Demmin steht am 8. Mai ein Protesttag historischen Ausmaßes bevor. Die Polizei rechnet mit mehr Demonstranten als je zuvor in der Hansestadt. Grund ist der jährliche „Trauermarsch“ der rechtsextremen Partei „Die Heimat“ (früher NPD), gegen den das Aktionsbündnis 8. Mai Demmin mobil macht.
Bundesweite Werbung für Demo-Teilnahme
Die Organisatoren werben bundesweit für die Teilnahme. Im vergangenen Jahr beteiligten sich nach Polizeischätzungen etwa 3000, nach Angaben der Organisatoren mehr als 3500 Menschen. Damals gelang es Gegendemonstranten erstmals, den Marsch mit Sitzblockaden fast komplett zu stoppen. Die Polizei lenkte den Zug um zur Tollensebrücke, wo die Rechten ihre Kundgebung abhielten.
Baustelle verhindert Brückennutzung
In diesem Jahr ist die Brücke wegen einer Baustelle gesperrt. Zudem startet bereits am 7. Mai ein Aktionscamp im Industriegebiet Demmin-Meyenkrebs. „Geplant sind Workshops, Diskussionen und Trainings zu Antifaschismus, Erinnerungskultur und Strategien gegen rechte Mobilisierung“, erklären die Organisatoren. Das Camp bietet auch eine Übernachtungsmöglichkeit, sodass die Teilnehmer am Abend feiern können – in den Vorjahren war das kaum möglich.
Programm auf dem Barlachplatz
Das Aktionsbündnis 8. Mai startet sein Programm um 15 Uhr auf dem Barlachplatz mit einem „bunten Fest“ unter dem Motto „Wir feiern das Leben – gegen das Vergessen!“. Es gibt Aktionen, Informationsstände und Livemusik, unter anderem vom Demminer Posaunenchor. Das Bündnis „Zusammen bewegen“ lädt von 15 bis 18 Uhr zum „Klönschnack“ ein. „Viele sind verunsichert und haben das Gefühl, nicht gehört zu werden“, so eine Sprecherin. Ziel sei es, die Demokratie zu stärken und der Zivilgesellschaft mehr Gewicht zu geben.
Verkehrsbehinderungen in der Innenstadt
Um 17 Uhr beginnt die Demonstration ab Bahnhof Demmin. Mit Verkehrsbehinderungen in der gesamten Innenstadt ist ab diesem Zeitpunkt zu rechnen. Auch die Durchfahrt auf den Bundesstraßen wird bis 22 Uhr nur eingeschränkt möglich sein. Die Stadt führt um 10 Uhr eine Kranzniederlegung auf dem Barlachplatz durch, um 17 Uhr gibt es einen Gedenkgottesdienst in der Kirche St. Bartholomaei.
AfD fordert anderen Gedenktermin
Die AfD-Fraktion beteiligt sich nicht an der Kranzniederlegung am 8. Mai. Sie legte bereits am 30. April einen Kranz für die Opfer des Massensuizids nieder, der nach dem Einmarsch der Roten Armee 1945 stattfand. Die AfD appelliert an die Stadt, das Gedenken auf den 30. April oder 3. Mai zu verlegen, um eine „rechte und linke Vereinnahmung“ zu vermeiden. „Auf Krawalltouristen und ein ‚Partygedenken‘, das die damaligen Opfer verhöhnt, können wir getrost verzichten“, so die Fraktion.



