der Straße von Hormus
Noch während der Verhandlungen in Pakistan eskalierte die Situation um die strategische Meerenge. Das US-Regionalkommando Centcom kündigte einen Marineeinsatz zur Räumung von Seeminen an. Zwei Zerstörer passierten die Straße von Hormus und sind im Arabischen Golf im Einsatz. Trump bestätigte den Einsatz von Minensuchbooten. Die iranischen Revolutionsgarden hatten zuvor einen Bereich der Meerenge als Gefahrenzone deklariert und vor Minen in Schifffahrtsrouten gewarnt.
Die iranische Seite wies die Berichte in der Nacht zu Sonntag zurück und betonte, jeder Versuch von Militärschiffen, die Straße zu passieren, werde auf entschiedenen Widerstand stoßen. Die Durchfahrt sei gemäß geltenden Bestimmungen ausschließlich zivilen Schiffen gestattet. Webkarten von Schiffsbeobachtungsdiensten wie Vesselfinder zeigen, dass der Verkehr in der Straße von Hormus weiterhin stark eingeschränkt ist.
Der Verband Deutscher Reeder bestätigte am Sonntag, dass der Handelsverkehr in der Meerenge weitgehend ruht. Der Verband fordert die Bundesregierung auf, die Sicherung freier Seewege zu unterstützen. Nach Schätzungen des dänischen Sicherheitsunternehmens Risk Intelligence passierten bis Donnerstagabend lediglich 17 Schiffe die Straße – möglicherweise liegt die Zahl höher, da einige Schiffe ohne Positionsdaten durchfuhren. Das aktuelle Verkehrsaufkommen beträgt weniger als zehn Prozent des üblichen Volumens.



