Nachfolge von António Guterres: Vier Kandidaten im Rennen um Uno-Generalsekretär
Vier Kandidaten für Uno-Generalsekretär nach Guterres

Das Rennen um die Nachfolge von António Guterres als Uno-Generalsekretär

Ende des Jahres 2026 wird eine Ära bei den Vereinten Nationen zu Ende gehen: Der Portugiese António Guterres tritt nach zwei vollen Amtszeiten als Uno-Generalsekretär zurück. Sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin übernimmt eine Organisation, die vor gewaltigen Herausforderungen steht. In einer zunehmend gespaltenen Welt, in der Multilateralismus unter Beschuss steht, muss die Uno ihre Rolle als globale Friedens- und Koordinationsinstanz neu definieren und stärken.

Die Herausforderungen für den nächsten Uno-Chef

Der neue Generalsekretär übernimmt ein Amt mit historischen Belastungen und aktuellen Krisen. Kriege, humanitäre Katastrophen und die Klimakrise verlangen nach international koordinierten Lösungen. Gleichzeitig steht die Uno selbst unter finanziellen Druck, insbesondere durch Budgetkürzungen der USA. Die Organisation muss sich reformieren, um handlungsfähig zu bleiben. Der nächste Amtsinhaber muss nicht nur diplomatisches Geschick beweisen, sondern auch die interne Struktur der Uno modernisieren und ihre Glaubwürdigkeit in einer skeptischen Welt wiederherstellen.

Die vier Kandidaten im Detail

Vier Bewerber haben sich für die Nachfolge von Guterres positioniert. Sie stellen sich aktuell in New York den Fragen der 193 Uno-Mitgliedsstaaten. Das Auswahlverfahren folgt einer informellen Regionalrotation – diesmal wäre Lateinamerika an der Reihe, doch diese Regel ist nicht bindend.

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Rafael Grossi (65, Argentinien): Der derzeitige Chef der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) gilt als erfahrener Diplomat. Seine Pendelmissionen in internationalen Krisen, insbesondere seine Vermittlung im Atomkonflikt mit Iran und die Stationierung von IAEA-Inspektoren im ukrainischen Atomkraftwerk Saporischschja, haben sein Profil geschärft. Kritiker werfen ihm vor, sein Amt für den Wahlkampf instrumentalisiert zu haben. Grossi spricht vier Sprachen und hat jahrelang um die Unterstützung der fünf ständigen Sicherheitsratsmitglieder geworben.

Rebeca Grynspan (70, Costa Rica): Die Ökonomin und ehemalige Vizepräsidentin Costa Ricas könnte als erste Frau an die Spitze der Uno gelangen. Als Vorsitzende der Welthandels- und Entwicklungskonferenz (UNCTAD) bezeichnet sie sich als reformorientierte Multilateralistin. Ihr Führungsstil wurde durch ihre Pionierrolle als erste Frau an der Spitze von UNCTAD geprägt. Grynspan betont die Vereinbarkeit von Familie und Beruf und will eine agilere Uno gestalten, ohne deren Kernwerte zu opfern.

Michelle Bachelet (74, Chile): Die ehemalige chilenische Präsidentin und frühere Uno-Hochkommissarin für Menschenrechte bringt umfangreiche politische Erfahrung mit. Ursprünglich von Chile, Brasilien und Mexiko nominiert, verlor sie jedoch die Unterstützung ihrer Heimatregierung unter dem rechtspopulistischen Präsidenten José Antonio Kast. Bachelets Engagement für Frauenrechte und Abtreibungsrechte macht sie zur kontroversen Figur, insbesondere bei US-Konservativen.

Macky Sall (64, Senegal): Der ehemalige senegalesische Präsident ist der einzige afrikanische Kandidat. Als Sohn eines Erdnussverkäufers hat er sich aus einfachen Verhältnissen hochgearbeitet. Sall betont seine Erfahrung als Staatsoberhaupt und setzt sich für eine Reform des Uno-Sicherheitsrats ein, um Entwicklungsländern mehr Einfluss zu verschaffen. Seine Kandidatur stößt in Afrika nicht auf einheitliche Unterstützung – sowohl sein Heimatland Senegal als auch Nigeria verweigern ihm die Rückendeckung.

Das Auswahlverfahren: Geheimdiplomatie hinter verschlossenen Türen

Die öffentlichen Befragungen der Kandidaten sind nur der erste Schritt. Die eigentliche Entscheidung fällt hinter verschlossenen Türen im Uno-Sicherheitsrat, wo die fünf Veto-Mächte – USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich – den entscheidenden Einfluss haben. Erst nach ihrer Einigung stimmt die Generalversammlung formal ab. Dieser intransparente Prozess wird seit Jahren kritisiert. Der frühere Generalsekretär Ban Ki-moon schlug kürzlich vor, die Amtszeit auf sieben Jahre zu verlängern, um die Unabhängigkeit des Amtsinhabers von den Veto-Mächten zu stärken.

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Das Vermächtnis von António Guterres

Guterres übernahm das Amt 2017 in turbulenten Zeiten und führte die Uno durch die Coronapandemie und eine schwere Budgetkrise. Für sein letztes Amtsjahr kündigte er drastische Kürzungen an: Das Budget soll um 15 Prozent, die Mitarbeiterzahl um fast 20 Prozent reduziert werden. Trotz dieser Herausforderungen erntet Guterres international Anerkennung für sein Engagement und seine diplomatische Führung. Sein Nachfolger wird auf diesem Fundament aufbauen müssen, während er gleichzeitig neue Wege für die Vereinten Nationen im 21. Jahrhundert finden muss.

Das Rennen um die Guterres-Nachfolge bleibt bis zuletzt spannend. Bis Herbst 2026 wird sich zeigen, wer die historische Verantwortung übernimmt, die Vereinten Nationen durch eine der schwierigsten Phasen ihrer Geschichte zu führen.