Waffenruhe endet Mittwoch: Droht die Rückkehr der Bomben im Iran-Krieg?
Die Uhr tickt unaufhaltsam. Am Mittwochabend, Washingtoner Zeit, läuft die von US-Präsident Donald Trump (79) am 7. April verkündete Waffenruhe zwischen den Vereinigten Staaten und dem Iran-Regime aus. In mitteleuropäischer Zeit bedeutet dies den Übergang von Mittwoch auf Donnerstag. Die entscheidende Frage, die sich nun stellt: Wird der Krieg im Nahen Osten mit unverminderter Brutalität fortgesetzt, oder können letzte diplomatische Bemühungen doch noch eine Entspannung herbeiführen?
Trump signalisiert wenig Hoffnung auf Verlängerung
In einem Telefoninterview am Dienstag betonte Trump, es sei „höchst unwahrscheinlich, dass ich sie verlängere“. Eine genaue Uhrzeit für das Auslaufen der Frist nannte er nicht, verwies jedoch auf den Mittwochabend nach Washingtoner Zeit. Sollten die US-Forderungen bis dahin nicht erfüllt werden, drohte er im Sender PBS mit den Worten: „Werden viele Bomben explodieren.“ Auf seiner Plattform „Truth Social“ bekräftigte er, nicht unter Druck zu stehen, und kritisierte Medien für angebliche „Fake News“.
Neue Verhandlungen in Islamabad als letzte Chance
Nachdem Gespräche vor etwas mehr als einer Woche in Pakistan ergebnislos blieben und sich beide Seiten gegenseitig Verstöße gegen die seit dem 8. April geltende Feuerpause vorwarfen, gibt es einen neuen Anlauf. US-Vizepräsident JD Vance (41) soll noch am Dienstag nach Pakistan fliegen, um die abgebrochenen Friedensgespräche fortzusetzen. Lange war unklar, ob der Iran überhaupt einen Vertreter entsenden würde, da Teheran die US-Forderungen als „überzogen“ bezeichnete. Nun hat sich eine Wende abgezeichnet: Der iranische Parlamentspräsident Mohammed Bagher Ghalibaf (64) wird am Mittwoch in Islamabad erwartet.
Knackpunkte und Drohkulisse
Die Blockade der strategisch wichtigen Straße von Hormus stellt eines der drängendsten Streitthemen dar. Nach einer vorübergehenden Öffnungserklärung des iranischen Außenministers Abbas Araghtschi am Freitag zogen die Revolutionsgarden diese zurück, da die USA die Kontrolle über den Schiffsverkehr in der Meerenge beanspruchen. Ein weiterer Konfliktpunkt ist das Atommaterial, das der Iran nicht herausgeben will. Trump kündigte einen langwierigen Prozess an, um Uran aus dem Iran zu entfernen, und verwies auf US-Angriffe im Juni des vergangenen Jahres, die eine „komplette und totale Auslöschung“ der Atomanlagen bewirkt hätten.
Der Iran lässt indes nicht locker und behauptet, „neue Trümpfe auf dem Schlachtfeld“ zu haben. Zehntausende Soldaten sollen die Friedensgespräche in Islamabad schützen, während in Teheran Anhänger mobilisiert und Kinder aufgefordert werden, als „Märtyrer“ im Krieg gegen die USA zu dienen.
Auswirkungen auf Öl- und Benzinpreise
Die Hoffnung auf neue Friedensgespräche ließ die Ölpreise am Freitag stark sinken, doch am Montag erreichte das Rohöl wieder das vorherige Niveau. ING-Chefvolkswirt Carsten Brzeski (54) verglich die Situation an den Zapfsäulen mit einem Spielcasino oder einer Achterbahn: „Es kann jeden Moment bergab oder auch wieder bergauf gehen.“ Sollten die Gespräche positiv verlaufen oder der Waffenstillstand über Mittwoch hinaus Bestand haben, könnte es bei den Spritpreisen zu einem leichten Rückgang kommen.
Bilanz der Kriegsopfer
Nach iranischen Regierungsangaben, die nicht unabhängig überprüfbar sind, sind bislang mehr als 3300 Menschen im Iran getötet worden. Das libanesische Gesundheitsministerium meldete 2290 Todesopfer im Konflikt zwischen Israel und der mit dem Iran verbündeten Hisbollah. In Israel sollen 23 Tote zu beklagen sein, in den arabischen Golfstaaten mehr als ein Dutzend. Israel hat zudem 15 getötete Soldaten gemeldet, das US-Militär bestätigte bislang 13 gefallene Soldaten.
Trump scheint ein Deal eigentlich lieber zu sein als neue Bomben auf das Iran-Regime, da der Krieg der Weltwirtschaft schadet und zu schlechten Umfragewerten im Inland führt. Hatte er vergangene Woche noch verkündet, man sei einer Einigung ganz nah, scheint er nun skeptischer. Die Blockade iranischer Häfen würde die USA nur im Falle eines Abkommens aufheben, wie Trump schrieb. Die kommenden Stunden werden zeigen, ob Diplomatie oder Eskalation die Oberhand behalten.



