Das Aus für den legendären Uckerkaas: Eine Ära in der Uckermark geht zu Ende
Seit mehr als drei Jahrzehnten prägte eine niederländische Familie die kulinarische Landschaft der Uckermark nahe Prenzlau. Was 1994 mit dem Umzug der Familie Wolters begann und 2001 mit der ersten Produktion des berühmten Uckerkaas seinen Höhepunkt fand, wird nun ein unerwartetes Ende finden. Die Produktion der beliebten Käsespezialitäten wird Ende 2026 eingestellt – eine Nachricht, die Käseliebhaber in ganz Deutschland traurig stimmen wird.
Vom Bauernhof zur Erfolgsgeschichte
Pieter Wolters und sein Team veredelten über Jahre hinweg selbstproduzierte Milch nach traditioneller holländischer Art zu außergewöhnlichen Käsekreationen. Mit Geschmacksrichtungen wie Kümmel, Gartenkräutern und Bärlauch verwöhnten sie Generationen von Feinschmeckern. Parallel dazu entwickelte sich die mehrfach ausgezeichnete Vermarktungsplattform Q-Regio zu einem florierenden Handelsunternehmen für regionale Produkte.
Das Sortiment umfasst heute über tausend Erzeugnisse – von Fleisch- und Wurstprodukten bis hin zu Wildkreationen und Bio-Konserven. 70 Prozent der Lieferungen gehen an Wiederverkäufer wie die „Karls Höfe“ an der Küste oder kleinere Hofläden, während der Rest direkt an Privatkunden geliefert wird. Chefin Nancy Dräger, seit 21 Jahren im Unternehmen tätig, bestätigte gegenüber dem Nordkurier die traurige Nachricht: „Der Verkauf des eigenen Käses läuft Ende 2026 aus.“
Die Gründe für das Ende einer Ära
Junior-Chefin Amy Wolters, die 23-jährige Enkelin des Gründers, erklärte im Gespräch mit unserer Redaktion die schwierige Entscheidung: „Aufgrund stark gestiegener Energiepreise, wachsender regulatorischer Anforderungen sowie des zunehmenden wirtschaftlichen Drucks auf kleine handwerkliche Betriebe ist eine rentable Fortführung der hofeigenen Käseherstellung heute kaum noch möglich.“
Die Familie Wolters steht seit über drei Jahrzehnten für landwirtschaftliche Leidenschaft, Unternehmergeist und gelebte Regionalität in der Uckermark. „Diese Entscheidung ist der Familie nicht leicht gefallen, da der Käse einst den Ursprung der gesamten Entwicklung markierte“, betonte Amy Wolters mit spürbarer Emotion in der Stimme.
Neue Perspektiven und Zukunftsvisionen
Trotz des Endes der eigenen Käseproduktion gibt es Licht am Horizont. Das Unternehmen wird weiterhin das beliebte Eis sowie Fruchtaufstriche produzieren. Eigens dafür wurde das bisherige „Käsestübchen“ in die große grüne Halle der Q-Regio in Bandelow umverlagert, wo ab sofort der moderne Hofladen zu finden ist.
Die wichtigste Nachricht für die Mitarbeiter: Es wird im Zuge der Umstrukturierung keine Kündigungen geben. Nancy Dräger bilanziert zudem positiv: „2026 ist nach einem eher durchwachsenen letzten Jahr erstaunlich positiv gestartet, und die Umsatzzahlen machen Hoffnung für eine Ära nach dem Uckerkaas.“
Generationswechsel bringt frischen Wind
Der Übergang von der Gründer- zur Enkelgeneration markiert einen wichtigen Entwicklungsschritt für das Unternehmen. „Der Generationswechsel bringt frischen Wind, neue Ideen und eine klare strategische Weiterentwicklung mit sich“, erklärte Amy Wolters. Sichtbar wird dieser Wandel durch die Eröffnung des neuen Hofladens und die geplante Bündelung der Produktion.
Produkte wie Eis, Softeis, Aufstriche, Liköre und Sirupe der Marke „Uckermärker Fruchtzauber“ sollen künftig direkt in der Q-Regio-Halle hergestellt werden. Dabei bleibt die eigene Milch aus der Herde weiterhin die Basis, insbesondere für die Eisproduktion.
Käse bleibt im Sortiment – aber anders
Für alle, die den Geschmack des Uckerkaas vermissen werden, gibt es eine tröstliche Nachricht: Käse wird auch in Zukunft ein fester Bestandteil des Q-Regio-Sortiments bleiben. Allerdings wird er dann von ausgewählten Partnerbetrieben bezogen – unter anderem aus der niederländischen Heimat der Familie Wolters sowie aus anderen regionalen Manufakturen.
„Q-Regio bleibt seinen Werten treu, entwickelt sich aber konsequent weiter“, betonte Amy Wolters abschließend. „Regionalität, Partnerschaft und Qualität stehen weiterhin im Mittelpunkt – ergänzt durch neue Strukturen, frische Ideen und den Blick nach vorn. So wird aus einer gewachsenen Tradition heraus der nächste Schritt gemacht: hin zu einer nachhaltigen, zukunftsfähigen Regionalvermarktung, die Produzenten verbindet und Kunden weiterhin hochwertige, authentische Produkte aus der Region bietet.“
Wer noch einen der legendären Uckerkaas-Laibe in den verschiedenen Geschmacksrichtungen probieren möchte, sollte sich allerdings beeilen. Die verbleibende Zeit bis Ende 2026 wird knapp für alle, die dieses Stück Uckermark-Geschichte noch einmal genießen wollen.



