Zufallsfund: 800 Jahre altes Beinhaus in Chammünster entdeckt
Zufallsfund: 800 Jahre altes Beinhaus in Chammünster

Mitten auf dem Friedhof der Urkirche im bayerischen Chammünster stapeln sich seit Jahrhunderten Knochen – offen sichtbar für jeden Besucher. Der rund 800 Jahre alte Gedenkort ist kein gewöhnliches Grab. Im Beinhaus liegen die Gebeine unzähliger Verstorbener aus längst vergangenen Epochen. Und dass dieser Ort heute wieder im alten Glanz zu sehen ist, verdankt sich einem Zufall – und einem Schulprojekt, das wohl einzigartig ist.

Ein Ort voller Geschichte

Hinter einem Gitter, in einer Katakombe aufgeschichtet, ruhen im Beinhaus im bayerischen Chammünster Knochen aus mehreren Jahrhunderten – für jeden einsehbar auf dem Gottesacker der Urkirche. Hans Wrba ist Rentner und ehrenamtlicher Heimatpfleger in Cham. Er kennt die Geschichte des Ortes genau. Schon als Jugendlicher habe er sich für die Historie seiner Region interessiert, erzählt er im Gespräch. Über das Beinhaus sagt er: „Das Beinhaus ist vermutlich um das Jahr 1200 entstanden. Darauf deutet die Bauweise hin. Diese Art, die Toten zur letzten Ruhe zu betten, stammte ursprünglich aus Frankreich und datiert zurück bis ins 11. Jahrhundert.“

Platzmangel führte zu Beinhäusern

Bereits im Jahre 739 wurde im heutigen Chammünster erstmals eine Kirche gegründet. In den folgenden Jahrhunderten wuchs ihr Einzugsbereich enorm. Doch mit der Zahl der Gläubigen wuchs auch ein Problem: Auf den Friedhöfen fehlte irgendwann der Platz. Das war nicht nur in Chammünster so, sondern auch in anderen Gemeinden in Bayern und Österreich, in denen es noch heute Beinhäuser gibt. „Und so exhumierte man irgendwann die Knochen der Toten und verbrachte sie zur letzten Ruhe in die Beinhäuser, wie das in Chammünster eben“, so Wrba. Doch durch Irrungen und Wirrungen der Geschichte und mehrere teils erzwungene Religionswechsel geriet das Beinhaus in Vergessenheit.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Abriss der St.-Katherinen-Kapelle verschüttete Katakombe

Im Jahre 1556 ordneten die damaligen Machthaber den Abriss der St.-Katherinen-Kapelle an. Sie stand direkt über dem Beinhaus von Chammünster. „Mit dem Schutt hat man dann die Eingänge zu der Katakombe zugeschüttet.“ Erst 1820 kam es zur Wiederentdeckung – durch Zufall. Der örtliche Küster wollte an gleicher Stelle einen Keller ausheben lassen. Dabei stieß man auf das Gewölbe. „Man dachte dann gleich an ein Massengrab von Pesttoten.“ Jahrzehnte vergingen, bis die sterblichen Überreste endgültig gerettet wurden.

Schulprojekt 1902: Schüler bargen Knochen

1880 ließ das Bayerische Amt für Denkmalpflege aus München das Beinhaus erneut ausheben. Doch sichtbar für alle wurde es erst durch ein außergewöhnliches Schulprojekt. 1902 machte sich der damalige Lehrer der örtlichen Schule, zugleich Pfarrer, mit seiner Klasse an die Arbeit. Sie bargen die Knochen. „Das waren mehrere Wagen voll. Man hat sie dann an Ort und Stelle fein säuberlich wieder aufgeschichtet.“ Seit dem Jahr 1965 befindet sich über der Knochen-Katakombe das örtliche Leichenschauhaus. Dort werden Tote bis zu ihrer Bestattung aufgebahrt. Neue Gebeine kommen im Beinhaus jedoch nicht mehr hinzu.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration