Würzburg ist in diesen Tagen Schauplatz des Katholikentags, eines der größten christlichen Großereignisse in Deutschland. In Zeiten von Kriegen, gesellschaftlicher Spaltung und wirtschaftlicher Unsicherheit bemühen sich die Redner um Zuversicht. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU) warnte vor der Polarisierung als einer der größten Krankheiten der Gesellschaft. Er rief dazu auf, Optimismus vorzuleben und sich nicht wegzuducken. „Ansonsten gewinnen die, die die Polarisierung vorantreiben“, so Dobrindt.
Politiker rufen zu Zusammenhalt auf
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier betonte bei seinem letzten Katholikentag seiner Amtszeit die Bedeutung des gesellschaftlichen Zusammenhalts. „Die Demokratie geht nicht ohne gesellschaftlichen Zusammenhalt“, sagte er vor mehr als tausend Zuhörern. Er forderte „gesellschaftliche Gegenwehr“ gegen extremistische Strömungen und systemkritische Parteien. Die AfD war bewusst nicht eingeladen worden.
Rolle der Kirche in der Politik
Die Frage, wie politisch die Kirche sein darf, wurde im Vorjahr kontrovers diskutiert. Auf dem Katholikentag äußerte sich Dobrindt zur Rolle der Kirche: „Ich würde mir beim Lebensschutz eine viel lautere Stimme der Kirche wünschen“, beim Klimaschutz sei die Kirche eher eine Klimareligion. Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) forderte, die Kirche solle nicht dem Zeitgeist folgen. „Wenn Kirche dem Zeitgeist gefallen und sich ständig neuen innerweltlichen Trends anpassen will, verliert sie ihr Alleinstellungsmerkmal“, sagte sie der „Augsburger Allgemeinen“. Kirche müsse „sie selbst bleiben, über das Hier und Jetzt hinausweisen und Halt bieten in den grundlegenden Fragen“.
Papst Leo XIV. und politische Äußerungen
Papst Leo XIV. scheut sich nicht vor klaren Worten zu Krieg, Armut und KI. Eine YouGov-Umfrage zeigt, dass mehr als die Hälfte der Deutschen seine politischen Äußerungen befürwortet. 46 Prozent finden es richtig, dass der Papst grundsätzlich Stellung zu politischen Themen nimmt, 25 Prozent nur zu ausgewählten wie Krieg und Frieden. 17 Prozent lehnen politische Äußerungen des Papstes ab.
Bischof Jung und die Kirche als politische Kraft
Der gastgebende Bischof Franz Jung warnte in seiner Predigt vor einer religiösen Rechtfertigung von Gewalt. „Überall da, wo Menschen für sich in Anspruch nahmen, im Namen Gottes zu herrschen, haben sie Blutbäder angerichtet.“ Die Kirche setze sich für die Würde des Lebens ein, etwa für Ungeborene, Kranke, Behinderte und Sterbende. ZdK-Präsidentin Irme Stetter-Karp betonte zur Eröffnung: „Wir müssen uns einmischen.“ Eine Kirche, die sich zur Menschenwürde und Solidarität bekenne, sei eine politische Kirche.



