Wer diese Woche in Halle schafft, der schafft sie alle. Ein Tag des Lokaljournalismus im langen Schatten einer Amokfahrt, ein Stadion, das nach 3. Liga riecht, wem welche Schokolade besser schmeckt und wo die Pferde heute laufen. Hier in Halle schreibt Ihnen heute Frank Klemmer.
Amokfahrt in Leipzig überschattet die Woche
Wenn Wochen anfangen wie diese, kann doch eigentlich nichts Vernünftiges mehr dabei herauskommen, oder? Die Amokfahrt am Montag in der Grimmaischen Straße in Leipzig mit zwei Toten, vielen Verletzten und noch mehr traumatisierten Menschen hinterlässt einmal mehr Spuren, denen man sich kaum entziehen kann. Auch in Halle nicht. Deshalb war das auch die erste Frage, die mein Kollege Dirk Skrzypczak am Tag des Lokaljournalismus nicht mal 24 Stunden später auf dem Marktplatz live an Oberbürgermeister Alexander Vogt richtete – noch bevor gemeinsam mit unserem Chefredakteur Marc Rath und der neuen Chefin des Zukunftszentrums, Uta Bretschneider, über andere Themen und über Halle gesprochen wurde.
Einsatzkräfte geleiteten Passanten nach der Amokfahrt in der Leipziger Innenstadt aus dem weiträumig abgesperrten Bereich rund um den Ort des Geschehens. Aber was kann man da antworten? Am Ende bleibt die Erkenntnis, die auch meine Kollegin Tanja Goldbecher noch mal auf Nachfrage von der Stadt erhalten hat: Vor bestimmten Gefahren schützen auch nicht noch mehr Sicherheitsmaßnahmen.
Live is Life: Trotzdem raus in die Stadt
Von den Kollegen aus Leipzig ist bekannt, dass sie sich für Dienstag in der Zeitung auch sehr viel in Sachen Tag des Lokaljournalismus vorgenommen hatten. Dass manches davon am Montag in den Hintergrund gerückt ist, ist eben auch genau das: guter Lokaljournalismus. In Halle waren wir am Dienstag trotzdem sehr viel unterwegs: Nicht nur live auf dem Markt, sondern auch bei Halloren, beim HFC, am Pappel Beach, im Neustadt Centrum, im Zoo und sogar in der Oper. Und abends auch noch im TV-Studio. Ich weiß, wir haben es Ihnen schon erzählt – insbesondere die Kollegin Tanja Goldbecher in ihrem Bericht vom Tag. Aber vielleicht wollen Sie ja uns trotzdem noch mal zusehen. Und von mir kriegen Sie – noch einmal, aber zum letzten Mal – mein Fazit: Alles in allem ein Tag, der sehr viel Spaß gemacht hat. Und gezeigt hat, was wir alles sonst noch können, außer Texte zu schreiben. Und wie man nah dran sein kann, ohne die Distanz zu verlieren. Auch in Wochen wie diesen.
Das Kreuz mit der Fahrt zur Rennbahn
Unter anderem durfte ich unterwegs übrigens feststellen, dass der Platz des HFC im Leuna-Chemie-Stadion irgendwo so gar nicht nach Regionalliga riecht. Mindestens nach 3. Liga, finde ich. Was ich hingegen noch nicht weiß, wie es auf der Rennbahn riecht. Dort starten die Pferde mit ihren Reitern heute nämlich in die neue Saison. Weil es mit der Rennbahn in Sachen Verkehr auch schon ein Kreuz ist, spätestens seit die lange Baustelle am Rennbahnkreuz eingerichtet ist, hat mein Kollege Dirk Skrzypczak in dieser Woche, bevor die Pferde über die Bahn laufen, noch einmal hingesehen und erklärt Ihnen ganz genau, wie das mit der Anreise zur Rennbahn trotzdem klappt. Oder auch nicht.
„Besser“ für die Esser? Halloren-Kugeln im Test
Und meine Nase hat übrigens auch bei Halloren hervorragend funktioniert: Schokolade kann ich immer riechen. Genauso wie Darren Ehlert. Zumindest hat er mir gesagt, dass er von Schokolade gar nicht genug kriegen kann. Vielleicht muss er das sagen – als Halloren-Chef. Ebenso spannend war aber, dass er mir noch mal vom „Duell“ mit TV-„Besseresser“ Sebastian Lege, der zufällig diese Woche auch noch in Halle war, erzählt hat. Dass Halloren inzwischen dessen angeblich „bessere“ Rezepte für die Kugeln schon ausprobiert habe. Und dass die längst nicht jeder, der kosten durfte, besser fand als das Original.
Was für ein Spaß, wenn man am Ende darüber gemeinsam lachen kann, oder? Streit hin, Kritik her – aber ein bisschen Humor schadet nicht. Selbst in so einer Woche, die einem gleich zu Anfang das Blut in den Adern gefrieren lässt. Heißer Tipp: Wer es schafft, abseits dessen immer noch etwas zu finden, was ihn und andere schmunzeln lässt, schafft auch den Rest der schrecklichen Wirklichkeit irgendwie. Und jetzt ab ins Wochenende! Rieche ich da etwa schon Kuchen?



