Mit einem verhexten Anruf wurde das Walpurgisfest in Penzlin eingeläutet. Telefon-Spaßvogel Leif Tennemann vom NDR rief im Hexenmuseum auf der Burg an, bekam Mitarbeiterin Wiebke Hanke an den Apparat und gab sich als Hexenmeister aus, der mit 90 Hexen im Burghof feiern wolle. Freundlich, aber bestimmt verwies ihn die Museumsmitarbeiterin auf die Wiese vor der Burg, da der Burghof wegen Bauarbeiten gesperrt ist. „Hat sie gut gemacht“, befand Bürgermeister Sven Flechner (parteilos) tags darauf, nachdem er die Feier eröffnet hatte.
Jahrzehntealte Tradition lockt Gäste von weither
Penzlin hat in der Mittelalterszene einen Namen. Stets locke die jahrzehntealte Tradition zur Walpurgisnacht Gäste und Akteure von weiter her in die Kleinstadt. So reiste die Asuna Bellydance-Company aus Stralsund an, um einen Hexentanz aufzuführen. Auch die Araga Mysteria-Feuershow, die Band Blank-Rock, die Kinder aus der Awo-Kita, die Schüler aus Möllenhagen und der Penzliner Frauenchor sorgten für Unterhaltung. Stars des Abends waren Burghexlein Amalia aus Schildow und Burghexe Sirena aus Penzlin, die vom Publikum gewählt wurden. Stände mit Kulinarischem, zauberhafte Spiele und ein Walpurgisfeuer rundeten das Ambiente ab.
Kein Eintritt, aber Kosten für die Stadt
Hunderte feierten am Fuße der Burg in den Mai. Gezählt wurden sie mangels Einlasskontrolle nicht, denn „im Unterschied zu anderen nehmen wir keinen Eintritt“, sagte Flechner. Möglich sei das durch eine Spende des Fördervereins Alte Burg Penzlin. Dennoch koste die Veranstaltung den Stadthaushalt 3000 bis 4000 Euro, unter anderem für Toiletten und Müllentsorgung. Diese freiwillige Ausgabe stelle trotz knapper Kassen niemand in Frage. Die Walpurgisnacht gehöre wie das Burgfest zu einer Reihe von Traditionen, die sich „wie ein roter Faden durchs Jahr ziehen“.
Bürgermeister verteidigt Brauch gegen Kritik
Kritiker, die den Brauch der Hexenfeuer ablehnen, kann Flechner verstehen. Die Hexenverfolgung sei ein dunkles Kapitel der frühen Neuzeit, mit dem sich das Museum mit Folterkeller und Hexenverlies auseinandersetze. „Wir feiern den Frühling, tanzen in den Mai, weiter nichts, auch wenn hier ein paar verkleidete Hexen mitmachen. Gegen Bibi Blocksberg hat schließlich auch niemand etwas einzuwenden“, sagte der Bürgermeister.
Bauarbeiten an der Burg beeinträchtigen Besucherstrom
Rund 16.000 Besucher werden jährlich in der Burg gezählt. In diesem Jahr wird der Gästestrom durch Bauarbeiten beeinträchtigt: Für rund 650.000 Euro erhält die Burg ein neues Dach. Die Arbeiten dauern voraussichtlich bis in den Spätsommer oder Herbst. Der Haupteingang wird auf die Rückseite verlegt, damit Touristen die Baustelle umgehen können. Bislang laufen die Arbeiten planmäßig, wenn auch das Baugerüst mit Rücksicht auf brütende Turmfalken noch nicht vollständig aufgestellt werden kann. Flechner lehnt eine Sperrung der ersten Etage für Gäste ab: „Da werden wir eine andere Lösung finden.“



