Bürgermeister begrüßen „ihre“ Babys
„Mit der Teilnahme können wir zufrieden sein, mit der Geburtenrate nicht.“ Dieses Fazit zog der Amtsvorsteher des Amtes Jarmen-Tutow, Alt Tellins Bürgermeister Frank Karstädt, anlässlich des diesjährigen Neugeborenen-Empfangs. Die Kommunen der Region luden zum gemütlichen Neugeborenen-Empfang, müssen sich angesichts der Baby-Flaute aber wohl Sorgen um ihre Kindereinrichtungen und Schulen machen.
Kommunen richten Veranstaltung gemeinsam aus
Den richteten wie in den Vorjahren die Kommunen der Region wieder gemeinsam im städtischen Kulturzentrum von Jarmen aus. Bis auf Daberkows Oberhaupt waren sämtliche Bürgermeisterinnen und Bürgermeister zugegen, um „ihren“ Nachwuchs persönlich zu begrüßen. Die Gelegenheit dazu fiel allerdings recht unterschiedlich aus, weil es nicht nur aufgrund der Größe der einzelnen Gemeinden erhebliche Unterschiede gibt, sondern ebenso im Hinblick auf das örtliche Engagement in Sachen Fortpflanzung. Zudem nahmen längst nicht alle Familien an der Veranstaltung teil.
Im Vorjahr fiel die Resonanz sehr enttäuschend aus
Mit 13 waren es jedoch deutlich mehr als im Vorjahr, wo diese Zahl bei lediglich sieben lag. Was damals für eine kräftige Enttäuschung sorgte, schließlich hatten die Organisatoren wieder kleine Präsente mit Gutscheinen vorbereitet. Vom Kaffee und Kuchen für eine gemütliche Runde ganz zu schweigen. Die meisten der neuen Erdenbürger aus 2025 kamen mit ihren Müttern ins Kulturzentrum. Bei so einigen waren überdies die Väter dabei und bei manchen gleich noch Oma und Geschwister. Für letztere gab es extra Spielmöglichkeiten, und kindgerechte Musik gehörte ebenfalls zum Nachmittag.
Lange waren es immer 40 und mehr Babys
Andererseits konnten die höhere Resonanz und die gute Atmosphäre nicht darüber hinwegtäuschen, dass bei den gegenwärtigen Geburtenraten langsam aber sicher größere Sorgen auf die Lokalpolitik zukommen. Schließlich scheinen die Zeiten vorbei, als dort jedes Jahr 40 bis 50 Kinder oder gar mehr auf die Welt kamen. Mit nur 30 Babys gab es am mittleren Peene- und Tollensetal 2024 den absoluten Negativrekord seit der genauen Erfassung, und für die folgenden zwölf Monate vermeldete die Bilanz auch nur 31. Bleibe das Niveau so niedrig, schlage sich das bald in den ersten Kindereinrichtungen spürbar nieder, befürchtet der Amtsvorsteher.
Die Region verfügt über zwei Grundschulen
Später setze sich das in den Schulen fort – die in der Region zuletzt noch relativ gut dastanden. Immerhin gibt es mit Tutow und Jarmen zwei Grundschulen im Amtsbereich, letztere durchgängig zweizügig. Aber die Bürgermeister wissen eben, dass der Teiler für die Bildung einer neuen Klasse in Mecklenburg-Vorpommern im Durchschnitt bei 20 bis 22 Schülern liegt und eine Mindestzahl an Kindern von sieben pro Klasse angestrebt wird. Verschärfen könnte die Situation, dass nicht gerade wenige Familien aus Jarmen und Umgebung ihre Sprösslinge zum Unterricht nach außerhalb schicken.
Tutow hat eigene Baby-Prämie ausgelobt
„Wir müssen die Prämie wohl noch deutlich erhöhen“, kommentierte Tutows Gemeindechef Holger Schultz die Entwicklung. Er und seine Abgeordneten haben als erste in der Gegend eine Art lokales Elterngeld für die Familien beschlossen – Gutscheine im Wert von 200 Euro pro Baby. Zwar konnte der Bürgermeister gleich im Januar das erste dieser Präsente überbringen. Aber gerade seine Kommune, die mit eigener Kita und Grundschule aufwartet, steht in Sachen neue Erdenbürger ziemlich blank da. Obwohl sie mit an die tausend Einwohnern die bevölkerungsreichste nach Jarmen darstellt. Im Vorjahr gab es erneut nur zwei Geburten.
Bessere Zahlen aus Bentzin, Kruckow und Völschow
Das waren gerade mal genauso viele wie in Daberkow, der mit um die 340 Menschen kleinsten Gemeinde des Amtes. Alt Tellin verbuchte sogar lediglich ein Baby, Kruckow und Völschow jeweils fünf. In Bentzin landete der Klapperstorch siebenmal. Eine auch im Verhältnis zu Jarmen vergleichsweise gute Quote, wo es neun Kinder waren. Erschreckende Zahlen, wie es André Werner, der Bürgermeister der Peenestadt, ein paar Tage später beim jüngsten Fachtag Kultur des Landkreises im Kulturzentrum unumwunden einräumte. Die leider die Frage nach der Zukunftsfähigkeit der Kinder- und Bildungseinrichtungen aufwerfen könnten, falls sich die Lage nicht bald verbessere.
Jarmener Bürgermeister setzt auf Stromausfälle
Auch deshalb müsse alles getan werden, um den Nachwuchs der Region nach Schule und Ausbildung vor Ort zu halten und jungen Familien Anreize zum Bleiben beziehungsweise zur Ansiedlung zu bieten. Nicht umsonst richtete der Rathauschef beim jüngsten Jahresempfang seiner Kommune diesen dringlichen Appell ans Publikum: „Ich bitte darum, dass Stromausfälle echt besser genutzt werden. Denken Sie bitte nicht nur an Kerzen, wir brauchen mehr Kinder.“



