Potsdam - Der Wiederaufbau der umstrittenen Garnisonkirche in Potsdam schreitet voran: 24 tonnenschwere Säulen aus Edelstahl sollen künftig die Turmhaube tragen. Die Säulen gehören zur Unterkonstruktion der rund 27 Meter hohen Turmspitze, wie Peter Leinemann, Verwaltungsvorstand der Stiftung Garnisonkirche, mitteilt. Sie werden mit Holz verschalt und anschließend mit Kupferblech umhüllt. Gekrönt wird das Ganze von einer drehbaren Wetterfahne. „Unser Ziel ist es, die Haube bis Frühjahr 2027 fertig zu montieren und dann auf den Turm zu setzen“, so Leinemann.
Historischer Hintergrund der Garnisonkirche
Die ursprüngliche Militärkirche aus dem Jahr 1735 brannte im Zweiten Weltkrieg aus und wurde 1968 gesprengt. Der Wiederaufbau war wegen der dunklen Vergangenheit des Bauwerks jahrelang umstritten. Am 21. März 1933, dem „Tag von Potsdam“, reichte Reichspräsident Paul von Hindenburg vor der Kirche dem neuen Reichskanzler Adolf Hitler die Hand – ein symbolträchtiger Akt, der die Verbindung von Preußentum und Nationalsozialismus manifestierte.
Moderne Bauweise statt historischer Eichenstämme
Hagen Mehmel von der Baudenkmalpflege Potsdam erläutert die Unterschiede zum Original: „Früher wurden die Säulen aus Eichenstämmen gefertigt, ähnlich wie im Schiffbau. Heute nutzen wir moderne statische Erkenntnisse und Materialien wie Edelstahl.“ Die gesamte Haube wiegt rund 60 Tonnen, inklusive der Stahlsäulen.
Das Bauprojekt kostet über drei Millionen Euro. Etwa ein Zehntel davon steuert die Fördergesellschaft bei, der Rest stammt aus Spenden – darunter viele Kleinspender und ein Großspender – sowie aus Fördermitteln des Bundes. Der Turm der Kirche wurde bereits 2024 eröffnet. Eigentlich sollte die Haube zeitgleich gebaut werden, doch eine Klage im Ausschreibungsverfahren führte zu einer Verzögerung von rund einem Jahr.



