Kulturpreis 2026 in Jarmen verliehen: Jugend im Fokus
Kulturpreis 2026: Jugend im Fokus

In Jarmen sind die Kulturpreisträger für den Landkreis Vorpommern-Greifswald geehrt worden. Den Rahmen bildete ein Aktionstag für Brücken zwischen den Generationen und die Teilhabe junger Leute. Der Fachtag Kultur des Landkreises am Donnerstag stand ganz im Zeichen der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. Ausgerichtet wurde er im städtischen Kulturzentrum von Jarmen und dessen Umgebung.

Überschaubare Beteiligung der Jugend

Die Zahl der wirklich jungen Leute wirkte allerdings recht überschaubar, abgesehen von jenen, die zum Programm gehörten. Zwar handelte es sich nicht um einen unterrichtsfreien Tag, gleichwohl hatte der federführende Landkreis eine Freistellung vonseiten der Schulen angeregt und befürwortet, damit viele Jungen und Mädchen dabei sein können.

„Die Stimme der Jugend ist eine wichtige Perspektive für die Zukunft unserer Region, weil junge Menschen neue Ideen, Bedürfnisse und Sichtweisen einbringen“, sagte Landrat Michael Sack (CDU), der selbst in der Peenestadt aufgewachsen ist. „Besonders in der kulturellen Arbeit können sie ihre Themen, Werte und Kreativität ausdrücken und das kulturelle Leben aktiv mitgestalten.“

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Bekanntgabe der Gewinner des Kulturpreises

Er nahm den Termin auch zum Anlass, um die Gewinner des Kulturpreises Vorpommern-Greifswalds 2026 bekannt zu geben und zu ehren. Deren Kür passte ganz zum Thema des Fachtages, der sich unter anderem um die Zusammenarbeit von Kunst- und Kulturschaffenden mit Kindern und Jugendlichen drehte.

In der Kategorie Vereine kürte die Jury das Jugendorganisationsteam „FUSO“. Die Abkürzung steht für „Film und so“, eine Initiative unter Trägerschaft des Nave Randow e.V., der in der Gemeinde Blankensee (Amt Löcknitz-Penkun) ansässig ist. Der Verein wurde 2017 im Nachgang eines Dorf-Theaterprojekts gegründet.

FUSO: Filmhandwerk für Kinder und Jugendliche

Der Verein verbindet Kompetenzen aus den Bereichen Pädagogik, Natur- und Umweltbildung, Naturschutz sowie Kultur- und Medienarbeit. Bei FUSO erlernen Kinder und Jugendliche das Handwerk des filmischen Arbeitens. Echte Partizipation spielt eine zentrale Rolle im Verein. Denn der Nachwuchs wird auch in die Antragsstellung für Fördergelder und die Bewerbung der Projekte sowie bei der Erstellung des Drehbuchs und der filmischen Umsetzung einbezogen.

Christian Holm: Theaterpädagoge mit Leidenschaft

Der andere Preisträger ist Christian Holm, ein in Hamburg geborener Schauspieler und Theaterpädagoge, freiberuflicher Spielleiter und Autor. Seit 2020 an der Montessorischule Greifswald angestellt, hat er sich mit seinen Theaterprojekten mit Jugendlichen landesweit einen Namen gemacht. Nicht zu vergessen: der „U20 Poetry Slam“ im St. Spiritus, den er 2017 ins Leben rief und der mit einem wöchentlichen Schreibworkshop einhergeht. Holm meistert diese Veranstaltungen ehrenamtlich und mit großer Leidenschaft.

Partizipative Kulturarbeit im Landkreis

Der Fachtag präsentierte das auch in Jarmen angesiedelte Projekt „Spacemaker“ und diente als Auftaktveranstaltung für das Projekt „Aller.Land“, das sich auf den mittleren und nördlichen Teil Vorpommern-Greifswalds konzentriert. Der Landkreis setzt in diesem Vorhaben auf partizipative Kulturarbeit, um Kinder und Jugendliche als aktive Gestalter ihrer Region zu stärken, und knüpft dabei an Erfahrungen des TRAFO2-Projekts und seiner innovativen Formate an.

„Ziele sind die Schaffung kultureller Selbstgestaltungsräume, die Vermittlung von Kompetenzen selbstorganisierter Kulturarbeit und die Stärkung demokratischer Teilhabe“, heißt es aus dem Landratsamt. Gleichzeitig soll der Austausch zwischen Generationen gefördert werden, um gegenseitiges Verständnis zu stärken und die Attraktivität der Region zu steigern.

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Brückenbau zwischen Jugend- und Erwachsenenwelt

In diesem Sinne wurde am Donnerstag in Jarmen in vielfältigen Programmpunkten und Runden diskutiert und ausgelotet, wie sich mehr Brücken zwischen Jugend- und Erwachsenenwelt schaffen lassen und wie Jugendliche am besten erreicht oder noch stärker einbezogen werden können. Schließlich empfinden sie jeden über 20 als alt und viele einst gut funktionierende neue Ideen eben gar nicht mehr als solche, wie Manfred Zentner von der Universität für Weiterbildung Krems (Österreich) klarmachte. Der Mann forscht seit 1997 zu Jugend und Jugendkultur und hielt das Impulsreferat für die Diskussionen und Workshops.

„Wir müssen bereit sein, etwas zu akzeptieren, was uns vielleicht nicht gefällt“, gab er den Erwachsenen mit auf den Weg: Echte Partizipation an der Gesellschaft dürfe nicht nur eine Teilhabe an Bestehendem bedeuten. Vielmehr gehöre dazu, die junge Generation Dinge anders machen zu lassen, als es ihre Vorgänger gemacht haben oder hätten.

Ob er damit auch die althergebrachten Präsentationsformen auf dem im Saal aufgebauten „Marktplatz der Kultur“ meinte, ließ Zentner offen. An dieser Schau waren zahlreiche Vertreter jenes umfangreichen Netzwerkes vertreten, das längst in Vorpommern existiert. Bestehend aus Schulen, Jugendorganisationen, Künstlern, kommunalen Akteuren und Bildungseinrichtungen, gewährleisten sie eine breite Verankerung der Projekte. Trotzdem stehen letztere aber immer vor der Frage, wie sie ihre Zielgruppen erreichen.

Extra-Applaus gab es für die Jugendfeuerwehr Jarmen, die unter den Fittichen einiger erwachsener Kameraden das Catering der Veranstaltung übernahm. Auch für die musikalische Umrahmung sorgte der Nachwuchs: in Gestalt der Band „Back to the Beat“ der Kreismusikschule Uecker-Randow.