Wolfgang Kubicki: Ehefrau gab erst nach langem Gespräch grünes Licht für FDP-Kandidatur
Berlin – Hinter den Kulissen der FDP spielte sich zu Ostern ein bemerkenswertes Ehe-Drama ab. Der 74-jährige FDP-Urgestein Wolfgang Kubicki wollte noch einmal ganz nach oben streben – doch zunächst stand ihm ausgerechnet seine eigene Ehefrau Annette Marberth-Kubicki im Weg. Am Ostersonntag machte der Liberale seine Kandidatur für den Parteivorsitz öffentlich, doch der Weg dorthin gestaltete sich als wahrer Ehe-Marathon.
Stundenlange Diskussionen am Karfreitag
„Das Gespräch zog sich im Grunde über den gesamten Karfreitag, von morgens bis abends“, verrät Kubicki in einem Interview. Eigentlich hatten die beiden ganz andere Pläne für ihre gemeinsame Zukunft: „Unsere Lebensplanung sah ja wirklich anders aus, mit Urlauben und solchen schönen Dingen.“ Doch dann kam der politische Impuls, der alles verändern sollte.
Die erste Reaktion seiner Frau fiel eiskalt aus: „Ihre erste Reaktion war morgens: auf keinen Fall! Und dann fiel noch dieser schlimme Satz: Du bist auch nicht mehr der Jüngste.“ Eine deutliche Abfuhr, die Kubicki jedoch nicht entmutigte.
Vom Widerstand zur Zustimmung
Bereits wenige Stunden später zeichnete sich eine Wende ab. „Mittags fragte sie dann schon: Glaubst du wirklich, dass du das schaffen könntest?“ Seine Antwort ließ an Selbstbewusstsein keinen Zweifel: „Wenn ich das nicht glauben würde, dann würde ich es nicht machen, ich bin ja kein Idiot“, so Kubicki gegenüber dem „Spiegel“.
Am Abend folgte dann die entscheidende Wende – fast schon ein kleines Ehe-Drama mit Happy End: „Ich weiß genau, wenn ich dir jetzt sagen würde, du machst es nicht, dann machst du es auch nicht, läufst aber wie ein begossener Pudel durch die Gegend und denkst, du hast die FDP im Stich gelassen.“ Kubicki ergänzt: „Und das wollte sie dann auch nicht. Da war die Entscheidung gefallen.“
FDP in schwieriger Lage
Die Liberalen befinden sich derzeit in einer äußerst prekären Situation: Nach der Bundestagswahl 2025 sind sie aus dem Parlament ausgeschieden, bei Landtagswahlen erleiden sie regelmäßig schwere Verluste, und aktuelle Umfragen sehen die Partei bei nur drei bis vier Prozent. Mehr als 70 Prozent der Deutschen glauben laut Yougov nicht an ein Comeback der FDP.
Trotz dieser düsteren Aussichten greift Kubicki an – und richtet dabei deutliche Worte an seinen Mitbewerber Henning Höne (39): „Ich hätte nicht kandidiert, wenn ich Henning Höne zugetraut hätte, dieses Problem in der sehr kurzen Zeit, die wir haben, zu durchbrechen.“ Weiter führt er aus: „Damit die Menschen Ihnen zuhören, müssen Sie bekannt sein. Das fehlt ihm derzeit noch.“
Bewegung in der Parteispitze
Auch innerhalb der FDP-Spitze gibt es Veränderungen: Der amtierende Parteichef Christian Dürr (48) tritt nicht mehr für den Vorsitz an. Marie-Agnes Strack-Zimmermann (68) erhält von Kubicki gleich noch einen Seitenhieb: „Sie traut sich ja leider nicht, gegen mich anzutreten.“
Die Kandidatur von Wolfgang Kubicki markiert einen entscheidenden Moment für die geschwächte FDP. Ob der 74-Jährige mit seiner Erfahrung und seinem Kampfgeist die Partei aus der Krise führen kann, bleibt abzuwarten. Sicher ist jedoch, dass er für diesen Schritt zunächst die Zustimmung seiner Ehefrau erkämpfen musste – ein Prozess, der sich über einen ganzen Karfreitag erstreckte und die persönlichen Dimensionen politischer Entscheidungen deutlich macht.



