Die Schriftstellerin Juli Zeh sieht vor den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern einen „schrecklichen Teufelskreis“ und warnt vor einer weiteren Zuspitzung der politischen Lage. In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Focus“ äußerte sie ihre Besorgnis über das Umfrage-Hoch der AfD.
Dysfunktionale Koalitionen als Treiber
„Entweder bekommt die AfD die absolute Mehrheit. Oder die anderen müssen immer dysfunktionalere Koalitionen bilden, die dann wiederum nur der AfD helfen“, erklärte Zeh. Sie betonte, dass das Allerwichtigste wäre, dass die Politik wieder gestalte, damit die Menschen Ergebnisse sehen und spüren könnten. Die aus der Not geborenen Koalitionen legten sich innerlich lahm, was zur Verzweiflung führen könne.
Lebensräume driften auseinander
Zeh kritisierte, dass die Sprengkraft auseinanderdriftender Lebensräume noch immer nicht ausreichend verstanden werde. „Da geht es nicht nur um Stadt und Land, sondern generell um Zentrum und Peripherie. Wer in den Plattenbauten einer Vorstadt lebt, hat ein komplett anderes Leben als die Menschen in den innerstädtischen, teuren Vierteln. Das betrifft Wohnen, Schule, Sicherheit, Gesundheitsversorgung, Transport – einfach alles“, so die Autorin.
Zehs Hintergrund
Die Bestsellerautorin, deren Werke wie „Unterleuten“, „Über Menschen“ und „Zwischen Welten“ millionenfach verkauft wurden, wohnt in einem Dorf in Brandenburg und ist seit 2017 SPD-Mitglied. Neben ihrer schriftstellerischen Tätigkeit ist die promovierte Juristin auch als ehrenamtliche Richterin am Landesverfassungsgericht in Brandenburg aktiv. Die Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern finden im September statt.



