DDR-Frust sitzt tief: Leserstimmen zur Übernahme ohne Befragung
DDR-Frust: Leserstimmen zur Übernahme ohne Befragung

DDR-Frust sitzt tief: Leserstimmen zur Übernahme ohne Befragung

Die Diskussion über die deutsche Einheit, Anerkennung und verlorene Chancen ist auch Jahrzehnte nach dem Ende der DDR nicht beendet. Leserstimmen aus Ost und West machen deutlich, dass der Frust über die damalige Übernahme ohne Befragung noch immer tief sitzt. Der Beitrag "Nicht alles war schlecht: Ein Wessi widerspricht den gängigen DDR-Klischees" hat im Nordkurier für viel Wirbel gesorgt und zahlreiche Leserbriefe ausgelöst.

Vorurteile und Rechtfertigungsdruck

Christa Tresper, 77 Jahre alt und ehemalige DDR-Bewohnerin, äußert sich beeindruckt von den Aussagen von Georg Schramm. Sie betont, dass abstruse Gedanken in den Köpfen der Wessis existieren und diese auch offen ausgesprochen werden. Nach 23 Jahren in Leipzig, 30 Jahren in Neubrandenburg und 12 Jahren in Neustrelitz lebt sie seit 2013 aus familiären Gründen in Kiel. Dort wird sie hin und wieder mit Vorurteilen konfrontiert, was bei ihr das Gefühl auslöst, sich rechtfertigen zu müssen. Dieses Gefühl legt man wohl nie ganz ab, wie sie erklärt. Sie lobt die seriöse journalistische Darstellung solcher Meinungen in der Presse.

Soziale Sicherheit versus politische Einschränkungen

Frank Stromberg, Teil eines festen Freundeskreises seit über 30 Jahren, reflektiert über seine Erfahrungen. Trotz der Angst vor dem Klassenfeind, die wohl das Verdienst der DDR-Führung war, beschreibt er die Kindheit in der DDR als das Schönste, was man sich vorstellen kann. Es gab eine soziale Sicherheit, die auch jedes Kind spürte, und Existenzängste existierten nicht bei den Erwachsenen. Planungssicherheit für das eigene Leben war gegeben, nicht weil alles Entscheidende vom Staat abgenommen wurde, sondern weil beispielsweise das einmal verdiente Geld nie vom Staat angefasst werden würde und jeder einfach einen Termin beim Arzt bekam.

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Allerdings gibt es auch viel Schlechtes: keine freien Wahlen, die Staatssicherheit, keine Reisefreiheit und Pressefreiheit. Stromberg will die DDR nicht schönreden, betont aber, dass das Leben dort gut war, wenn man nicht aus den vorgegebenen Bahnen ausbrechen wollte. Die Wende ging dann alles zu schnell: "Wir wurden nur übernommen, niemand hat gefragt, alles wurde schnell abgewickelt." Besser wäre es gewesen, die DDR-Bürger zu fragen, was ihnen wirklich wichtig war.

Überheblichkeit und wirtschaftliche Folgen

Christian Fobo, 70 Jahre alt und mit je 35 Jahren Lebenserfahrung in DDR und BRD, lebt heute mit seiner Frau in Görlitz. Er kritisiert die Überheblichkeit der "ÜBERSTÜLPER" von 1990, die durch die Euphorie der D-Mark forciert wurde. Alles, was bunt war und glänzte, wurde als toll empfunden. Die Ernüchterung kam später, als die "Retter" die Wirtschaft ohne Not plattmachten. Ostdeutsche gelten im offiziellen Sprachgebrauch noch immer als faul, arbeitsunwillig und undankbar, hauptsächlich von Politikern, Medien und Leuten, die nie einen Fuß in den Osten gesetzt haben.

Fobo sieht eine gewollte Strategie, um von eigentlichen Problemen abzulenken. Seine Kinder, die aus Arbeitsgründen in den Westen gegangen sind, haben einen anderen Sprachgebrauch und meinen, dass die Generation der Alten erst aussterben muss. Der größte Fehler nach 35 Jahren ist, dass immer noch von den neuen Bundesländern gesprochen wird, während es nirgendwo ein BRD-Museum gibt. Deutschland ist ein schönes und lebenswertes Land, man muss es nur wollen.

Westkontakte und Negativbilder

Andreas Lorenz, fast 68 Jahre alt, hatte immer Westkontakt durch seinen Vater aus Rheinland-Pfalz und viel Verwandtschaft im Westen. Bei einem Besuch in Datteln vor drei Jahren war er entsetzt über das noch immer existierende Negativbild über die ehemalige DDR. Die Mangelwirtschaft wurde so dargestellt, dass Ostdeutsche Hunger leiden mussten, was er widerspricht: Sie brachten mehr auf den Tisch, wenn Westverwandtschaft kam. Er hat 31 Jahre DDR hinter sich und seine Erfahrungen gesammelt. Es hätte gut gehen können mit zwei Deutschlands, aber es war nicht so gewollt. Er wünscht sich nur, weiter in Demokratie leben zu können.

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