Gregor Gysi war zu Gast in Vorpommern und ließ in seinem Programm „Auf eine Currywurst mit Gregor Gysi“ im Theater Vorpommern in Greifswald kaum ein Thema aus. Der Linke-Politiker und Alterspräsident des Bundestags teilte kräftig in alle Richtungen aus – gegen US-Präsident Donald Trump, Kanzler Friedrich Merz und sogar gegen die DDR-Führung. Rund 300 Besucher, vornehmlich Studenten und Rentner, verfolgten das Gespräch mit Moderator Hans-Dieter Schütt bei fast vollem Haus. Gysi sprach über Politik, Anekdoten, gutes Frühstück und das Leben, aber auch über die ein oder andere rhetorische Spitze.
Gysi über Trump: Minderwertigkeitskomplexe
Gysi, der als Jurist viele Mandanten hatte, zog über Trump her: „Der leidet an Minderwertigkeitskomplexen, weil er bei den Frauen nicht so erfolgreich war, wie er sich ausgerechnet hat.“ Deshalb könne ihm kein Psychologe helfen, sondern nur eine Psychologin, scherzte Gysi. Auch die Regierung Merz sei überfordert: Der Kanzler blicke nur nach unten, statt nach oben.
Die Fake-Moschee der DDR
Eine besondere Anekdote erzählte Gysi von seinem Vater, dem DDR-Kulturminister. Der libysche Staatschef Gaddafi habe sich den Bau einer Moschee in der DDR gewünscht und Geld überwiesen. Als Gaddafi Jahre später erneut zu Besuch kam, musste die NVA kurzerhand ein Wasserpumpenwerk in Potsdam als Moschee herrichten. Teppiche wurden verlegt, aber ein Islam-Professor bemängelte, sie seien nicht nach Mekka ausgerichtet. Also wurden sie neu verlegt. Gaddafi fragte nie nach der Moschee, und die NVA baute alles zurück. Das Publikum quittierte die Geschichte mit schallendem Gelächter.
Gysis Forderungen für mehr Demokratie
Doch Gysi wurde auch ernst. „Man muss die Demokratie und die Rechtsstaatlichkeit attraktiver machen“, forderte er. Er schlug vor, der Justiz Fristen für Beschlüsse zu setzen, Bürgern mehr Mitsprache bei der Listenauswahl von Parteien zu geben und den Wahlzettel zu teilen. Viele Wähler wüssten nicht, dass sie Erst- und Zweitstimme unterschiedlich vergeben können. „Nicht im Osten, weil meine Partei den Osten diesbezüglich aufgeklärt hat. Aber im Westen, vor allem in Bayern, gibt es viele, die denken, sie müssten das einheitlich machen“, berichtete Gysi. Er erzählte von einem Westdeutschen, der seinen Wahlzettel erst nach 30 Jahren begriffen habe.
Kritik an der Wiedervereinigung
Gysi kritisierte auch das Vorgehen nach der Wiedervereinigung: „Die Bundesrepublik Deutschland hatte gesiegt, ihre Verhältnisse blieben und sie konnten nicht aufhören, zu siegen. Deshalb hat sie die DDR reduziert auf SED, Staatssicherheit und Mauertote. Das gab es und das soll auch aufgearbeitet werden, aber sie hat sich nicht für das Leben in der DDR interessiert.“ Übernommen worden seien letztlich nur Sandmännchen, Ampelmännchen und der grüne Abbiegepfeil.
Die Besucher im Theater Vorpommern waren begeistert. Unter tosendem Applaus und teilweise stehenden Ovationen verließ der 78-Jährige gegen 22 Uhr die Bühne.



