Großbrand im Nationalpark Böhmische Schweiz: Rund 500 Feuerwehrleute kämpfen im unwegsamen Gelände gegen die Flammen, während Hubschrauber unermüdlich Löschwasser abwerfen. Die Lage bleibt weiterhin angespannt.
Brandausbruch und erste Maßnahmen
Das Feuer war am Samstagnachmittag im Ortsteil Rynartice der Gemeinde Jetrichovice ausgebrochen, unweit der Grenze zu Sachsen. Bislang erfasste es eine Fläche von rund einem Quadratkilometer. Das unzugängliche Gelände bereitet den Einsatzkräften große Probleme. „Die Feuerwehrleute haben Schwierigkeiten, sich dort zu bewegen“, teilte ein Sprecher der Feuerwehr der Agentur CTK mit. Verletzte wurden bisher nicht gemeldet.
Unterstützung aus ganz Tschechien
Das betroffene Gebiet liegt im bei Touristen beliebten Nationalpark Böhmische Schweiz, der direkt an die Sächsische Schweiz grenzt. Die Feuerwehr rief eine Sonder-Alarmstufe aus. Die Zahl der Einsatzkräfte wurde im Laufe des Wochenendes auf rund 500 aufgestockt. Zudem sind sieben Hubschrauber im Einsatz, darunter mehrere Maschinen der tschechischen Armee. Jeder Helikopter kann rund 3.000 Liter Wasser transportieren. Auf einem Flugfeld wurde eine Wasser-Tankstelle für die Hubschrauber eingerichtet.
Altersheim in Gefahr
„Ich hoffe, dass uns die Situation nicht außer Kontrolle gerät“, sagte der Generaldirektor der tschechischen Feuerwehr, Vladimir Vlcek, im Sender CT. Das sei leider auch eine Frage der vorherrschenden Winde und Temperaturen sowie des brennbaren Materials im Wald. Nicht weit entfernt in Dolni Chribska befinde sich ein Altersheim. „Ich bin überzeugt, dass wir es so schützen können, dass eine Evakuierung nicht notwendig sein wird.“
Aus Prag machte sich ein Konvoi aus zehn Großtanklöschfahrzeugen auf den Weg nach Nordböhmen. Auch aus zahlreichen weiteren Regionen des Landes traf Unterstützung ein. Die Polizei sperrte Straßen und rief die Menschen auf, das Gebiet zu meiden und die Einsatzkräfte nicht zu behindern.
Brandursache und Gefahren
Nach Angaben der Feuerwehr brennt überwiegend Waldstreu, also eine Schicht aus herabgefallenen Blättern, Nadeln, Zweigen und Rinden auf dem Waldboden. Der Rauch war aus weiter Entfernung zu sehen. Über dem Waldbrand-Gebiet wurde eine Flugverbotszone eingerichtet, die auch für Drohnen gilt. Das tschechische Umweltministerium teilte mit, dass man die Lage intensiv beobachte. Man sei bereit, bei Bedarf einen Krisenstab aufzustellen.
Trockenheit und weitere Brände
Wegen der langanhaltenden Trockenheit warnt der staatliche Wetterdienst Tschechiens vor einer erhöhten Gefahr von Wald- und Flurbränden in weiten Teilen des Landes. Die Behörden appellieren an die Menschen, keine offenen Feuer zu entzünden oder Zigarettenkippen in den Wald zu werfen. In Nordböhmen musste die Feuerwehr am Wochenende noch gegen einen weiteren Waldbrand bei der Stadt Chrastava kämpfen. Die Flammen breiteten sich auf einer Fläche von rund 25 Hektar aus, konnten jedoch eingegrenzt und noch am Samstagabend gelöscht werden.
Erinnerungen an die Brandkatastrophe von 2022
Im Sommer 2022 war es zum bisher größten Waldbrand in der Geschichte des Nationalparks Böhmische Schweiz gekommen. Damals wurden mehr als 1.600 Hektar zerstört. Tausende Feuerwehrleute kämpften drei Wochen lang gegen die Flammen, die damals auch über die Grenze in die Sächsische Schweiz übersprangen. Die seit Dezember regierende neue Koalition unter dem Rechtspopulisten und Milliardär Andrej Babis plant erhebliche Kürzungen bei den Haushaltsmitteln für die vier tschechischen Nationalparks. Medienberichte sprechen von drohenden Einsparungen von bis zu 40 Prozent. Umweltminister Igor Cerveny, der der rechten Autofahrerpartei Motoristen für sich angehört, kündigte im Fernsehen an, erst am Dienstag ins Krisengebiet aufbrechen zu wollen.



